Organisationsmediation
Datensatz-ID: 17259
Bezeichnung: Organisationsmediation
Verzeichnisse: Mediationen
Verwendung:
Fachbuch: Anwendungsfelder
Siehe auch:
Mediationen, bei denen die Organisation eine Rolle spielt. Welche Bedeutung der Organisation in der Mediation zukommt, ist eine Frage der Zuschreibung.
Der Begriff Organisationsmediation bezeichnet den Einsatz des Mediationsverfahrens in und zwischen Organisationen aller Art. Organisationen werden dabei als soziale Systeme verstanden, die aus Menschen bestehen, die gemeinsam Ziele verfolgen. Sie sind durch Mitgliedschaft, formelle und informelle Entscheidungs- und Kommunikationswege, sowie eine soziale Wertestruktur geprägt. Unterschiedliche Rollen und Interessen führen naturgemäß zu Konflikten.
Formen von Organisationen
Es gibt Überschneidungen mit der Unternehmensmediation und der Wirtschaftsmediation. Während diese Begriffe das profitorientierte Unternehmen mit vielfältigen Organisationsstrukturen, vom hierarchischen bis zum kooperativen Modell, fokussiert, erstreckt sich die Organisationsmediation schon begrifflich auf einen erweiterten Fokus, der auch gemeinnützige, nicht auf Gewinnerzielung gerichtete Organisationen, die auf soziale, kulturelle oder wissenschaftliche Ziele ausgerichtet sind, sowie Behörden, die durch gesetzliche Vorgaben und spezifische Zuständigkeiten geprägt sind. Jede Organisationsform bringt eigene Konfliktpotenziale mit sich. Die Wirtschaftsmediation gilt als ein Teilbereich der Organisationsmediation.
Besondere Anforderungen
Die Bewältigung von Mediationen mit Bezug auf Organisationen erfordert ein Verständnis für Strukturen, Abläufe und Machtverhältnisse innerhalb der Organisation. Soziologisches Wissen und Erfahrungen mit der Gruppenarbeit sind von großem Nutzen. Je nach Kontext – z. B. Verwaltung, Wirtschaft oder kreatives Umfeld – können spezifische Feldkompetenzen erforderlich sein.
Typische Themen
Themenstellungen sind vorbehaltlich der konkreten Konfliktanalyse oft interne und externe Machtbeziehungen, die Wirksamkeit von Organisationsstrukturen, organisationsinterne Prozesse und Abläufe, formelle und informelle Regeln, die Kommunikation, Kooperation mit- und untereinander, vertragliche Grundlagen (z. B. Satzungen, Gesellschafterverträge), sowie die Transparenz und Weiterentwicklung der Organisation
Anwendungsbereiche
- Interne Mediation: Konflikte innerhalb einer Organisation
- B2B-Mediation: Konflikte zwischen Organisationen
- B2C-Mediation: Konflikte zwischen Organisationen und Privatkund:innen (z. B. im Versicherungswesen)
Zielsetzung
Die Organisationsmediation strebt verbindliche Vereinbarungen oder konkrete, überprüfbare nächste Schritte (möglichst schriftlich) an, die Wiederherstellung der Kommunikations- und Arbeitsfähigkeit sowie eine verbesserte Beziehung der Beteiligten. Konflikte werden dabei nicht nur gelöst, sondern können als Anstoß für die positive Entwicklung der Organisation genutzt werden.
Bedeutung für die Mediation
Aufmerksamkeit errehte der Begriff der Organisationsmediation im Zusammenhang mit einem öffentlichen Mediatorenstreit, der sich um die Frage drehte, ob eine offenbar gescheiterte Mediation als solche korrekt durchgeführt wurde.1 Der Vorwurf lautete, die Mediatoren hätten eine Konfliktpartei nicht gehört und in das Verfahren eingebunden. Die mit der Mediation betrauten Mediatoren argumentierten, dass sie eine Organisationsmediation nach den Regeln des BMWA durchgeführt hätten. Diese hätte nicht nur die betroffenen Personen, sondern auch die Strukturen und Wirkungen in öffentlichen Debatten im Blick. Bei der Suche nach dem Verfahren gibt es einen Treffer auf der Webseite des Bundesverbandes.2 Mehr als die vorausgehenden Ausführungen wiedergeben, war der Seite aber auch nicht zu entnehmen. So wie es aussieht, ist die Organisationsmediation identisch mit der hier beschriebenen innerbetrieblichen Mediation oder der Unternehmensmediation. In der systematischen Einordnung fällt diese Mediation unter die Anwendungsfelder.
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