Digitalisierung und Digitalkompetenz
Wissensmanagement » Abteilung Werkzeuge → Mediatorenkoffer
Welchen Einfluss die äußeren Bedingungen auf das Gelingen der Mediation haben und wie Sie darauf einwirken können.
Diese Seite gehört zum Mediatorenkoffer
Wikiabteilung: Werkzeuge → Rubrik: Mediatorenkoffer → Fach: Werkzeugsystematik → Hauptkapitel: Setting → Kapitel (dieser Beitrag): Onlinetechnik und Digitalisierung
Inhalt → Weiter: Onlinetechnik
Im EDV-Zeitalter kommt auch die Mediation oder wenigstens der Bürobetrieb eines Mediators ohne EDV nicht mehr aus. Sicher schicken Sie e-Mails und nutzen den PC für die Terminverwaltung. Es ist konsequent, wenn auch die Mediation an die EDV Anforderungen stellt. Denken Sie nur an den Datenschutz.
Es gibt aber noch mehr, woran zu denken ist. Dabei geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um den Umgang mit ihr. Die Ausbildungsverordnung trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie in der Anlage zur Ausbildungsverordnung1
nicht nur die Online-Mediationen, sondern auch die Digitalkompetenz in die Pflichtausbildung zum zertifizierten Mediator übernommen hat.
Herausforderungen der Digitalisierung
Die Digitalisierung stellt besondere Anforderungen an den Menschen wie die Systeme in denen er sich bewegt. Die digitale Welt funktioniert anders als die gewohnte analoge Welt. Um den Veränderungen Rechnung zu tragen, ist plötzlich von digitalen Emotionen, digitaler Empathie und sogar von Digitalisierungskonflikten die Rede. So als würde sich die digitale Welt ihre eigenen Regeln und Verhaltensweisen ausbilden.
Ein augenscheinlicher Unterschied ergibt sich bereits bei der alltäglichen Kommunikation. Laut Watzlawick bedient sich die menschliche Kommunikation analoger und digitaler Modalitäten. Demzufolge bilden sich zwei Kommunikationsebenen heraus. Die Sachebene (wo digital kommuniziert wird) und die Beziehungsebene (wo analog kommuniziert wird). Watzlawick stellt heraus, dass die eine Ebene die Bedeutung der jeweils anderen erhellt.2 Man mag sich vorstellen, was geschieht, wenn eine Ebene wegfällt.
Digitalisierung
Aus der Unterscheidung des 4. Kommunikationsaxioms ist eine analoge und eine digitale Kommunikation erwachsen. Die gewählte Terminologie entspricht dem ursprünglichen Sinn der Digitalisierung, womit die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate gemeint war. Digitale Formate lassen sich informationstechnisch verarbeiten. Dabei wird der Begriff auf seinen englischen Ursprung zurückgeführt, wo digit Zahl bedeutet. Heute wird die Digitalisierung darüber hinausgehend mit dem technologischen Wandel gleichgesetzt.3 Auch wenn Onlinekonferenzen unter diesen Begriff zu subsummieren sind, ist die dort anzutreffende Kommunikation aber nicht rein digital. Es findet auch eine eingeschränkte, analoge Kommunikation statt.4
Onlineerfahrungen in der Mediation
Wie dem auch sei. Die Digitalisierung macht vor der Mediation keinen Halt. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten und Grenzen herauszufinden, wo die Digitalisierung der Mediation entgegenkommt und wo sie mit ihr kollidiert.5 Mit dieser Frage rückt die digitale Kompetenz des Mediators in den Vordergrund. Damit einher geht die Frage, wie er die Technik für sich und die Mediation einsetzen kann.
Digitale Kompetenz
Was heisst das, wenn der Mediator oder die Mediatorin auch über eine digitale Kompetenz verfügen sollen und was ist das überhaupt?6
Sicherlich ist damit die Fähigkeit gemeint, die Technik für Online-Meetings im Bereich der Mediation einzusetzen. Dabei geht es ganz sicher nicht nur um die Kenntnisse, wie ein PC funktioniert oder wie eine Konferenzsoftware zu bedienen ist. Es geht auch um das Wissen und die Erfahrung, wie die Nachteile der Onlinekommunikation im Vergleich zu einer realen Begegnung zu kompensieren sind. Die Digitalkompetenz wird durchaus als ein Kompetenzmerkmal des Mediators angesehen, weshalb eine Zuordnung zur Mediationskompetenz angenommen wir.
Die Mediation benötigt verschiedene Kompetenzen, um qualitativ hochwertig ausgeführt zu werden.
MediationskompetenzVerfahrenskompetenzMediatorenkompetenzBerufskompetenzAusbildungskompetenz
Digitalkompetenzsoziale KompetenzKonfliktkompetenzInformationskompetenzinterkulturelle Kompetenz
Sie mögen sich fragen, was dieses Thema im Zusammenhang mit den hier angebotenen Onlinekonferenzen zu tun hat?
Die Antwort erklärt sich von selbst, wenn Sie in Betracht ziehen, dass die Mediation auch eine unbegrenzt große Zahl von Beteiligten haben kann. Denken Sie nur an Umweltmediationen oder Großmediationen, die ohne eine digitale Unterstützung kaum zu bewältigen sind. Wiki to Yes stellt seine Technik auch für die Bewältigung derartiger Verfahren zur Verfügung. Dort können Sie nachvollziehen, dass die Technikeinsätze weit über die Führung von Onlinegesprächen hinausgeht.7
Das Beispiel verdeutlicht, dass es bei der digitalen Kompetenz nicht nur um die Fähigkeit geht, eine Konferenzsoftware zu bedienen.8
Leitsatz 13700 - Die digitale Kompetenz umfasst die Fähigkeit und die Fertigkeit sich für die passende Software (z.B. Konferenzsoftware) zu entscheiden, ihren Einsatz korrekt vorzubereiten, die Software umfassend zu bedienen und vor allem sie in das Verfahren (z.B. die Mediation) zu integrieren.
Wenn hier von der digitalen Kompetenz des Mediators oder der Mediatorin gesprochen wird, liegt der Schwerpunkt auf der Durchführung der Gespräche, Verhandlungen und Veranstaltungen im Bereich der Online-Meetings. Grundsätzlich ist zwischen den Anwendungsformaten zu unterscheiden, die im Beitrag Meetings angeführt wurden. Dort wird zwischen Meetings, Workshops und Konferenzen unterschieden. Sie finden bei Wiki to Yes für alle Formate die erforderliche Unterstützung.
- Allgemein: Eine generelle Übersicht über die Phänomene im Umgang mit der Online-Technologie in allen Formaten und speziell im Zusammenhang mit der Mediation finden Sie in dem Artikel Onlineerfahrungen in der Mediation.
- Online-Meetings: Der Begriff bezeichnet in der Regel Gespräche, die virtuell über das Internet stattfinden. Er wird als ein Oberbegriff benutzt und oft Synonym mit dem Begriff der Online-Konferenz verwendet. Um die graduellen Unterschiede besser herausstellen zu können, wird der Begriff Online-Meeting in diesem Kontext für Meetings (Zusammenkünfte) verwendet, die meist spontante Treffen mit nur wenigen Teilnehmern meinen. Das Format würde auf ein Einzelgespräch zutreffen.
- Online-Workshops: Wenn von Workshops die Rede ist, werden Arbeitsgruppen angesprochen. Diese finden Sie nicht nur im unternehmerischen Bereich oder bei der Ausbildung vor. Auch in der Mediation können Arbeitsgruppen organisiert werden. Denken Sie nur an eine innerbetriebliche Mediation. Arbeitsgruppen zeichnen sich dadurch aus, dass Themen von den Teilnehmern selbst erarbeitet werden. Es werden praktische Übungen durchgeführt, Material zur Verfügung gestellt, usw. Die Konferenzsoftware muss das leisten können. Hier genügen die Standardangebote oft nicht mehr. Es müssen virtuelle Räume eingerichtet werden können, ein Dateiaustausch ist erforderlich, Bildschirmfreigaben, Wechsel des Moderators, usw.
- Online-Konferenzen: Konferenzen zeichnen sich durch eine sehr große Zahl von Teilnehmern aus. Sie können ganz unterschiedlich gestaltet werden. Es mac ht einen Unterschied, ob sie im Frontalvortrag oder in Arbeitsgruppen organisiert werden. Diskussionen sind in der Regel gewünscht. Hier werden nicht nur an die Technik, sondern auch an den Moderator hohe Anforderungen gestellt. Der Mediator kann sich dieser Technik nicht nur bei Großverfahren, sondern auch bei Informationsveranstaltungen über die Mediation bedienen. Siehe Merkblatt-Onlinekonferenzen
- Online-Mediationen: Die vorausgegangenen Ausführungen belegen, dass alle Formate bei der Onlinemediation zum Tragen kommen können. Schwerpunktmäßig kommen Online-Meetings und Online-Workshops in Betracht. In der Regel wird es sich um Gespräche im kleinen Kreis handeln, sodass keine hohen technischen Anforderungen an die Software zu stellen sind. Weil es sich um eine Mediation handelt, müssen aber die Regeln der Mediation beachtet werden. Besonders die Vertraulichkeit setzt Kenntnisse über die Verwendung der Computer voraus. Auch die Kommunikation stellt höhere Erwartungen an den Mediator oder die Mediatorin. Es macht Sinn, die Parteien vorab über die Anforderungen einer Online Mediation zu informieren. Das Merkblatt-Onlinemediation gibt dafür eine Vorlage.
- Online-Supervision: Hier kann auf die Ausführungen zur Onlinemediation verwiesen werden.
- Online-Beratung: Hier kann auf die Ausführungen zur Onlinemediation verwiesen werden.
- Online-Ausbildung: Die Ausbildungsverordnung setzt eine Präsenzausbildung voraus. Ob die Onlineausbildung diese Anforderungen erfüllt ist zweifelhaft. Eine reine Onlinepräsenz würde nicht in der Lage sein, die Phänomene abzubilden, die in der Körperlichkeit und der Räumlichkeit zu beobachten sind und für die Mediation eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Eine Onlineausbildung würde wenn überhaupt ein Konglomerat von verschiedenen Onlineformaten erfordern. Eine reine Onlineausbildung in der Mediation wäre unseriös. Wie die Ausbildung mit Onlineformaten umgeht und wie sich die Onlineausbildung etwa von einem Fernstudium unterscheidet, wird in dem Beitrag Ausbildungsformat thematisiert.
Es klingt wie ein schlauer Kompromiss, wenn von einer Hybridausbildung oder einer Hybridmediation9 gesprochen wird. Damit sind Mischformen gemeint, wo reale und digitale Präsenz sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Digitales Miteinander
Wieder kommt es darauf an, in welchem Format die Onlineveranstaltung abgdewickelt wird und wie viele Teilnehmer daran mitwirken. Die Anzteige auf dem Monitor kann nur eine kleine Zahl von Teilnehmern zeigen. Das Bild das die Teilnehmer von sich zeigen kann digital verändert sein (z.B. Hintergrund). Von den Teilnehmern wird eine Disziplin erwartet (Mikrofon, Monitor ein- ausschalten, Wortmeldungen, usw.). Die informelle Kommunikation (in Pausen und auf dem Weg zur Veranstaltung, im Foyer usw.) fällt aus. Der Moderator braucht tatsächlich einige Erfahrung, um damit umzugehen.
Nicht nur der Moderator, auch die Teilnehmer brauchen Erfahrung, um mit der Onlinetechnologie zurecht zu kommen. Hier stoßen Sie auf ganz unterschiedliche Anforderungen. Manche Teilnehmer sind hochgradig erfahren im Umgang mit der Konferenzsoftware, andere können kaum den PC bedienen. Es empfiehlt sich deshalb, die Teilnehmer vorab zu instruieren. Sie finden bei Wiki to Yes die dazu passenden Mustertexte.
Merkblatt für Onlinemediationen Merkblatt für Onlinekonferenzen
Auch wenn die analoge Kommunikationsebene eingeschränkt wird, zeichnen sich Onlinekonferenzen dadurch aus, dass eine weitere Kommunikationsebene zur Verfügung gestellt wird, die in realen Präsenzen nicht ohne weiteres verfügbar ist. Gemeint sind die Chats. Sie werden besonders bei größeren Veranstaltungen häufig benutzt, um im Hintergrund Informationen auszutauschen. Die Chats können an alle Teilnehmer gerichtet werden oder selektiv an einzelne. Die Chats können auch zur Moderation benutzt werden oder um Anwesenheitsprotokolle zu erstellen.
Digitale Unterstützung
Die Onlinemediation ist nur ein Beispiel, wie die Technik die Durchführung von Mediationen unterstützen kann. Auch für das Versenden von e-Mails, zur Berechnungshilfe und für das Führen elektronischer Akten leistet die digitale Technik auch in der Mediation eine wertvolle Hilfe. Wenn von der digitalen Mediation die Rede ist, geht die Hilfe noch weiter. Gemeint ist die digital gestützte Mediation. Sie bezeichnet Mediationen, bei denen die digitale Technik aktiv dem Zugriff der Parteien zur Verfügung gestellt und zur Fallbearbeitung genutzt wird. Diese Verwendung bietet sich bei der Bearbeitung von Großverfahren an. Das Mediationswiki stellt das Portal auch dafür zur Verfügung.10 Sie profitieren von den Erfahrungen.
Erfahrungen mit der digital gestützten Mediation
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Aliase: digitale Kompetenz, Digitalkompetenz
Siehe auch: Onlineerfahrungen in der Mediation
Diskussion (Foren): Siehe Digitalisierung der Mediation