Die gemeinsame Sinnkonstruktion
Datensatz-ID: 17708
Bezeichnung: Gemeinsame Sinnkonstruktion
Verzeichnisse: Werkzeuge
Verwendung:
Fachbuch: Visionierung
Siehe auch:
Der Sinn ist die Schnittstelle zur Lösung. Die gemeinsame Sinnkonstruktion ist eine Technik zur Sinnerschließung.
Die gemeinsame Sinnkonstruktion bezeichnet den mediationsspezifischen Prozess, in dem individuelle Sinnzuschreibungen aufeinander bezogen und zu einem kompatiblen Bedeutungsrahmen verdichtet werden.
Beschreibung
Ausgangspunkt sind individuelle Sinnfindungen. Durch dialogischen Abgleich werden Überschneidungen identifiziert und zu einem gemeinsamen Verständnis weiterentwickelt.
Anwendungsmöglichkeiten
Idealer Weise geschieht der Abgleich im 2. Teil der 3. Phase während der Windows 2 Technik. Der Mediator stellt sicher, dass die Vorstelölungen der Parteien nicht voneinander abweichen oder wenigstens nachvollzogen werden. Bezogen auf die Sinnfrage kann er wie folgt vorgehen:
Der Mediator stellt fest: „Ihznen beiden ist es wichtig, sich aufeinander verlassen zu können. Ist das korrekt?" Die Parteien bestätigen. Der Mediator fährt fort: "Wir können nachher gemeinsam überlegen, woran man Verlässlichkeit festmacht und was sich dahinter verbirgt, damit Sie eine übereinstimmende Vorstellung davon haben und Ihre Erwartungen gleichgerichtet sind.“
Der Mediator fragt beide Parteien: „Was ist Ihnen beiden daran so wichtig?“. ... Oder ... „Wo liegt Ihr gemeinsamer Nenner?“.
Die Technik dient zur Vorbereitung von Lösungen und zur Überwindung von Gegensätzen. Sie bestätigt die Kooperation. Es ist wichtig, die Übereinstimmung und Gemeinsamkeiten herauszustellen. Das ist bei den Sinnfragen meist leichter als bei der konkreten Lösung.
Konzeptuelle Einordnung
Die Sinnverankerung gehört zur Sinnarbeit in der Mediation. Die Sinnarbeit ist Bestandteil der Visionierung, mit deren Hilfe die Parteien eine gemeinsame, tragfähige Zukunftsvorstellung entwickeln. Diese Vision bildet die konzeptionelle Grundlage der späteren Lösung. Sie wird bewusst in einem von bestehenden Problemzwängen gelösten Denkraum („problembefreite Welt“) entwickelt und ist insofern als visionär zu verstehen. Die anschließende Lösung soll diese Vision konkretisieren, indem sie die zuvor erarbeiteten Nutzenkriterien umsetzt. Während die Nutzenklärung die funktionale Zweckmäßigkeit beschreibt (Wozu dient die Lösung?), erschließt die Sinnarbeit deren subjektive und intersubjektive Bedeutung (Was bedeutet die Lösung für die Parteien?).
Die Sinnfrage ergänzt somit die Nutzenperspektive um eine Bedeutungsebene und ermöglicht es den Parteien, die Wertigkeit und Stimmigkeit der Lösung zu erkennen und zu bewerten. Die Manifestation des Sinns erfolgt dabei nicht punktuell, sondern in einem sequenziellen Prozess, der sich in folgenden Schritten vollzieht:
Methodische Sequenz-Tabelle
| Prozessschritt | Leitfrage | Technik | Ziel der Intervention | Beispielhafte Intervention |
|---|---|---|---|---|
| Nutzenklärung | Wozu brauchst du das? | Doppelte Wozu-Frage | Herausarbeitung des funktionalen Nutzens und der dahinterliegenden Motive | "Wozu ist dir das wichtig?" / "Was ermöglicht dir das konkret?" |
| Sinnerschließung | Was bedeutet das für dich? | Sinnspiegelung | Explizierung der subjektiven Bedeutung (Übergang von Nutzen zu Sinn) | "Wenn ich dich richtig verstehe, bedeutet das für dich …?" |
| Sinnexploration | Welche Bedeutungsmöglichkeiten gibt es noch? | Sinnoptionen, Wertelisten | Erweiterung des Deutungsspielraums und Aktivierung latenter Sinnpotenziale | "Geht es eher um Sicherheit, Anerkennung oder etwas anderes?" |
| Sinnabgleich | Was ist euer gemeinsamer Sinn? | Gemeinsame Sinnkonstruktion | Herstellung eines kompatiblen oder geteilten Sinnhorizonts | "Wo überschneiden sich eure Bedeutungen?" |
| Sinnverankerung | Ist die Lösung für euch stimmig? | Sinnverankerung | Integration des Sinns in die Lösung zur Sicherung der Nachhaltigkeit | "Spiegelt diese Lösung wider, was euch wirklich wichtig ist?" |
Bedeutung für die Mediation
Sie bildet die Grundlage für tragfähige Vereinbarungen, da Lösungen auf einem geteilten Sinnverständnis beruhen.
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