Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
EmanzipationDer Begriff geht auf einen lateinischen Ursprung zurück, der sich aus den Wortteilen "e" = aus, "manus" = Hand und "capere" = nehmen zusammensetzt. Mit dem aus der Hand nehmen wird eine Verselbständigung beschrieben, die es dem Individuum erlaubt, eine eigene Dynamik der Lebensgestaltung sowie der Lebensplanung zu entwickeln. Die Emanzipation spielt in vielen Beziehungskonflikten eine Rolle. Sie ist deshalb ein Prozess, der in der Mediation Beachtung findet.
WatchlistDer Begriff stammt aus dem englischen und wird wörtlich ins Deutsche übernommen. Er meint eine Liste, in der Beobachtungen zusammengeführt werden. Im Bereich der Mediation wurde der Begriff eingeführt, um die Gesetze zu beobachten und um herauszufinden, ob und wo ein Änderungsbedarf besteht.
Syreli-VerfahrenDie Bezeichnung steht für Système de Résolution de Litiges. Das bedeutet übersetzt Streitschlichtungsverfahren. Das Verfahren wurde von der französischen Domain-Registrierungsstelle AFNIC (Association française pour le nommage internet en coopération) im Jahr 2011 nach dem Vorbild der Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP) der ICANN geschaffen. Es kann verwendet werden, wenn die Schutz- oder Namensrechte durch eine französische Internetdomain verletzt werden.
transzendente Werkzeuge

Transzendente Werkzeuge bilden den Gegensatz zu den immanenten Werkzeugen. Gemeint sind alle Hilfsmittel, die über die Mediation hinausgehen und dazu beitragen, die Mediation zu verwirklichen. Im Vordergrund stehen die Interventionen, also Eingriffe, die erforderlich sind, damit sich die Parteien auf den durch immanente Werkzeuge realisierten Gedankengang der Mediation einlassen können.

immanente WerkzeugeDie immanenten Werkzeuge sind die der Mediation innewohnenden Werkzeuge, also alle Werkzeuge, die den Gedankengang der Mediation verwirklichen.
MediationsanalyseDie Mediationsanalyse dient zur Identifikation eines Prozesses (Vorgehens) als Mediation. Die Prozessanalyse (oder Mediationsanalyse) hilft dem Mediator dabei, sich im Prozess der Mediation zu bewegen und die anstehenden, prozessrelevanten Fragen zu beantworten.
MediatoranalyseDer Begriff wird in der Statistik verwendet und bezeichnet eine Spezialform der multiplen Regression. Mit der Einführung einer dritten Variablen soll der Zusammenhang zwischen einer unabhängigen und einer abhängigen Variable aufgedeckt werden.
InterprofessionalitätDer Begriff wird unscharf verwendet. Im Zusammenhang mit der Mediation bedeutet er zum einen, dass Fachleute aus unterschiedlichen Professionen eng aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten. Zum anderen bedeutet er aber auch, dass Leistungen anderer Berufe in die Mediation integriert werden.
3er-Schritt der WahrnehmungSiehe Dreierschritt der Wahrnehmung
3er-Schritt der EntscheidungSiehe Dreierschritt der Entscheidung
Wirkfaktoren der MediationDamit werden die Elemente der Mediation zusammengefasst und gekennzeichnet, die zum Gelingen der Mediation beitragen. Die Wirkfaktoren sind von den funktionalen Einheiten abzugrenzen, die letztlich auch Elemente beschreiben, die zum Gelingen der Mediation beitragen.
LehrlingsmediationIm österreichischen § 15a Berufsausbildungsgesetz ist zwingend eine Mediation durchzuführen, wenn ein Lehrberechtigter die außerordentliche Lösung eines Lehrverhältnisses in Erwägung zieht. Die Mediation soll es den Beteiligten ermöglichen, für ihre Konflikte unter Begleitung eines fachkundigen Mediators selbst eine Lösung zu finden. In die Mediation sind der Lehrberechtigte, der Lehrling (bei Minderjährigkeit auch der gesetzliche Vertreter) und auf Verlangen des Lehrlings eine Person seines Vertrauens einzubeziehen. Es muss mindestens eine Mediationssitzung geben. Das Verfahren endet dann durch Zeitablauf spätestens mit Beginn des fünften Werktages vor Ablauf des 11. bzw. 23. Lehrmonats.
6-Schritte ReframingSiehe Six-Step-Reframing
Six Step ReframingDas Six-Step-Reframing ist ein NLP-Interventionsmodell. Sein Ziel ist die Veränderung von Verhaltensgewohnheiten, die in sechs Schritten herbeigeführt wird. Im Mittelpunkt steht die Trennung von Verhalten und positiver Absicht.
Legal CoachingEs handelt sich um eine spezielle Intervention im juristischen Beratungsmandat. Sie soll dem Mandanten helfen, für sich zu entscheiden, welches juristische Ziel und Ergebnis verfolgt werden soll.
Mediation und PolitikSpannungsfeld zwischen der Mediation und der Politik. Sie unterscheidet zwischen der Mediationspolitik (wie die Ziele der Mediation politisch umgesetzt werden) und der Politikmediation (Anwendung der Mediation bei politischen Konflikten oder Konflikten im politischen Umfeld).
MediationspolitikPolitik der Mediation bzw. Politik, mit der sich die Ziele der Mediation verwirklichen lassen.
PolitikmediationMediation im Anwendungsfeld Politik.
ThemenpriorisierungWenn in der Themensammlung in der zweiten Phase mehrere Themen aufkommen, müssen sich die Parteien dafür entscheiden, welches Thema als erstes angegangen wird. Dieser Vorgang wird als Themenpriorisierung bezeichnet.
ThemenfestlegungDie Themenfestlegung ist eine Mediationsabrede, die die Mediationsdurchführungsvereinbarung ergänzt. Sie ermächtigt den Mediator, das Thema zu bearbeiten und begrenzt ihn zugleich darauf. Die Themenfestlegung ist Teil der Themensammlung und der Themenpriorisierung.
verschachtelte StrukturDie Mediation wird als ein strukturiertes Verfahren definiert. Bei genauem Hinsehen bildet sie jedoch mehrere Strukturen aus, die ineinander verschachtelt sind.
vertikale StrukturDie vertikale Struktur betrifft die durch die Systemik vorgegebenen Ebenen der Mediation.
mehrdimensionales VerfahrenDie Mediation ist ein Verfahren, das aus mehreren Dimensionen besteht, die miteinander vernetzt sind. Die Dimensionen entsprechen den Variablen der Komplexität. Sie können in der Mediation aufeinander abgestimmt werden.
VerfahrensdimensionMit dem Begriff der Verfahrensdimensionen werden Informationsdimensionen beschrieben die das Verfahren betreffen. Zu unterscheiden sind beispielsweise Argumente, Positionen, Themen, Motive und Lösungen. In dem die Informationen diesen Dimensionen zugeordnet werden, können Sie in das Verfahren der Mediation eingeordnet werden.
horizontale StrukturDie horizontale Struktur der Mediation betrifft die Verfahrensebene und den Verfahrensablauf.
verarbeitende StrukturSiehe Strukturierung
ErkenntnisschritteDie Phasen geben dem Mediator den eigentlichen Arbeitsauftrag. Er verändert sich von Phase zu Phase und repräsentiert einen Gedankengang, der die Phasen mit den dazu passenden Erkenntnisschritten abschließt.
VerfahrensvariablenDer Prozess der Mediation orientiert sich an Variablen die miteinander vernetzt sind. Die auf das Verfahren bezogenen Variablen entsprechenden Prozessstationen. Sie sind bedingen einander und werden der Phasenlogik untergeordnet.
QualitätskontrolleÜberprüfung der Benchmarks zur Reflexion der Mediation.
RollenzuschreibungÜblicherweise sind an einem Verfahren mehrere Personen und Parteien beteiligt, die in Verhandlungen einander gegenübertreten. Dabei stellen sich verschiedene Rollen heraus, die mit der Struktur des Verfahrens einhergehen. Die Rollenzuschreibung weist den Verfahrensbeteiligten die dem Verfahren entsprechenden Aufgaben und Verantwortungen zu.
MediatorenrolleDie Rolle des Mediators ist die eines Verstehensvermittlers. Er ist im Idealfall eine personifizierte Metaebene, die den Parteien nicht auf der operativen Ebene begegnet. Diese Systemik macht Ihnen zu einer Person, die weder eine Entscheidungs-, noch eine Bewertungsmacht besitzt. Es gibt keine Hierarchie. Die Mediatorenparteien begegnen sich und dem Mediator auf gleicher Augenhöhe.
Mediatorenprofil Definitionsgemäß ist ein Profil nicht nur die Seitenansicht eines Kopfes. Vielmehr beschreibt es das charakteristische Erscheinungsbild und das aufgrund bedeutender Fähigkeiten ausgeprägte Persönlichkeitsbild einer Person oder Sache. Mithin beschreibt das Mediatorenprofil das zu erwartende Persönlichkeitsbild eines Mediators.
GutmenschDas Wort beinhaltet eine Bewertung. Sie impliziert einen moralischen Anspruch. Jenseits der Frage, was überhaupt gut und böse ist, erweist sich diese Attribution in der Mediation schon deshalb als problematisch, weil der Mediator eine wertefreie Metaebene abbilden soll. Jeder moralisierende Ansatz kann dann ein Problem sein. Ein Gutmensch, der sich zudem dazu berufen fühlt, die Moral (der anderen) zu überwachen, hat in der Mediation nichts zu suchen. Die Ethik des Mediators orientiert sich an den Variablen der Kommunikation und den Kriterien der Metaebene.
Kompetenzausbildung Die Kompetenzausbildung ist von der Ausbildungskompetenz zu unterscheiden. Das eine betrifft die Frage, wie sich eine Kompetenz ausbilden oder vermitteln lässt. Das andere betrifft die Frage, wer wann dazu in der Lage ist.
AusbildungskompetenzDie Fähigkeit zur Kompetenzausbildung. Der zukünftige Mediator soll eine mehr oder weniger genau umschriebene Kompetenz nachweisen können. Die Ausbildungskompetenz beschreibt die Kompetenz, die erforderlich ist, um diese Kompetenz ausbilden zu können. Die Frage, wie sich die Kompetenz bei einem Schüler ausbilden lässt, wird unter den Begriff der Kompetenzausbildung gefasst.
VerfahrensverantwortungDie Verantwortung ist von den Rollen und Funktionen der Beteilgten eines Verfahrens abhängig. Die Verantwortung weicht in den Verfahren voneinandner ab. Die dadurch entstehenden Verfahrensunterschiede rechtfertigen es, wenn die Verantwortung als ein Verfahrenskriterium aufgeführt wird, mit dem sich der Verfahrenscharakter bestimmen lässt.
VollständigkeitDie Vollständigkeit ist ein Leistungsmerkmal der Mediation, das als einer ihrer Vorteile ausgewiesen wird.
Bensberger Mediations-Modell

Modell zur Unterrichtung und Anwendung der Mediation im Kita- und Schulbereich. Auf der Ebene der Prävention werden die Kinder mit dem Klassenprogramm zum „Anders streiten lernen“ auf die Lösung von realen Konflikten im Schulalltag vorbereitet. Rituale helfen bei der Lösung von Streit. Auf der Ebene der Intervention lernen die Kinder und Jugendlichen durch das Verfahren der Streitschlichtung, die „Erst-Hilfe im Streit“ oder mit dem „Hosentaschenbuch“, Konflikte selbstständig zu bearbeiten und zu lösen

Small Business CasesFälle mit geringem Streitwert, die ursprünglich von einem Mitarbeiter des Gerichts in Großbritannien im Wege einer telefonischen Shuttle Mediation abgewickelt wurden.
Ende der MediationBei der Frage, wann die Mediation endet, ist wieder zwischen der juristischen Sicht (was kann abgerechnet werden) und der Mediationslehre zu unterscheiden. Nach der Mediationslehre endet die Mediation mit der letzten Aktion des Mediators.
ShuttlemediationSiehe Shuttle-Mediation
Mediationslehren

Der Begriff der Lehre steht nicht nur für eine Ausbildung. Er ist auch Ausdruck für ein wissenschaftliches System und die Anschauung über ein Problem der Wissenschaft, der Philosophie oder der Kunst. Die Vielfalt der Mediation erlaubt verschiedene Anschauungen. Sie lassen sich in dementsprechend unterschiedliche Lehren aufteilen, die unterschiedliche Konzepte und Herleitungen verwirklichen.

Schulen

Siehe Mediationslehren

MediatorensucheDie Wahl des Mediators ist von der Suche nach einem Mediator zu unterscheiden. Während die Suche auf das Finden eines Mediators gerichtet ist, bedeutet die Wahl die Entscheidung für den Mediator.
BefangenheitDie Befangenheit deutet auf eine mangelnde oder nicht vorhandene Neutralität hin. Sie darf weder aus der Sicht der Parteien noch aus der des Mediators vorliegen. Er muss darauf hinweisen, wenn Bedenken gegen seine Neutralität bestehen.
UnparteilichkeitDer Begriff umschreibt die Neutralität und wird oft mit der Allparteilichkeit gleichgesetzt.
NachlassUnter Nachlass wird die Gesamtheit dessen verstanden, was ein männlicher oder weiblicher Verstorbener, also ein Erblasser, an Gütern und Verpflichtungen hinterlässt.
biologisches ErbeÜbertragung der genetischen. Eigenschaften.
soziales ErbeÜbertragung der Angewohnheiten, Denkweisen, Traditionen und Werte auf die Kinder.
vier Lösungsfeldermodell Siehe Konfliktnavigator (Coaching)

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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