Allgemeines Lexikon der Mediation

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BezeichnungBeschreibung
AbbruchDer Abbruch der Mediation führt zu ihrer Beendigung. Der Grundsatz der Freiwilligkeit stellt sicher, dass die Mediation jederzeit abgebrochen werden kann. Juristisch handelt es sich um eine fristlose Kündigung des MV oder der MDV. Seitens der Parteien kann sie jederzeit und ohne Angabe von Gründen erfolgen.
ABC-Modell

Das ABC-Modell nach Albert Ellis sieht das Entstehen der Gefühle nicht lediglich als einen reflex. Er unterscheidet mehrere Phasen, die er als ABC Phasen beschrieben hat. Das Akronym steht für:

  1. Activating experiences - innere oder äußere Wahrnehmung
  2. Beliefs - Annahmen und Interpretationen
  3. Consequences - Verhalten und Gefühle

Weil zwischen Ereignis und Gefühl eine Beurteilung stattfindet, gibt es einen wirksamen Ansatzpunkt, die Gefühle zu beeinflussen.

Abduktion

Die Abduktion beschreibt eine Erkenntnislogik. Sie dient der Hypothesenfindung und baut auf Erfahrungen auf. Auf die Mediation übertragen, wäre sie der gedankliche Weg in die neue Lösung.

Abgabe Unter dem Begriff Abgabe wird die Verfahrensübergabe an ein anderes Gericht verstanden. Das Gesetz erwähnt die in §23b GVG oder in §696 ZPO. Sie betrifft die Übertragung des Gerichtsverfahren an eine zuständige Instanz oder Abteilung des Gerichts. Die Verfahrensabgabe an einen Mediator ist nicht möglich.
AblaufDer Gesetzgeber spricht vom Ablauf der Mediation in § 2 Abs. 2 Mediationsgesetz. Gemeint sind die Phasen der Mediation.
AbschlussritualVorgegebenes Handlungsformat für die Durchführung der Abschlussvereinbarung.
AbschlussvollmachtVollmacht für eine Partei eine Abschlussvereinbarung zu treffen.
AbstimmungsbedarfDie Mediation ist ein konsensuales Verfahren. Das bedeutet, alle Entscheidungen müssen im Konsens getroffen werden. Der Mediator hat keine Direktionsbefugnis. Darüber hinaus veranlasst der Transparenzgrundsatz, die Verfahrensentscheidungen offenzulegen. Es gibt auch eine Informationspflicht. Bei Techniken und besonders bei Interventionen kann ihre vorherige Ansage aber das Gegenteil bewirken. Sie könnte die Intervention ad Absurdum führen. Andere Interventionen hingegen müssen angekündigt werden. Der Abstimmungsbedarf legt fest, welche Techniken und Interventionen anzukündigen und abzustimmen ist.
AbstraktionsprinzipEine Rechtskonstruktion, in der die Causa, also das Verpflichtungsgeschäft, von dem Erfüllungsgeschäft getrennt wird. (Verpflichtungsvertrag und Erfüllungsvertrag)
AbwerbungEine Gefahr im Helfersystem besteht darin, dass Mitbewerber Mediationsinteressenten und sogar Parteien abwerben. Die Gefahr ist in der WATNA-BATNA-Instanz gegeben aber auch bei der Nachfrage nach Mediation.
Access to justiceIm Englischen wird die Mediation als Access to justice bezeichnet. Justice meint in dem Zusammenhang aber Gerechtigkeit und nicht Justiz. Im Deutschen wird die Gerechtigkeit begrifflich am Recht festgemacht und nicht an der Justiz. Gerechtigkeit und Justiz werden unterschieden. Hier geht es nicht um den Zugang zur Justiz, sondern zur Gerechtigkeit wofür die Mediation als Garant angesehen wird.
AchtsamkeitAchtsamkeit ist eine Haltung des Bewusstseins, die sich auf das bewusste und absichtliche Wahrnehmen von Gedanken, Emotionen, Körperempfindungen und der Umgebung im gegenwärtigen Moment bezieht. Dabei geht es darum, den Moment bewusst zu erleben, ohne dabei in automatische Denk- oder Handlungsmuster zu verfallen.
AchtsamkeitsfokusDer Achtsamkeitsfokus stellt heraus, sich auf bestimmte Bereiche des gegenwärtigen Augenblicks zu konzentrieren. Achtsamkeit bedeutet nicht, dass man auf alles achten muss, sondern vielmehr, dass man sich bewusst auf bestimmte Aspekte konzentriert und diese wahrnimmt, ohne sich von Ablenkungen ablenken zu lassen. Ein achtsamer Mediator sollte wissen, worauf er zu achten hat, um nicht selbst überlastet zu werden.
AchtungAchtung ist einerseits ein Warnhinweis und andererseits ein Begriff aus der Ethik, der die Wertschätzung einer anderen Person und den ihr gegenüber zu erbringenden Respekt beschreibt. Mangelnder Respekt ist ein Vorwurf, der häufig in der Mediation erhoben wird.
AGB'sDas Akronym steht für Allgemeine Geschäftsbedingungen. Damit ist das Kleingedruckte in Verträgen gemeint. Ein Mediator sollte zumindest im Ansatz darüber Bescheid wissen. AGB's spielen bei Mediationsklauseln eine Rolle, bei der Frage der Rechtswirksamkeit von Vereinbarungen und der Gestaltungsoption für Vereinbarungen.
AIDA-PrinzipAIDA ist eine Akronym, das die Phasen beschreibt, die ein potenzieller Kunde (Klient) durchlaufen muss, um sich letztendlich für den Auftrag (den Kauf) zu entscheiden. Die Abkürzung steht für Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch), Action (Entschluss).
AkkreditierungDie Akkreditierung bezeichnet einen Vorgang zur Begutachtung bestimmter Eigenschaften und zur Sicherstellung von Qualitätsmerkmalen.
AktenbeiziehungDie Aktenbeiziehung ist eine Akteneinsicht in die Gerichtsakte mit dem Zweck Informationen daraus für die Mediation zu verwerten.
AkteneinsichtDie Akteneinsicht bezeichnet die Offenlegung der Verfahrensakte (Mediationsakte oder Gerichtsakte). Die Einsicht in die Gerichtsakte ist gesetzlich geregelt.
AktenführungÜber die Vorgehensweise und die Pflicht des Mediators Unterlagen zusammenzustellen und zu verwahren.
AktivistenAktivisten sind besonders politisch aktive Menschen, die zielstrebig handeln und politische Ziele durch Taten verfolgen. Meist suchen sie Wege, um ihre Positionen durchzusetzen, die jenseits der regulären, politischen Meinungsbildungsprozesse anzusiedeln sind. Gegebenenfalls ist auch Gewalt ein Mittel, um die Interessen durchzusetzen.
AkzeptanzUnbedingte Variable für eine gelingende Kommunikation. Die Akzeptanz ist einer der von Carl Rogers herausgearbeiteten Elemente der personenzentrierten Gesprächstherapie.
Alleinstellungsmerkmal der MediationMit dem Begriff Alleinstellungsmerkmal werden im Marketing die Eigenschaften eines Produktes bezeichnet, die das Produkt einzigartig machen und von anderen unterscheiden.
AllparteilichkeitSie wird oft mit der Neutralität gleichgesetzt. Die Neutralität ist ihre Bedingung. Der Zweck der Allparteilichkeit ist es jedoch, Balance herzustellen. Die Allparteilichkeit ist deshalb ein Instrument für den Mediator, gleiche Augenhöhe herzustellen, wo die Parteien dazu nicht in der Lage sind.
Altehen Siehe Graue Scheidung
AlternativenDie Parteien sollen die Lösungen unter mehreren Alternativen auswählen können. Die im Harvard-Konzept entwickelte Methode wird WATNA/BATNA genannt. BATNA bedeutet: Best Alternate to Negotiated Agreement (Siehe Lösung)
analoge KommunikationDie sinnlich wahrnehmbare, non-verbale Kommunikation. Sie wird in der Mediation mit dem Spiegeln bzw. mit der Technik des Verbalisierens digitalisiert (also ansprechbar gemacht).
analytisches Denken Das analytische Denken beschreibt einen kognitiven Prozess, der darauf abzielt, komplexe Probleme zu verstehen, indem sie in kleinere Teile zerlegt und systematisch untersucht werden. Es beinhaltet die Fähigkeit, Informationen zu sammeln, zu organisieren, zu bewerten und zu interpretieren, um zu logischen Schlussfolgerungen zu gelangen. Das analytische Denken bezieht sich auf Fakten. Es ist der Mediation nicht fremd und kommt dort auch zur Anwendung. Aber nicht ausschließlich und nur da, wo es hilfreich ist.
Anerkenntnisurteil Das Anerkenntnisurteil kann ohne mündliche Verhandlung ergehen, wenn der Beklagte die Forderung anerkennt. Es ist in §307 ZPO geregelt und stellt eine kostengünstige Mögflichkeit zur Prozessbeendigung dar.
Anerkennung Der Begriff Anerkennung wird zum einen synonym mit der Anerkennung einer anderen Person i.S.d. Recognition gebraucht. Andererseits hat er eine juristische Bedeutung. Die Anerkennung einer Forderung entspricht dem Zugeständnis, dass die Forderung existiert und berechtigt ist.
AnerkennungstheorieDie Theorie der Anerkennung von Axel Honneth stellt soziale Interaktionen in den Mittelpunkt, die zur Identitätsbildung und zum sozialen Status von Individuen beitragen.
AnfangsbedingungDie Anfangsbedingung beschreibt den Ausgangspunkt einer in die Zukunft wirkenden Kausalkette. Nach der Chaostheorie können kleinste Veränderungen der Anfangsbedingungen extreme Auswirkungen haben. Die Mediation bietet die Möglichkeit, optimale Ausgangsbedingungen für eine Zukunftsgstaltung zu setzen.
Anfrage (Invitatio ad offerendum)Um ein Produkt oder eine Dienstleistung nachzufragen, bedarf es manchmal der Vorinformation. Im Bereich der Mediation muss ich z.B. wissen, ob eine Mediation Sinn macht oder nicht, welche Kriterien erforderlich sind usw. Die Grenze zwischen den zur Nschfrage führenden Informationen und den schon zur Beratung zählenden Inhalten ist fließend. Es bedarf einer Abgrenzung zur Erstberatung und zur ung
AngelegenheitSiehe Sache
AnkereffektIn der Kognitionspsychologie beschreibt der anchoring effect eine Beeinflussung, die sich oft unbewusst auf menschliche Entscheidungen auswirkt.
AnkerpunkteAnkerpunkte sind Dimensionen (Informationsmerkmale), über die sich die Information in die Logik der Mediation einbeziehen lässt. (Beispiel: Dimension = Lösung Einbeziehung = Phase 4). Das Dimensionieren ist ein wesentliches Werkzeug der kognitiven Mediationstheorie.
AnlaufstörungenEs gibt Störungen nicht nur im Ablauf der Mediation, sondern auch bei deren Zustandekommen, also in der Anlaufphase. Die Anlaufstörungen werden bei den Startproblemen besprochen.
AnthropologieDie Anthropologie kann als die Menschenkunde, also die Lehre oder die Wissenschaft vom Menschen. beschrieben werden. Sie grenzt sich von der Anthroposophie ab, die als die Weisheit vom Menschen zu übersetzen ist. Beide Disziplinen haben Einfluss auf die Mediation, weil das zugrunde liegende Menschenbild eine Bedingung für ihre Durchführbarkeit ist.
AnthroposophieAnthroposophie bedeutet wörtlich genommen die Weisheit vom Menschen. Sie umfasst die Erkenntnis seelischer und geistiger Phänomene und Erscheinungen. Sie wurzelt in einer differenzierten Betrachtungsweise des Menschen als ein Wesen, das über Leib, Seele und Geist verfügt (Dreigliederung), wobei der Geist als eigenes Wesensglied neben dem physischen Leib und der Seele gesehen wird. Aus Sicht der Anthroposophie prägen Menschen dem sozialen Miteinander, wie auch der (Um-)Welt mehr oder weniger auch Eigenschaften ein, die dem menschlichen und dem individuellen Wesen entsprechen. Somit liegt die Vermutung nahe, dass in der vergleichsweisen jungen Disziplin der Mediation sich Elemente finden, die Passungen mit der anthroposophischen Menschenerkenntnis aufweisen.
AnwaltsmediatorEin Mediator, der im Quellberuf Anwalt ist, also zugleich eine Anwaltszulassung besitzt.Auch wenn der Begriff des Anwaltsmediators keine Berufsbezeichnung darstellen soll und nur auf den Ursprungsberuf hinweist, haben Anwälte wegen des Rechtsdienstleistungsgesetzes und der Anwendung des Berufsrechts eine Sonderstellung in der Mediation.
AnwaltszwangEs gibt Verfahren, bei denen sich die Parteien vor Gericht durch einen Anwalt vertreten lassen müssen. Die Pflicht, einen Anwalt beizuziehen, wird als Anwaltszwang bezeichnet. Mediatoren müssen wissen, wann ein Anwalt gegebenenfalls einzuschalten ist (z.B. bei Scheidung), um ihn rechtzeitig einzubeziehen.
Anwesenheitsrecht Das Anwesenheitsrecht entspricht in der Regel dem Recht zur Teilnahme an einer Mediation. Es unterscheidet zwischen dem Recht zur Teilnahme an einem Einzelgespräch, an der assynchronen Interaktion zwischen den Sitzungen und an der Teilnahme an den Sitzungen.
AppelDas ist in dem Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun die an den Anderen gerichtete Botschaft. Sie steht der Ich-Botschaft gegenüber und ist als eine Du-Botschaft zu verstehen. Der Appell unterscheidet sich davon. Er drückt aus, wozu die andere Seite veranlassen werden soll.
ArgumenteEin Argument ist im allgemeinen Sprachgebrauch eine Begründung oder ein Begründungszusammenhang. In der Mediation soll das Argument eine Position oder Lösung verhärten. Das Argumentieren könnte ein Indiz sein, dass die Mediation nicht verstanden wurde.
ArousalArousal ist ein englisches Wort, das auf Deutsch Erregung bedeutet. Es beschreibt die Aktivierungsbereitschaft des Zentralnervensystems, das beim Auftreten von Reizen mit Lebensrelevanz erhöht wird.
AS-StelleBei der AS-Stelle handelt es sich um eine auf der OS-Plattform aufgeführte Stelle für alternative Streitbeilegung (AS), die der Richtlinie 2013/11/EU des Europäischen Parlaments und des Rates entspricht.
AssoziationIm psychologischen Verständnis beschreibt die Assoziation die (un)willkürliche gedankliche Verknüpfung, wobei kognitive Elemente, Emotionen oder Sinneseindrücke bedingungsabhängig miteinander verknüpft werden.
AssoziationenfalleDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt, weil das menschliche Gehirn auch unzusammenhängende Informationen miteinander (eben mit Assoziationen) verknüpft.
assoziatives DenkenDer Mensch denkt in erster Linie assoziativ, indem das Unterbewusstsein für ihn scheinbar willkürliche gedankliche Verknüpfungen herstellet. In der Mediation wird ein psychologienahes assoziatives Denken ebenso ermöglicht wie ein juristennahes logisches Denken.
AttributionsfehlerAttribution bedeutet die Zuschreibung von Eigenschaften. Sie führt zu einem Wahrnehmungsphänomen, das als fundamentaler Attributionsfehler bekannt ist. Das Phänomen zeigt sich darin, dass der Beobachtende das was er beobachtet dem Menschen (beobachteten Objekt) stets als Eigenschaft zuschreibt.


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Hinweise und Fußnoten

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Bearbeitungsstand: 2023-02-16 22:28 / Version .

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