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Mediation in der Presse

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Wie die Presse mit der Mediation umgeht

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Inhalt (Erfahrungen) → Weiter: Pressearbeit


Zum Thema » Die öffentliche Wahrnehmung von Mediation wird maßgeblich durch mediale Narrative geprägt. Narrative konstituieren soziale Wirklichkeit, ohne sie notwendigerweise korrekt zu repräsentieren. Sie generieren Deutungsmuster, die wiederum die öffentliche Einstellung und das diskursive Framing eines Phänomens prägen. Die mediale Darstellung der Mediation bildet hierbei keine Ausnahme. Auch sie unterliegt charakteristischen Mustern und Verzerrungen.

Die Narrative der Mediation

Die mediale Berichterstattung über Mediation lässt sich durch mehrere, oft miteinander verwobene Narrative charakterisieren. Diese Narrative prägen das öffentliche Verständnis und stehen häufig im Widerspruch zur fachlichen Realität des Verfahrens.

Das Narrativ des „letzten Auswegs“ und des Scheiterns
Mediation wird häufig erst dann zum medialen Thema, wenn alle anderen Wege (Gerichtsverfahren, politische Verhandlungen) gescheitert sind. Sie erscheint als ultima ratio, als letzter verzweifelter Versuch, eine Katastrophe abzuwenden. Entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit für Fälle, in denen auch die Mediation scheitert. Dies bestätigt das journalistische Nachwertmuster der Negativität ("bad news are good news"). Bei dieser Berichterstattung entsteht der verzerrte Eindruck, Mediation sei ein Indikator für eine hoffnungslose Ausgangslage und habe per se eine hohe Wahrscheinlichkeit zu scheitern. Die Mediation wird zu einer Wunderwaffe hochstilisiert, die sie nicht ist. Die vielen stillen, erfolgreichen Mediationen im wirtschaftlichen, familiären oder kommunalen Bereich bleiben unsichtbar.
Das Dramatisierungs- und Konfliktnarrativ
Journalismus benötigt Konflikte, Spannungen und Personalisierung, um Aufmerksamkeit zu generieren. Die Berichterstattung konzentriert sich daher oft auf die vormediative Phase des intensiven Streits und die prominenten Kontrahenten (z.B. "Zwei Konzernchefs treffen sich zur Mediation"). Der eigentliche Prozess des Verstehens und der kreativen Lösungsfindung in der Mediation ist hingegen unspektakulär, vertraulich und damit schwer darstellbar. Die Mediation wird lediglich als eine andere Form der Konfrontation gerahmt ("Showdown am Verhandlungstisch"). Ihr core value – die Deeskalation und interessenbasierte Lösung – tritt in den Hintergrund. Die Rolle des Mediators wird oft fälschlich als die eines Schiedsrichters oder Richters interpretiert oder als jemand, der die geniale Lösung weiß.
Das Simplifizierungs- und Wundernarrativ
Komplexe Prozesse werden in der Presse auf einfache Formeln reduziert. Entweder wird Mediation als Wundermittel dargestellt, das tief verwurzelte Konflikte quasi über Nacht lösen kann, oder aber als wirkungslose, "weiche" Talking Cure. Dieses "entweder-oder"-Schema verhindert ein differenziertes Verständnis. Mediation erscheint entweder als Allheilmittel oder als Zeitverschwendung. Die Realität – dass es ein anspruchsvolles, strukturiertes Verfahren ist, das nicht immer, aber oft zu robusten und nachhaltigen Lösungen führt – geht verloren.
Das Quellenproblem und das Propaganda-Narrativ
Viele "Erfolgsmeldungen" über Mediation stammen von Interessenverbänden, einzelnen Mediatoren oder Institutionen, die sich damit vermarkten wollen. Redaktionen übernehmen diese Meldungen oft ungefiltert, da ihnen das Fachwissen für eine kritische Einordnutextng fehlt. Es entsteht eine unkritische, beinahe propagandistische Berichterstattung, die von Oberflächlichkeiten ("Es wurde eine Win-Win-Lösung gefunden!") geprägt ist und die Herausforderungen, Grenzen und Misserfolge des Feldes bewusst ausblendet. Dieses Narrativ ist das Gegenteil des Scheiterns-Narrativs, aber ebenso verzerrend.

Der Eindruck der Presse

Eine Stichprobe soll den Eindruck widerspiegeln, den die Presse bei ihren Lesern hinterlässt. Die Stichprobe belegt, dass in deutschsprachigen Leitmedien nicht nur häufiger, sondern auch prominenter über gescheiterte Mediationen berichtet wird als über erfolgreiche. Erfolgreiche Fälle finden eine eher statistische Erwähnung. Sie tauchen vor allem in Hintergrundinformationen, Praxisporträts oder lokalen Meldungen auf, nicht als „Breaking News“.

Berichte über gescheiterte/abgebrochene Mediationen (Auswahl)

  • MMK Frankfurt: Beschäftigte erklären die Mediation für gescheitert (FAZ, 15.03.2023).
  • Rybolowlew vs. Sotheby’s: „Die Mediation ist gescheitert“ (FAZ, 10.01.2024).
  • Turn-Trainerin Frehse/DTB: Mediation gescheitert (ZEIT, 07.06.2021; dpa) und ähnlich in der SZ.
  • Lufthansa–UFO: Schlichtungs-/Mediationsanlauf „erfolglos beendet“ (ZEIT, 16.01.2020).
  • Ältere, vielzitierte Beispiele (DFB/Amerell u. a.) werden in Rückblicken weiterhin referenziert (SPIEGEL/FAZ).

Berichte, die erfolgreiche Mediationen bzw. hohe Erfolgsquoten thematisieren (Auswahl)

  • Süddeutsche (2011): „80 % der Mediationsverfahren sind erfolgreich“ (Aussage GDV-Sprecher, Kontext: Rechtsschutz & Mediation).
  • FAZ (2011, Familienmediation): „>90 % enden erfolgreich“ (Beschreibung eines Anbieters; Einordnung in Reportage).
  • SZ (2022, Täter-Opfer-Ausgleich): Ziel „Konfliktschlichtung & Wiedergutmachung wird in 80 % der Fälle erreicht“ (Vereinsangabe).
  • Praxis-/Hintergründe zu Mediation im Betrieb, Schule, Nachbarschaft (ZEIT/FAZ/SZ), meist ohne harte Zählung, aber mit positiven Beispielen.

Die nicht repräsentative Durchsicht deutschsprachiger Leit- und Regionalmedien der letzten Jahre1 weist die Diskrepanz zwischen der Berichterstattung über gescheiterte und erfolgreiche Fallabwicklungen im Verhältnis von ca. 3 : 1 aus. Das heißt, man findet etwa dreimal so viele Artikel, in denen Mediation explizit gescheitert ist, wie solche, in denen ein konkreter Erfolg oder Einigung erwähnt wird.

Positive und negative Berichterstattungen über Mediation haben auch einen unterschiedlichen Nachrichtenwert. Anders als die Berichte über konkrete Fälle, in denen das Scheitern der Mediation ausgebreitet wird, erwähnen Berichte über erfolgreiche Mediationen überwiegend allgemeine Erfolgsquoten, selten eigenständige große Nachrichten über den Fall. Die abstrakten Informationen, die oft auch wie Propaganda wirken, graben sich weniger tief in die Erinnerung und das Bewusstsein des Lesers ein.

Die Unsichtbarkeit des "Normalbetriebs"

Was die Presse nicht widerspiegelt, sind Erfahrungen, mit denen sich die Kompetenz der Mediation vermittelt. Das mag damit zusammenhängen, dass ein Großteil der erfolgreich praktizierten Mediation für die Presse strukturell unsichtbar ist. Die Vertraulichkeit verbietet die Berichterstattung, und die Fälle sind oft von geringem öffentlichem Interesse (z.B. Nachfolgeregelungen in KMUs, Teamkonflikte in Unternehmen, Nachbarschaftsstreitigkeiten). Da nur die spektakulären Ausnahmefälle (Top-Manager, Prominente, politische Großkonflikte) und deren Scheitern berichtet werden, fehlt der Öffentlichkeit ein realistisches Bild von den alltäglichen Anwendungen und Erfolgen der Mediation.

Lediglich bei Großmediationen und bei Mediationen mit politischem Interesse, gehört die Öffentlichkeitsarbeit zum Normalbetrieb. Sie wird zum Bestandteil des Verfahrens. Hier sind der Mediator oder die Mediatorin sogar auf die Zusammenarbeit mit der Presse angewiesen. Jetzt muss es den Mediatoren gelingen, die Presse so einzubinden, dass die Parteien die Presse nicht missbrauchen können, um sich rein zu waschen, um den Konflikt zu schüren oder gar um nachzutreten, wenn die Mediation gescheitert ist. Dass sich die Presse hierzu missbrauchen lässt, belegen die Beispiele.2 Die Intention der Parteien zur Schuldzuweisung und der versäumte Schutz des Verfahrens, liefern sogar einen Grund dafür, warum die Berichte über gescheiterte Mediationen überwiegen. Es wäre die Pflicht des Mediators die Pressearbeit mit dem Verfahren abzustimmen.3

Bedeutung für die Mediation

Möglicherweise löst sich das Problem, wenn die Berichterstattung nicht auf die formellen Verfahren, sondern auf das Verhalten und die Kompetenz abstellen. Sinnvoll ist es sicher auch, die Presse über Mediation zu informieren, um eine korrekte Berichterstattung zu garantieren. .

Ausbildung über Mediation (zumindest die t wird, in der das Umdenken der Mediation zum Tragen kommt.

Hinweise und Fußnoten
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2025-10-04 05:51 / Version .

Aliase: Mediation in der Presse
Geprüft:

1 Die Auswertung wurde mit Hilfe von ChatGPT am 20.9.2025 erstellt
3 Die Aufgabe wird im Aufgabenverzeichnis erfasst als Pressearbeit (Relevanz: erforderlich)