Sinnspiegelung
Datensatz-ID: 17706
Bezeichnung: Sinnspiegelung
Verzeichnisse: Werkzeuge
Verwendung:
Fachbuch: Visionierung
Siehe auch:
Der Sinn ist die Schnittstelle zur Lösung. Das ist eine Technik zur Sinnerschließung.
Die Sinnspiegelung ist eine mediative Technik zur Explizierung impliziter Bedeutungsstrukturen durch hypothesenhafte Rückmeldung seitens des Mediators.
Beschreibung
Im Unterschied zur klassischen Paraphrase fokussiert die Sinnspiegelung nicht auf das Gesagte, sondern auf das Gemeinte. Sie konkretisiert das Loopen, indem die Sinnhaftigkeit einer Ansage konkret hinterfragt wird. Ihr Ziel ist, verborgene Sinnstrukturen bewusst und überprüfbar zu machen.
Anwendungsmöglichkeiten
Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich immer im Verlauf der Mediation, wenn das Gesagte Hinweise auf Sinnfragen öffnet oder den Sinn verschleiert. Das Gemeinte wird zurück gemeldet und an Werte gekoppelt. Das Ziel ist das Verstehen der Hintergründe und Motive. Die Kommunikation verläuft beispielsweise wie folgt:
Der Mediator versuchet in seiner Rückmeldung suchaus schon dine Verknüpfung mit sinnstiftenden Werten zu finden und gegebenenfalls aufzudecken.
Konzeptuelle Einordnung
Die Sinnverankerung gehört zur Sinnarbeit in der Mediation. Die Sinnarbeit ist Bestandteil der Visionierung, mit deren Hilfe die Parteien eine gemeinsame, tragfähige Zukunftsvorstellung entwickeln. Diese Vision bildet die konzeptionelle Grundlage der späteren Lösung. Sie wird bewusst in einem von bestehenden Problemzwängen gelösten Denkraum („problembefreite Welt“) entwickelt und ist insofern als visionär zu verstehen. Die anschließende Lösung soll diese Vision konkretisieren, indem sie die zuvor erarbeiteten Nutzenkriterien umsetzt. Während die Nutzenklärung die funktionale Zweckmäßigkeit beschreibt (Wozu dient die Lösung?), erschließt die Sinnarbeit deren subjektive und intersubjektive Bedeutung (Was bedeutet die Lösung für die Parteien?).
Die Sinnfrage ergänzt somit die Nutzenperspektive um eine Bedeutungsebene und ermöglicht es den Parteien, die Wertigkeit und Stimmigkeit der Lösung zu erkennen und zu bewerten. Die Manifestation des Sinns erfolgt dabei nicht punktuell, sondern in einem sequenziellen Prozess, der sich in folgenden Schritten vollzieht:
Methodische Sequenz-Tabelle
| Prozessschritt | Leitfrage | Technik | Ziel der Intervention | Beispielhafte Intervention |
|---|---|---|---|---|
| Nutzenklärung | Wozu brauchst du das? | Doppelte Wozu-Frage | Herausarbeitung des funktionalen Nutzens und der dahinterliegenden Motive | "Wozu ist dir das wichtig?" / "Was ermöglicht dir das konkret?" |
| Sinnerschließung | Was bedeutet das für dich? | Sinnspiegelung | Explizierung der subjektiven Bedeutung (Übergang von Nutzen zu Sinn) | "Wenn ich dich richtig verstehe, bedeutet das für dich …?" |
| Sinnexploration | Welche Bedeutungsmöglichkeiten gibt es noch? | Sinnoptionen, Wertelisten | Erweiterung des Deutungsspielraums und Aktivierung latenter Sinnpotenziale | "Geht es eher um Sicherheit, Anerkennung oder etwas anderes?" |
| Sinnabgleich | Was ist euer gemeinsamer Sinn? | Gemeinsame Sinnkonstruktion | Herstellung eines kompatiblen oder geteilten Sinnhorizonts | "Wo überschneiden sich eure Bedeutungen?" |
| Sinnverankerung | Ist die Lösung für euch stimmig? | Sinnverankerung | Integration des Sinns in die Lösung zur Sicherung der Nachhaltigkeit | "Spiegelt diese Lösung wider, was euch wirklich wichtig ist?" |
Bedeutung für die Mediation
Sie erhöht die Verständnistiefe und reduziert Fehlinterpretationen, indem sie implizite Bedeutungen expliziert und dialogisch überprüft.
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