Grey Divorce Mediation / Mediation bei Altehen
Es gibt viele Arten und Varianten der Mediation. Hier geht es um Mediationen bei Altehen.
Eine Grey Divorce Mediation (oder amerikanisch Gray Divorce Mediation oder deutsch Altehenmediation) bezieht sich in erster Linie auf sogenannte graue Scheidungen. Das sind Scheidungen bei Altehen, die mindestens 25 Jahre gehalten haben. Die Altehenmediation beschränkt sich aber nicht nur auf Scheidungen. Sie ist auch zuständig bei Konflikten, die bei Altehen in Erscheinung treten.
Einordnung in die Mediationssystematik
Die Mediationssystematik unterscheidet verschiedene Klassen, die in ihrer Kombination ein klares Bild über die Leistungsfähigkeit der Mediation ergeben. Das Mediationsverständnis bildet den Ausgangspunkt. Es gibt die Ausrichtung vor. Diese Mediation fällt in die Kategorie:
Anwendungsfeld Altehen
Sie mögen sich zu Recht fragen, ob und warum nicht eine ganz normale Familienmediation für diese Fälle einschlägig sein soll. Die Mediation bei Altehen ist nichts anderes. Es sind die gleichen Kompetenzen gefragt. Lediglich die Lebensumstände sind anders als bei einer jungen Ehe. Es gibt deshalb Mediatoren, die sich auf dieses Anwendungsfeld spezialisiert haben.
Herausforderungen bei grauen Scheidungen
Die Trennung und die Scheidung im Alter begegnet in Wesentlichen den gleichen Themen und ähnlichen Problemstellungen wie die Scheidung einer jungen Ehe. Es werden die gleichen Konfliktdimensionen angesprochen.mitunter auch die gleichen Themen. Trotzdem gibt es spezifische Herausforderungen mit denen die graue Scheidung zurechtkommen muss.
- Beziehungsintensität
- Die Eheleute haben eine lange Lebenszeit miteinander verbracht, die, je nach Gestaltung der Ehe, individuelle Anpassungen und Veränderungen herbeigeführt hat. Die Paaridentität könnte sich besonders stark ausgeprägt haben, was die psychologische Scheidung erschwert. Ob die Eheleute es wollen oder nicht, der andere Ehegatte ist ein Teil des eigenen Lebens geworden. Das kann man nicht einfach zurücklassen und auch immer leicht über Bord werfen. Die graue Scheidung sollte also in jedem Fall auf den Zustand der Beziehung eingehen und den Lösungsprozess hinterfragen.
- Einfluss der Kinder
- Die Kinder sind meist erwachsen und versorgt. Das bedeutet nicht, dass sie sich nicht einmischen. Meist haben sie Erwartungen an die Eltern. Es kommt sogar vor, dass sie die Eltern in eine Mediation zwingen und dafür die Kosten übermehmen. In der Regel geraten die Kinder nicht in eine Opferrolle. Sie können aber in eine Parteirolle gedrängt werden, wenn die Scheidung der Eltern zu Versorgungsengpässen führt. Wenn die Eltern verarmen, kommt eine Unterhaltspflicht der Kinder in Betracht.
- Finanzielle Aspekte
- Im Mittelpunkt der finanziellen Fragen steht der Versorgungsausgleich bzw. der damit einhergehende Unterhalt. Hier kann es zu ungewollten Engpässen kommen. Wenn ein Ehegatte bereits in Rente ist, würde der Versorgungsausgleich bei ihm sofort zu einer Verringerung der Rente führen. Die Aufstockung der Rente beim anderen Ehegatten tritt möglicherweise und wenn er noch nicht das Rentenalter erreicht hat, erst dann in Kraft, wenn er auch in Rente fällt. Die Alterslage könnte also dazu führen, dass der verrentete Ehegatte durch den Versorgungsausgleich leistungsunfähig wird, während der noch nicht verrentete Ehegatte bedürftig bleibt, weil er noch nicht auf die Altersversorgung zugreifen kann. Das Gesetz bietet für diesen Fall in §33 VersAusglG (Versorgungsausgleichgesetz) eine Lösung an, indem die Kürzung der Rente bei Unterhaltspflicht auf Antrag ausgesetzt werden kann.
- Gesundheitliche Aspekte
- Die medizinische Versorgungslage kann. nicht nur zu einer gesteigerten finanziellen Bedürftigkeit führen. Sie kann auch Abhängigkeiten begründen, die meist nur im familiären Kontext zu lösen sind. Hier kann es zu Verschiebungen kommen, wenn ein Ehegatte ausfällt. Die graue Scheidung kann zu einer sozialen Isolation, zum Verlust von Familienunterstützung und zu psychische Belastungen führen, wenn die Ehegatten plötzlich auf sich selbst gestellt sind. Besonders gravierend wirkt es sich aus, wenn sich ein Ehegatte über Jahre nicht um bestimmte Angelegenheiten (wie etwa die Finanzen) gekümmert hat und plötzlich noch im Alter lernen muss, damit umzugehen. Es kann sich eine gesteigerte Hilflosigkeit herausstellen, die nur bedingt zu kompensieren ist.
- Neue Lebenspartner
- Nicht immer ist ein neuer Lebenspartner der Scheidungsgrund. Manchmal wollen die Ehegatten sich scheiden lassen, weil sie sich einfach auseinandergelebt haben. In dem Fall ist zu prüfen, ob die formale Aufrechterhaltung der Ehe für die Eheleute wirtschaftlöich und sozial betrachtet bessere Chancen bietet. Jetzt erleichtert das Alter die Lebensplanung, weil die Wahrscheinlichkeit einer neuen Ehe besser eingeschätzt werden kann.
- Vermögensfragen
- Die Auseinandersetzung über das Vermögen kann sich altersbedingt als eine weitere Herausforderung darstellen. Oft kommt nur noch eine Zerschlagung des Vermögens in Betracht. Die Möglichkeit, etwa den Miteigentumsanteil des anderen Ehegatten zu übernehmen könnte an der altersbedingten Einschränkung der Kreditwürdigkleit scheitern.
Auswirkungen auf die Betroffenen
Im Ergebnis ist festzustellen, dass graue Scheidungen tiefgreifende Auswirkungen auf die betroffenen Personen haben können. Emotionale Turbulenzen, Einsamkeit und das Gefühl des Verlusts sind häufige Begleiterscheinungen. Die Notwendigkeit, soziale Netzwerke neu aufzubauen und eine eigene Identität außerhalb der Ehe zu finden, fällt schwerer als bei jungen Ehen. Trotz des Alters können auch Kinder noch von den Veränderungen betroffen sein, insbesondere wenn sie bereits erwachsen sind und die Scheidung überraschend kommt. Die Herausforderungen sind an die Lebenssituation gebunden und von der Art und Weise geprägt, wie sich die Beziehung der Eheleute gestaltet hat. Abgesehen von einigen alterstypischen Besonderheiten, ist die Scheidung aber kaum von den Scheidung junger Ehen zu unterscheiden. Auch dort gibt es Abhängigkeiten, Lebensumstände und Wertvorstellungen, die eine Scheidung verkomplizieren. Umgekehrt gibt es auch bei Altehen Lebensumstände, die die Scheidung erleichtern. Die Erfahrung im Umgang mit grauen Scheidungen rechtfertigt nicht die Annahme, dass sie automatisch hoch eskaliert oder schwierig sein müssen.
Bewältigung und Unterstützung
Die Bewältigung einer grauen Scheidung erfordert Unterstützung sowohl von Freunden als auch von Fachleuten. Therapeutische Hilfe kann dazu beitragen, die emotionalen Auswirkungen zu bewältigen, während finanzielle Berater bei der Aufteilung von Vermögenswerten und finanziellen Angelegenheiten helfen können. Die Schaffung neuer sozialer Bindungen und Aktivitäten, die das persönliche Wachstum fördern, sind ebenfalls wichtige Schritte, um das Leben nach einer Trennung im Alter neu zu gestalten. Anderseits gibt es auch Fälle, wo die Ehleute zwar ihrer getrennten Weg gehen, aber formal verheiratet bleiben und in gewisser Weise sogar noch für einander sorgen.
Bedeutung für die Mediation
Auch wenn der Begriff eine weitere Irritation bei dem Verständnis der Mediation darstellen mag, kann das Angebot besser nachvollzoigen werden,. wenn von einer Mediation im Anwendungsfeld der Altehen gesprochen wird. Diese Formulioerung verdeutlicht, dass es sich um eine "ganz normale" Mediation in einem spezifischen Lebenssituation handelt, die sicherlich optimiert werden kann, wenn sich die Medatoren mit der Materie auskennen.
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