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Friedensformeln

Zusammenstellung

Datensatz-ID: 17368
Bezeichnung: Friedensformeln
Verzeichnisse: Allgemein, Werkzeuge
Verwendung:
Fachbuch: Politik
Siehe auch:
Beitragsthemen:

Wissensmanagement » Abteilung Wissen → Archiv
Alles wäre einfach, wenn Frieden wie eine mathematische Formel zu berechnen wäre. Das ist leider nicht der Fall, obwohl es Bemühungen gibt. Es gibt sogar Friedensfomeln.

Seit Menschen über Konflikte nachdenken, versuchen sie, Frieden zu verstehen – oder gar zu berechnen. Ob in Philosophie, Soziologie oder Mediation: Der Wunsch, Frieden erklärbar zu machen, ist zugleich rationaler Versuch und poetische Sehnsucht. Dabei stellen sogenannte Friedensformeln keine Rechenhife für Frieden dar. Sie sind lediglich sinnbildliche oder analytische Modelle, die versuchen, den komplexen Prozess des Friedenschaffens auf wenige, verständliche Parameter zu verdichten. Letztlich handelt es sich um Abbildungen von Wirkprinzipien, die lediglich zum Ausdruck bringen, dass Frieden kein Zufall ist, sondern das Ergebnis von Beziehung, Einsicht und Balance. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lohnt es sich, die Fri9edensfoprmeln einmal näher zu betrachten.

Wissenschaftliche Ansätze

Wissenschaftliche Ansätze zur Berechnung von Frieden finden sich in folgenden Konzepten:

Der Global Peace Index (GPI)
Das Institute for Economics and Peace (IEP) misst Frieden in 163 Staaten anhand von 23 Indikatoren, die drei Dimensionen abbilden: gesellschaftliche Sicherheit, laufende Konflikte, Militarisierung. Die Formel des GPI ist ein gewichtetes Bewertungsmodell, das politische Stabilität, Sicherheit, Institutionen und soziale Faktoren zusammenführt. Sie erlaubt es, Friedensentwicklung über Zeit und Raum vergleichbar zu machen. Allerdings bleibt sie rein empirisch: Sie erklärt was ist, nicht wie Frieden entsteht.
Johan Galtung
Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung unterschied als Erster zwischen negativem Frieden (Abwesenheit von Gewalt) und positivem Frieden (Vorhandensein von Gerechtigkeit und Kooperation). In Galtungs Systemen finden sich Gleichungen wie: Frieden = Gewaltfreiheit + Gerechtigkeit + Empathie. Das sind keine mathematischen, sondern strukturelle Formeln, die zeigen, dass Frieden nur dort Bestand hat, wo Beziehungen, Bedürfnisse und Systeme in Ausgleich kommen.1
Systemische Modelle und Simulationen
Die neuere Friedensforschung arbeitet mit Simulationsmodellen, die Vertrauen, Informationsfluss und Führung als Variablen einsetzen. Solche Modelle folgen der Logik dynamischer Systeme: Störungen (Misstrauen, Machtasymmetrien) führen zu Instabilität, während kooperative Rückkopplungen zu Selbststabilisierung führen. Mathematisch gesehen ist Frieden ein Gleichgewichtszustand – kein fixer Punkt, sondern eine ständig auszubalancierende Bewegung.
Mediativer Frieden
Für die Mediation stellt sich der Frieden her mit einer ausbalancierten Einigung, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Entsprechend dem 3-gliedrigen Erkenntnisprozess2 der kognitiven Mediationstheorie ergibt sich die Einigung (mithin der Frieden) aus der gemeinsamen Vision und der damit verbundenen Nutzenerwartung. Die Nutzenerwartung legt die Kriterien des mediativen Friedens fest. Eine Formel könnte wie folgt aussehen: Frieden = Vernunft × (Beziehung^Vertrauen / Bedürfnisse). In dieser Lesart ist Frieden eine Funktion von Bewusstsein: Er wächst, wenn Vernunft, Beziehung und Vertrauen stärker sind als der Mangel.3

Vergleich der Friedensparameter

Parameter Bedeutung Forschungspendant Wirkrichtung
Vernunft Einsicht in Zusammenhänge, Gerechtigkeit, Reflexion Galtung: Empathie + Kooperation; GPI: Institutionelle Stabilität Erhöht strukturelle Friedensfähigkeit
Beziehung Verbindung, Kommunikation, Empathie Galtung: Relation Peace; GPI: Nachbarschaftsindikatoren Verstärkt Vertrauen und Dialog
Vertrauen emotionale Verlässlichkeit Liebovitch: Informationsfluss, soziales Vertrauen Exponentieller Verstärker des Friedens
Bedürfnisse Unerfüllte Wünsche, Mangel, Angst Galtung: Basic Needs; GPI: Sozioökonomische Sicherheit Je größer der Mangel, desto kleiner der Frieden

Bedeutung für die Mediation

Die Herausforderung der Mediation ist zunächst und vorgreiflich, die Parteien überhaupt an einen Tisch zu bekommen. Die Friedensarbeit kann nicht mit der Mediation gleichgesetzt werden. Oft kommt es gar nicht zur Mediation, weil die Streitparteien sich nicht an einen Tisch begeben und wenn dann nicht zur Durchführung einer Mediation. Die Friedensarbeit muss also auf allen strukturellen Ebenen und in allen Bereichen Stück für Stück die Voraissetzungen schaffen, dass Friedensgespräche möglich werden. Dabei können die Friedensformeln helfen, das Puzzle zusammenzusetzen.


Hinweise und Fußnoten
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Bearbeitungsstand: 2025-10-29 19:02 / Version .

Siehe auch:
Prüfvermerk: -