Mediationswaisen

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Ein entscheidendes Merkmal zur Unterscheidung der Mediationen sind die unterschiedlichen Mediationskonzepte.

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Zum Thema » Die Zuordnung der Mediationen zu den Klassen der Systematik ist nicht immer leicht. Wir stoßen deshalb auch auf Varianten, die keiner dieser Klassen zugeordnet werden können, werden als Mediationswaisen bezeichnet. Die Bezeichnung deutet an, dass eine Zuordnung noch aussteht. Grundsätzlich unterscheidet die Mediationssystematik folgende Klassen:

Mediationssystematik
Die Mediationssystematik unterscheidet verschiedene Klassen, die in ihrer Kombination ein klares Bild über die Leistungsfähigkeit der Mediation ergeben. Das Mediationsverständnis bildet den Ausgangspunkt. Es gibt die Ausrichtung vor.

Mediationsverständnis
KonzeptModelleFormenFelderStile

Varianten die nicht eingeordnet werden können, werden als Waisen behandelt.

Mediationswaisen (nicht zugeordnet)

Systematische Erfassung

Die folgende Zusammenstellung filtert alle Mediationen aus dem Verzeichnis heraus, die als "unspezifisch" gekennzeichnet sind.

Items found: 77
A . B . C . D . E . F . G . H . I . J . K . L . M . N . O . P . Q . R . S . T . U . V . W . X . Y . Z . All
BezeichnungBeschreibung
Post-MediationSo wie es eine Pre-Mediation gibt, muss es auch eine Post-Mediation geben. Oft wird übersehen, dass die Mediation (besonders bei Beziehungskonflikten) lediglich die Entscheidung für einen Weg ist, wobei der Weg damit noch nicht gegangen ist. Die Post-Mediation gibt Möglichkeiten und Anleitungen, wie mit dem Problem umzugehen ist.
PrämediationDer Begriff wurde von Wilfried Kerntke geprägt. Die Prämediation beschreibt die Bemühungen, die Mediation im konkreten Fall zu ermöglichen.
ProjektmediationKein spezifisches Verfahren, aber ein Anwendungsfeld bei der Projektarbeit. Es wird auch nicht klar, ob nur die methodische Anwendung von Mediation im Projektmanagement oder ein Mediationsangebot bei Konflikten in Projekten gemeint ist.
reflective MediationMit diesem Begriff soll wohl nur darauf hingedeutet werden, dass die Mediation einen reflektiven Umgang mit Konflikten zur Verfügung stellt, der einem aggressiven Verhandeln vorzuziehen ist.
restorative CirclesRestorative Circles versuchen eine Konfliktverwandlung auf gleicher Augenhöhe nach Dominic Barter. Dabei geht es um ein der Mediation angelehntes Vorgehen, jedoch ohne einen Mediator. Auf den wird aus Kostengründen verzichtet.
restorative Justice Der englische Ausdruck steht für das Wiederherstellen von Gerechtigkeit. Es geht um eine Wiedergutmachung im Strafverfahren. In Deutschland wird dafür der Begriff Täter-Opfer-Ausgleich verwendet. Die Wiedergutmachung erfolgt als Schlichtung oder Mediation vor einem strafrechtlichen Hintergrund.
Restorative MediationDer Begriff wird unscharf verwendet. Er bezeichnet zwar eine Mediation, legt aber nicht offen, was genau der Unterschied zu einer normalen Mediation ist. Das Angebot findet sich in Amerika, wo restorative Conferencing und Mediation als separate Verfahren angeboten werden. Die Kombination der Begriffe restorative und Mediation deutet wohl nur auf das Portfolio hin, ohne dass damit eine besondere Art der Mediation beschrieben wird.
SchiedsverfahrenVerfahren der Schiedsperson. Im Kern handelt es sich um eine obligatorische Schlichtung. Eine Mediation ist möglich. Das Schiedsverfahren ist vom. Schiedsgerichtsverfahren zu unterscheiden.
SchulmediationMediation im Schulbereich, oft von Schülern als Mediatoren durchgeführt (Peer-Mediation).
SchulmediationMediation im Schulbereich, oft von Schülern als Mediatoren durchgeführt (Peer-Mediation).
Scrivener-Mediation In der Scrivener-Mediation nimmt der Mediator vornehmlich protokollarische Funktionen wahr . Sie ist einer Moderation sehr ähnlich. Die so genannte Supervisory-Mediation animiert die Konfliktparteien dazu, selbstständig nach Lösungen zu suchen und unterstützt diesen Prozess lediglich in einer Form der Supervision.
Stellvertretermediation Gemeint ist eine Mediation, wenn nur eine Partei anwesend ist und die Gegenpartei an der Mediation nicht teilnimmt. Ein Mediator springt dann stellvertretend (wie in einem Rollenspiel) für die nicht anwesende Partei ein. Eine Bevollmächtigung liegt allerdings nicht vor. Ein interessanter Ansatz aber keine Mediation i.S.d. Mediationsgesetzes. Eine Abschlussvereinbarung mit dem Gegner kann nicht zustandekommen.
StoffsammlungDer Begriff wird in der Ausbildungsverordnung erwähnt. Er bezieht sich wohl auf die Themensammlung, die nicht separat erwähnt wurde, wohl aber die Sammlung von Optionen. Der Begriff bedeutet im Allgemeinen die Durchdringung des Themas, der Aspekte und Fragestellungen einschließlich der den Fragestellungen zugeordneten Materialsammlung. In der Mediation wird entweder eine Bestandsaufnahme oder eine Themensammlung durchgeführt, was einem bottom uo oder Top down Zugang zur Themenfindung darstellt. .
SulhSulh ist ein Begriff aus dem islamischen Recht und bezieht sich auf eine Art von Versöhnung zwischen Konfliktparteien. Es gibt Ähnlichkeiten und Parallelen zur Mediation.
Supervisory-MediationDie sogenannte Supervisory-Mediation animiert die Konfliktparteien dazu, selbstständig nach Lösungen zu suchen und unterstützt diesen Prozess lediglich in einer Form der Supervision.
Täter-Opfer-AusgleichMediation in Strafsachen, wo die Schlichtungsinitiative vom Täter ausgeht (anders als im Sühneverfahren). Der Täter-Opfer-Ausgleich kann als Schlichtung oder Mediation durchgeführt werden.
Technologie MediationVermittlung zwischen Entwicklern und Nutzern im internationalen Transfer von Umwelttechnologien zur Steigerung der Effizienz bei der technischen Unterstützung.
telefonische Shuttle-Mediation

Mediation am Telefon und mit Einzelgesprächen, veranlasst durch die Rechtsschutzversicherung.

transformatives KonzeptDas transformative Konzept der Mediation stellt das Empowerment und die Recognition in den Vordergrund. Es geht um die Befähigung der Partei, für sich selbst einzutreten und darum die Sichten der Gegenseite wahrzunehmen.
traumasensible Mediation Bei der traumasensiblen Mediation geht es nicht nur darum, den Konflikt zu lösen, sondern auch darum, die Beteiligten zu stärken und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um zukünftige Konflikte besser zu bewältigen.
U-Boot-MediationEs ist nicht wirklich klar, was sich dahinter verbirgt. Für den Begriff wurde ein Warenzeichen beantragt, aber nicht eingetragen. Dort wurde angegeben, dass der Begriff ein besonderes inaktives Verhalten des Mediators beschreibt und die Arbeitsweise des Mediators als allparteilichen Dritten widerspiegelt. Eine andere Herleitung beschreibt das Vorgehen als eine Art Shuttle-Mediation.
VerfahrensverfahrenDas Verfahren das die Metaebene über den Verfahren abdeckt und das Zusammenspiel der Verfahren steuern kann
Vermittlungsverfahren (§ 165 FamFG)

§165 FamFG besagt: Macht ein Elternteil geltend, dass der andere Elternteil die Durchführung einer gerichtlichen Entscheidung oder eines gerichtlich gebilligten Vergleichs über den Umgang mit dem gemeinschaftlichen Kind vereitelt oder erschwert, vermittelt das Gericht auf Antrag eines Elternteils zwischen den Eltern. Das Gericht kann die Vermittlung ablehnen, wenn bereits ein Vermittlungsverfahren oder eine anschließende außergerichtliche Beratung erfolglos geblieben ist.
(2) Das Gericht lädt die Eltern unverzüglich zu einem Vermittlungstermin. Zu diesem Termin ordnet das Gericht das persönliche Erscheinen der Eltern an. In der Ladung weist das Gericht darauf hin, welche Rechtsfolgen ein erfolgloses Vermittlungsverfahren nach Absatz 5 haben kann. In geeigneten Fällen lädt das Gericht auch das Jugendamt zu dem Termin.

VertragsmediationDer Begriff deutet auf mediative Ansätze der Kautelarjuristen und Notare hin, wo die Mediation bei der vertraglichen Gestaltung eingesetzt wird. Die EU Richtlinie geht übrigens davon aus, dass streitige, vorvertragliche Verhandlungen keine Mediationen i.S.d. Richtlinie sind.
visiongeleitete MediationBei dem visionsgeleiteten Konzept der Mediation soll das Problem nicht aus den Defiziten oder aus der als unzulänglich erlebten Situation heraus gelöst werden. Die Parteien werden vielmehr dabei unterstützt, eine Zukunftsvision zu entwickeln, aus der sie die Lösung konstruieren.
Vorausmediation Der Begriff wird hier für eine zeitlich vorausgegangene Mediation in einer anderen Sache verwendet, die keine Vorbefassung ist.
Vormediation Eigentlich ist die Mediationsvorbereitung gemeint. Manchmal nimmt sie aber selbst Züge einer Mediation an und wird sogar wie eine Mediation abgewickelt, sodass dieser Prozess, der eigentlich auch nur ein Teil eines anderen Prozesses ist dennoch als ein abgeschlossenes Verfahren mit spezifischen Besonderheiten erfasst werden kann.
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Hinweise und Fußnoten
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Bearbeitungsstand: 2025-12-19 18:49 / Version .

Alias: unspezifische Mediationen
Literaturempfehlung: Trossen (un-geregelt)
Geprüft: