Doppelte Wozu-Frage
Datensatz-ID: 17705
Bezeichnung: Doppelte Wozu-Frage
Verzeichnisse: Werkzeuge
Verwendung:
Fachbuch: Visionierung
Siehe auch:
Der Sinn ist die Schnittstelle zur Lösung. Die doppelte Wozu-Frage ist eine Technik zur Sinnerschließung.
Die doppelte Wozu-Frage ist eine mediative Interventionstechnik, die zwischen funktionalem Nutzen und subjektiver Bedeutung unterscheidet. Sie verbindet die Klärung von Interessen mit der Erschließung des dahinterliegenden Sinns.
Beschreibung
Die Technik folgt einer zweistufigen Logik:
- Stufe 1: Wozu? → Klärung des Nutzens
- Stufe 2: Was bedeutet das? → Erschließung des Sinns
Sie bildet den methodischen Übergang von der Interessenklärung zur Sinnfindung.
Anwendungsmöglichkeiten
Wenn Sie die Technik des Dimensionierens kennen, verstehen Sie, warum und wie die vorliegende Fragetechnik die Informationsqualität manipuliert. Wenn eine Partei beispielsweise eine Lösung vorgibt, (wie z.B. "Ich will jetzt nach Hause gehen!"), dann erschließt sich der Nutzen, indem gefragt wird: "Wozu machst Du das?". Die Antwort erginbt ein "Damit ...". Etwa: "Damit ich meine Ruhe finde“. Das wäre der Nutzen. Der Sinn erschließt sich, wenn die Bedeutung des Nutzens hinterfragt wird. Die Bedeutung erschließt sich, wenn erneut nach dem Wozu gefragt wird. Also beispielsweise: "Was bedeutet Ruhe für Dich?" Oder“Wozu brauchst Du das?“. Der logische Zusammenhang stellt sich wie folgt dar:
Die Frage nach der Bedeutung geht über die Interessen hinaus, weil sie sich mit der Lösung nicht zufrieden gibt. Andere Fragen lauten in der 2. Stufe etwa "Was hast Du davon?", oder „Wozu ist dir das wichtig?“, oder „Und was bedeutet das für dich?“.
Die integrierte Mediation geht in der 3. Phase beispielsweise ganz offensiv auf die Bedeutu8ngsinhalte zu, indem sie die Phase mit der initialisierenden Frage eröffnet: "Was bedeutet ... (das Thema) ... für Dich?". Die Frage ist offen,. Theoretisch könnten die Parteien direkt die Bedeutung nennen., In der Praxis geschieht das jedoch nicht. Die Parteien nennen des Problem, das dann über die Wozu-Frage in den Nutzen geführt wird, um dann mit der Bedeutungsfrage in die Bedeutung oder den Sinn geleitet zu werden.
Konzeptuelle Einordnung
Die Sinnverankerung gehört zur Sinnarbeit in der Mediation. Die Sinnarbeit ist Bestandteil der Visionierung, mit deren Hilfe die Parteien eine gemeinsame, tragfähige Zukunftsvorstellung entwickeln. Diese Vision bildet die konzeptionelle Grundlage der späteren Lösung. Sie wird bewusst in einem von bestehenden Problemzwängen gelösten Denkraum („problembefreite Welt“) entwickelt und ist insofern als visionär zu verstehen. Die anschließende Lösung soll diese Vision konkretisieren, indem sie die zuvor erarbeiteten Nutzenkriterien umsetzt. Während die Nutzenklärung die funktionale Zweckmäßigkeit beschreibt (Wozu dient die Lösung?), erschließt die Sinnarbeit deren subjektive und intersubjektive Bedeutung (Was bedeutet die Lösung für die Parteien?).
Die Sinnfrage ergänzt somit die Nutzenperspektive um eine Bedeutungsebene und ermöglicht es den Parteien, die Wertigkeit und Stimmigkeit der Lösung zu erkennen und zu bewerten. Die Manifestation des Sinns erfolgt dabei nicht punktuell, sondern in einem sequenziellen Prozess, der sich in folgenden Schritten vollzieht:
Methodische Sequenz-Tabelle
| Prozessschritt | Leitfrage | Technik | Ziel der Intervention | Beispielhafte Intervention |
|---|---|---|---|---|
| Nutzenklärung | Wozu brauchst du das? | Doppelte Wozu-Frage | Herausarbeitung des funktionalen Nutzens und der dahinterliegenden Motive | "Wozu ist dir das wichtig?" / "Was ermöglicht dir das konkret?" |
| Sinnerschließung | Was bedeutet das für dich? | Sinnspiegelung | Explizierung der subjektiven Bedeutung (Übergang von Nutzen zu Sinn) | "Wenn ich dich richtig verstehe, bedeutet das für dich …?" |
| Sinnexploration | Welche Bedeutungsmöglichkeiten gibt es noch? | Sinnoptionen, Wertelisten | Erweiterung des Deutungsspielraums und Aktivierung latenter Sinnpotenziale | "Geht es eher um Sicherheit, Anerkennung oder etwas anderes?" |
| Sinnabgleich | Was ist euer gemeinsamer Sinn? | Gemeinsame Sinnkonstruktion | Herstellung eines kompatiblen oder geteilten Sinnhorizonts | "Wo überschneiden sich eure Bedeutungen?" |
| Sinnverankerung | Ist die Lösung für euch stimmig? | Sinnverankerung | Integration des Sinns in die Lösung zur Sicherung der Nachhaltigkeit | "Spiegelt diese Lösung wider, was euch wirklich wichtig ist?" |
Bedeutung für die Mediation
Die Technik ermöglicht es, hinter funktionale Interessen zu blicken und die existenzielle Bedeutung sichtbar zu machen. Dadurch entstehen tragfähigere und nachhaltigere Lösungen.
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