Digitalisierungskonflikte
Die Mediation ist ein Prozess der gelebten Vernunft. Sie kommt nicht ohne Vernunft und die Vernunft nicht ohne Mediation aus.
Konflikte sind ein integrales Moment des sozio-technischen Wandels im Betrieb wie in der Gesellschaft. Die technische Innovation geht nicht spurlos an den Menschen im Betrieb und den Betrieben vorbei. Die Digitalisierung katalysiert latent vorhandene Konflikte, wenn sie nicht selbst zum Konfliktanlass oder -auslöser wird. Unter dem Begriff der Digitalisierungskonflikte werden alle Konflikte zusammengefasst, die mit der Digitalisierung im Zusammenhang stehen. 1
Fünf Aspekte der Digitalisierung
Die Studie von Rüb, Carls, Kuhlmann, Vogel und Winter systematisiert Konflikte, die durch die Digitalisierung der Arbeitswelt entstehen, in fünf zentrale Dimensionen:
- Automatisierung: Steht weniger für massiven Arbeitsplatzabbau, sondern wird meist als kontinuierlicher Prozess wahrgenommen, der für den Standorterhalt notwendig ist. Konflikte entstehen weniger um den Abbau von Jobs, sondern um die Verschiebung von Beschäftigungsstrukturen und die Qualifizierung der betroffenen Belegschaft. In gesättigten Märkten (z.B. Versicherungen) ist die Bedrohungslage für Arbeitsplätze jedoch größer.
- Technisierung: Bezieht sich auf die Einführung digitaler Tools und die unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeit. Konflikte entzünden sich hier an: Der Gestaltung der Arbeitsplätze und dem Erhalt von Handlungsautonomie. Den neuen Qualifikationsanforderungen und unzureichenden Schulungen. Der ungewollten Überwachung als "Nebenprodukt" der Datenerfassung. Managementfehlern bei Einführungsprozessen, die zu Belastungsspitzen führen.
- Datifizierung: Die umfassende Erfassung und Auswertung von Daten ist ein zentrales Konfliktfeld. Es wird unterschieden zwischen: Arbeitskraftbezogenen Strategien: Gezielte Überwachung von Leistung und Verhalten der Beschäftigten (z.B. in Callcentern), die als hoch konfliktträchtig gelten. Systemischen Strategien: Datenerfassung zur Prozessoptimierung, wobei die personenbezogene Kontrolle nicht primäres Ziel ist. Hier nutzen Betriebsräte oft ihre Mitbestimmungsrechte (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG), um Regeln für die Datennutzung und den Schutz der Beschäftigten auszuhandeln.
- Virtualisierung: Die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice oder in virtuelle Teams. Die Konfliktlinien sind hier widersprüchlich: Sie bietet einerseits mehr Flexibilität, führt aber andererseits zur Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Technische Kontrolle ist auch im Homeoffice möglich. Es kommt zu Konflikten um die Ausstattung der Arbeitsplätze (Heimarbeit vs. mobile Arbeit) und zur Erosion von Arbeitszeitnormen. Virtuelle Teams können den sozialen Zusammenhalt und die Organisationsmacht der Belegschaft schwächen.
- Agilisierung: Die Einführung agiler Arbeitsmethoden (z.B. Scrum) führt zu Konflikten, weil sie: Etablierte Mitbestimmungsverfahren und Tarifstrukturen umgehen oder in Frage stellen. Oft nur halbherzig umgesetzt werden, was zu Doppelstrukturen und mehr Belastung führt. Die Rolle des Betriebsrats von einem kontrollierenden Gremium zu einem direkt in Projekte eingebundenen "Co-Innovator" verändern sollen, was machtpolitisch riskant ist. Als Privileg für hochqualifizierte Angestellte wahrgenommen werden und so soziale Spannungen verstärken.
Zentrale übergreifende Befunde
Die Konfliktintensität wird weniger von der Technik selbst bestimmt als vielmehr von der betrieblichen Praxis und den verfolgten Kontroll- und Rationalisierungsstrategien des Managements. Das Recht (insbesondere das Betriebsverfassungsgesetz) ist eine zentrale Machtressource für Betriebsräte, um Konflikte zu kanalisieren und Gestaltung zu erreichen. Die Ressourcen der Betriebsräte (Zeit, Expertise) sind angesichts der Komplexität und Geschwindigkeit der Digitalisierung oft überfordert. Der Anspruch, den Wandel aktiv mitzugestalten, ist für viele Betriebsräte kaum zu leisten, sodass reaktive Schutzpolitik weiterhin wichtig bleibt. Die Corona-Pandemie wirkt als Beschleuniger für Virtualisierung und dürfte den Digitalisierungs- und Rationalisierungsdruck weiter erhöhen.
Anwendungsfeld für Mediation
Die Mediation wäre sowohl ein Verfahren und als integriertes Mediationsmanagement durchaus auch ein Instrument, das die mit der Digitalisierung aufkommenden Probleme im Unternehmen bewältigen kann.
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