Die sportliche Weisheit, dass nur angegriffen wird, wer den Ball hat, hilft auch in Konfliktsituationen. Man wäre nicht das Ziel von Angriffen, wenn man keinen Wert und keine Bedeutung hat. So gesehen, zeigt ein Angriff stets auch, wie wichtig man ist. Man könnte deshalb in dem Angriff sogar eine Wertschätzung erkennen. Ist es jetzt eine Ehre, dass versucht wurde, Wiki to Yes zu bezwingen? Vielleicht ist es das, vielleicht auch nicht. Jedenfalls haben wir bei Wiki to Yes in den letzten Wochen massive Cyberangriffe erlebt. Der Server musste bis zu 600.000 Attacken / Stunde abwehren. Es ist schon verwunderlich, ein Portal anzugreifen, das sich der friedlichen Konfliktlösung verschrieben hat.
Was ist passiert?
Manche Besucher haben es sicher bemerkt: Wiki to Yes war in letzter Zeit starken Beeinträchtigungen ausgesetzt. Der Server lief meist auf Höchstlast, um die Angriffe abzuwehren. Unser Provider, Martin Sauer, fragte sogar: „Wer hat was gegen Euch?“. Er wollte sagen, dass der Angriff kein Zufall war und dass der oder die Angreifer nicht locker lassen wollten. Die Hartnäckigkeit sei schon beeindruckend, meinte er. Doch uns fiel niemand ein, der etwas gegen ein Portal haben könnte, das dazu beiträgt, Konflikte zu bewältigen.
Wiki to Yes ist ein neutrales Fachportal, das konstruktive Wege im Umgang mit Konflikten aufzeigt. Selbst bei politisch sensiblen Themen, wie dem Ukraine-Krieg, bleiben wir sachlich und fachorientiert. Wir suchen nach Wegen in den Frieden, nicht nach Schuldigen. Aber vielleicht stört sich auch jemand an der damit einher gehenden Friedensarbeit. Oder was ist mit den Mitbewerbern, könnten sie zu unlauteren Mitteln greifen? Selbst wenn es so wäre, hätten sie nicht verstanden, dass wir ein Metaportal sind. Das ist konkurrenzlos. Dann käme noch ein Datendieb in Betracht, der meint, bei einem dermaßen großen Portal interessante Daten zu finden. Aber da müssen wir leider auch enttäuschen. Selbst im Premiumbereich werden keine sensiblen, persönlichen Daten gespeichert. Wir könnten noch weiter spekulieren. Aber jeder Gedanke in diese Richtung verursacht schlechte Gefühle. Er wäre reine Zeitverschwendung, denn es gibt keine belastbaren Fakten.
Die Faktenlage
Was wir feststellen konnten, war, dass die Attacken hauptsächlich aus Spanien, den Niederlanden und Rumänien kamen. Doch selbst dieses nachweisbare Fakt erlaubt keine Schlussfolgerungen über Täter und Tatmotive. Alles wäre reine Spekulation. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass die Angreifer gekaperte Server nutzten, um ihre Spuren zu verschleiern.
Ob es thematische Gründe gab oder einfach nur das Datenvolumen unseres Portals die Angreifer reizte, bleibt unklar. Sicher ist lediglich, dass Wiki to Yes mittlerweile so präsent und relevant ist, dass es zum Ziel solcher Attacken werden kann. Damit können wir etwas anfangen.
Die Attacken umfassten DDoS-Angriffe und SQL-Injection-Versuche, die zu Serverüberlastungen führten. Die gute Nachricht ist, es gab keine Datenlecks und keine existenzbedrohenden Schäden. Alle Daten sind sicher verwahrt. Unser Server-Schutz hat funktioniert! Das verdanken wir unserem Provider. Er und sein Team von durchd8, haben unseren Server so weit abgesichert, dass keine ernsthaften Schäden entstehen. Unannehmlichkeiten gab es dennoch.
Die Veränderung
Die Angriffe haben dazu geführt, dass wir uns mit der Rechenleistung des Programms auseinander gesetzt haben, das dem Wiki zugrunde liegt. Wir hatten erneut geprüft, ob es Alternativen gibt, insbesondere, ob sich ein Wechsel zu Mediawiki, der Software, die auch für Wikipedia genutzt wird, rentiert.1 Der Vergleich war inspirierend. Abgesehen davon, dass wir die Pros und Cons beider Softwarelösungen jetzt (wieder) genau einschätzen können, gab es Anregungen zur Verbesserung der aktuellen Version. User werden erkennen, dass wir begonnen haben, den Aufbau zu ändern. Wir bleiben am Ball.
Trotz der Angriffe und der damit einhergehenden finanziellen Belastungen, bleibt Wiki to Yes stabil. Wir arbeiten weiter für eine friedlichere Konfliktkultur und lassen uns nicht einschüchtern. Wir entschuldigen uns bei Ihnen, wenn Sie Server- und Funktionsausfälle ertragen mussten und danken für Ihre Treue und Unterstützung unserer Arbeit für ein friedliches Miteinander.
Arthur Trossen
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