Die Sprache der Mediationsschulen

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Wissensmanagement » Diese Seite gehört zur Rubrik Schulen der Wiki-Abteilung Akademie. Sie befinden sich auf der Seite Termini wo die unterschiedliche Terminologie der jeweiligen Lehre identifiziert wird. Beachten Sie bitte auch:

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
Gesprächsregeln Gesprächsregeln sind von den Gesprächsgrundsätzen und den Grundsätzen der Mediation zu unterscheiden. Sie werden mit den Parteien vereinbart, wenn sie erforderlich sind, um das Gespräch unter Kontrolle zu haben.
Konfliktphänomene Konfliktphänomene sind Erscheinungsformen des Konfliktes. Sie werden im Wiki zusammengefasst und beschrieben.
Übertragung Die Übertragung reaktiviert alte, meist frühkindliche Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, mit der alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen reaktiviert werden.
Gegenübertragung Die Übertragung reaktiviert alte, meist frühkindliche Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, mit der alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen reaktiviert werden. Die Gegenübertragung ist das Pendant dazu. Sie beschreibt die emotionale Reaktion einer anderen Person auf die Übertragung, wo eigene ähnliche Muster hervorgerufen werden.
ResonanzDie Resonanz ist ein physikalisches Phänomen, das die Verstärkung oder die Schwingungsübertragung beschreibt und dadurch zum Mittönen oder Mitschwingen eines anderen Körpers führt. Im Übertragenen Sinn bedeutet Resonanz auch Widerhall, Verständnis, Zustimmung. In der Psychologie wird der Begriff im Zusammenhang mit sozialen Interaktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen verwendet. Im NLP beschreibt er die Fähigkeit, eine harmonische Verbindung oder Übereinstimmung mit einer anderen Person herzustellen.
MetaebeneDie Metaebene bezeichnet eine Ebene aus der heraus eine übergeordnete Sichtweise möglich ist. Sie erlaubt eine Reflexion ihres Systems oder ihrer Struktur und der darin vorkommenden Verhaltensweisen, so dass diese als Objekte (von außen betrachtet) behandelt werden können.
argumentierenGründe zum Beweis oder zur Rechtfertigung darlegen. Das Argumentieren passt in die Phase 2, wo Positionen (und deren Begründung) dargelegt werden. Wenn es noch später in der Mediation vorkommt, muss sich der Mediator fragen, ob die Mediation auf dem richtigen Kurs ist. Für den Mediator selbst gibt es in keinem Fall einen Grund diese Technik anzuwenden. Auch dann nicht, wenn er angegriffen wird.
DimensionalonthologieDer Begriff geht auf Viktor Franke zurück. Er schreibt dem menschlichen Sein drei Dimensionen zu: das Leibliche (Somatische), das Seelische (Psychische) und das Geistige (Noetische). Es ist ein interessanter antroposophischer Ansatz zum Verständnis des Menschen, der in der Logotherapie und auch in der Mediation verwertbar ist.
SchuldgefühleSchuldgefühle würden typischerweise dann ausgelöst, wenn Personen das Leiden Anderer als ihr eigenes Verschulden ansehen und sich dafür verantwortlich fühlen. Sie sind von der Schuld und der Verantwortung zu unterscheiden.
KonfliktverhaltenDas Konfliktverhalten beschreibt die Art und Weise, wie mit dem Konflikt umgegangen wird.
PflichtverletzungEs geht um die Pflichten des Mediators in der Mediation und um die Verletzung dieser Pflichten. Die Auseinandersetzung mit den Pflichten ist ein wichtiges Thema, bei dem in der Praxis und der Rechtsprechung viel Unklarheit besteht.
OrangenbeispielDas aus dem Harvard-Konzept stammende Orangenbeispiel belegt deutlich den Effekt, wenn Positionen von Interessen unterschieden werden. Das Orangenbeispiel wird oft als Metapher für eine Mediation genutzt. Es schildert jedoch nur einen Aspekt der Mediation, der auch nicht immer zielführend ist. Das Orangenbeispiel ist nicht direkt ein Werkzeug der Mediation, wohl aber eine Metapher, wie die Werkzeuge zu benutzen sind.
PhänomenologieDer Begriff der Phänomenologie setzt sich mit dem Sichtbaren auseinander. Er wird aus den altgriechischen Wörtern abgeleitet die mit Erscheinung und Lehre übersetzt werden können. Die Phänomenologie der Konflikte ist somit die Auseinandersetzung mit den Erscheinungsformen der Konflikte, um daraus eine Lehre abzuleiten.
WaffenstillstandsvereinbarungVereinbarung während der Mediation um Störungen, Aggressionen und Einflüsse von außen auf das Verfahren abzuwehren.
WaffenWaffen sind Geräte, Instrumente, oder Vorrichtung als Mittel zum Angriff auf einen Gegner, zum Erlegen von Tieren, zur Zerstörung von Bauwerken, technischen Anlagen usw. oder zur Verteidigung. Sie sind ein Mittel der Gewaltanwendung, die definitionsgemäß auch ohne Waffen auskommt. Wenn Waffen zum Einsatz kommen, ist das Ziel der Mediation nicht nur einen Waffenstillstand, sondern eine Waffenniederlegung zu erreichen.
Metaphern

Metaphern sind Wortbilder, die rationale Sachverhalte assoziativ umschreiben. Bilder sagen mehr als Worte. Um Bilder zu transportieren, muss man nicht zwingend Papier und Bleistift benutzen. Es geht auch mit Bildbeschreibungen oder eben Metaphern.
Wenn die Parteien Metaphern verwenden, ist es geschickt sich auf das Bild einzulassen und es zu vervollständigen oder zu hinterfragen. Beispiele: Metaphern zur Mediation siehe Metaphern

IndianertaktikDie Überlieferung sagt, dass Indianer-Eltern im Tiki über die Kinder gesprochen haben, in dem Wissen, dass die Kinder das Gespräch durch die dünnen Zeltwände hören können. Dieser Trick kann auch in der Mediation sinnvoll eingesetzt werden.
AnalyseDie Mediation kommt ohne Diagnosen aus, nicht allerdings ohne Analysen. Analysen können als die Erfassung von messbaren Eckdaten verstanden werden, auf denen eine Diagnose, also eine Bewertung aufsetzt. Die Mediation braucht solche Eckdaten nicht zur Diagnose, sondern zur Ausrichtung des Prozesses. Auf der Seite Analysen finden Sie ine Zusammenstellung der notwendigen und möglichen Analysen in der Mediation.
KostenanalyseBerechnung der Konfliktkosten
SchiedsspruchUrteil im Schiedsgerichtsverfahren.
SchiedsvereinbarungDie Schiedsvereinbarung ist nach § 1029 ZPO eine Vereinbarung der Parteien, alle oder einzelne Streitigkeiten, die zwischen ihnen in Bezug auf ein bestimmtes Rechtsverhältnis vertraglicher oder nichtvertraglicher Art entstanden sind oder künftig entstehen, der Entscheidung durch ein Schiedsgericht zu unterwerfen.
AusnahmefrageDie Ausnahmefrage ist eine offene Frage, die darauf abzielt, positive Momente oder Ausnahmesituationen in Bezug auf das Problem oder die Herausforderung zu identifizieren. Sie zielt darauf ab, Ressourcen und Fähigkeiten hervorzurufen, die bereits im System vorhanden sind.
DekonstruktionDie Dekonstruktion beschreibt das Zerstören von Gewissheiten und Verwendungszusammenhängen bei der Konfliktarbeit, um sie in einer neuen Form wieder aufzubauen. Es handelt sich um eine Technik der narrativen Therapie.
lösungsorientierte KurztherapieDie lösungsorientierte Kurztherapie, auch lösungsfokussierte Kurztherapie, (engl. solution focused therapy SFT) ist eine spezielle Art der Gesprächstherapie, die große Ähnlichkeiten zur integrierten Mediation aufweist. Die lösungsorientierte Kurztherapie konzentriert sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung.
facilitative MediationMediationsmodell mit dem Bearbeitungsschwerpunkt Fakten / Interessen.
VerbraucherschlichtungLösungsvermittlung als Unterfall der Streitvermittlung In Verbraucherstreitigkeiten
AnwaltsmediationMediation durch einen Anwalt, der aber nicht als Anwalt, sondern als Mediator tätig wird (siehe Anwaltsmediator.
KonflikteinsichtUm einen Konflikt lösen zu können, bedarf es der Konflikteinsicht. Um darüber verhandeln zu könne, bedarf es des Konfliktbekenntnisses. Mit dem Konfliktbekenntnis einher geht die Übernahme der Verantwortung zur Beilegung des Konfliktes. Es fällt vielen Parteien schwer, den Konflikt und die damit einhergehende Betroffenheit einzugestehen.
eisernes DreieckDas eiserne Dreieck beschreibt die Interessensverflechtung zwischen Politik, Bürokratie und Wirtschaft. Siehe auch: Konfliktpyramide
Love bombingLove bombing ist eine manipulative Taktik, die von manipulativen Personen oder narzisstischen Persönlichkeiten in Beziehungen eingesetzt wird, um ihr Opfer zu beeinflussen und zu kontrollieren. Es beinhaltet übermäßige Zuneigung, Aufmerksamkeit, Geschenke und Liebesbekundungen in einem sehr kurzen Zeitraum. Das Ziel des Love Bombings ist es, das Opfer schnell emotional abhängig zu machen und eine intensive Bindung herzustellen.
SchulmediationMediation im Schulbereich, oft von Schülern als Mediatoren durchgeführt (Peer-Mediation).
SchülermediationDeutsches Wort für die Peer-Mediation. Peer-Mediation ist aber gebräuchlicher. Sie beschreibt ein Modell zur Anwendung der Mediation an Schulen. Schüler mediieren den Konflikt von Mitschlülern.
Peer-MediationDie Peer-Mediation beschreibt eine verbreitete Form der Mediation an Schulen. Peer-Mediation bedeutet Mediation unter Gleichrangigen bzw. Gleichaltrigen. Zwei Jugendliche klären freiwillig ihren Konflikt mit der Unterstützung eines anderen Jugendlichen, der als Vermittler fungiert. Meist findet die Mediation unter beschränkt geschäftsfähigen Mediatoren und Medianden statt.
InformationsfilterDamit das Gehirn die Vielzahl an Informationen überhaupt verarbeiten kann, stellt es sie immer in einen Kontext aus dem heraus es entscheidet, welche Informationen wichtig sind und welche nicht. Das Gehirn legt also einen Filter über die Informationen, den zu kennen wesentlich dazu beiträgt, die Informationen zu qualifizieren und einzuordnen und mehr noch zu erkennen, welche Informationen vorenthalten werden.
WahrheitDie Wahrheit ist das Erkennen der Wirklichkeit. Das Gegenteil davon ist das Unwahre oder die Illusion. Wahrheit ist das Unverborgene. Die Frage nach der Wahrheit wird ind er Mediation häufig angesprochen. Der Mediator sollte wissen, wie damit umzugehen ist.
DeutungshoheitDie Deutungshoheit bezeichnet die Macht zu entscheiden, welche Bedeutung ein Tun, ein Unterlassen oder eine Aussage haben, was wahr ist und was nicht. Die Frage nach der Deutungshoheit kann in der Mediation eine wichtige Rolle spielen. Sie erfordert eine differenzierte Sicht, die unter den Parteien abzustimmen ist. Bedeutungen, die beide Parteien betreffen müssen von beiden Parteien zugeschrieben werden. Der Grundsatz der gleichen Augenhöhe bewirkt, dass sich die Parteien darauf verständigen müssen. Es ist keinesfalls so, dass eine Partei der anderen sagen kann, was sie zu denken hat.
IdentitätDie Identität umfasst die Gesamtheit dessen, was eine Person einzigartig macht, einschließlich ihrer sozialen, kulturellen und persönlichen Zugehörigkeiten. Sie bezieht sich auf die einzigartigen Merkmale, Eigenschaften, Überzeugungen und Erfahrungen, die eine Person individuell kennzeichnen. Die Identität einer Person (einschließlich des Mediators) spielt in der Mediation eine wichtige Rolle. Sie ist ein persönlichkeitsbildendes Element.
4 Ebenen der PersönlichkeitDas Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit geht von vier anatomischen Gehirnebenen aus. Das Modell stellt drei limbische Ebenen (untere, mittlere, obere) und die sprachlichkognitive Ebene vor. Der Ausdruck „Ebenen“ schließt die Wechselwirkung zwischen ihnen ein.
LebensabschnittDas Leben eines Menschen ist geprägt von einer Vielzahl an Erfahrungen, Entwicklungen und Veränderungen. Diese werden häufig in verschiedene Abschnitte unterteilt, die als Lebensabschnitte bezeichnet werden. Ein Lebensabschnitt kann für die Ausprägung eines Konfliktes kennzeichnend und sogar ausschlaggebend sein. Deshalb können Lebensabschnitte sich auch auf die Mediation auswirken.
SelbstvertrauenDas Selbstvertrauen bezieht sich auf das Vertrauen und die Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und den Wert als Person. Es ist das Gefühl der Sicherheit und des Glaubens an sich selbst, dass man in der Lage ist, Herausforderungen zu bewältigen, Ziele zu erreichen und mit den Anforderungen des Lebens umzugehen. Das Selbstvertrauen ist ein wichtiges psychologisches Merkmal, das auch bei der Bewältigung von Konflikten eine wichtige Rolle spielt und deshalb oft in der Mediation thematisiert wird.
Conflictus googleIn Analogie zu dem Begriff Morbus Google bezeichnet der Begriff Conflictus Google das Phänomen, dass Konfliktparteien in Google nach Lösungen suchen. Ohne ein Grundlagenwissen können die Informationen in die Irre leiten und falsche Schlussfolgerungen ermöglichen. Das kann sich auf die Wahl der Konfliktdienstleistung niederschlagen.
EmotionsdatenbankVerzeichnis der im Wiki besprochenen Emotionen und wie in der Mediation damit umzugehen ist.
AngstSpeziell die Konfliktangst kann Einfluss auf das Konfliktverhalten auslösen. Die Angst kann zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führen, die sich nicht immer vorteilhaft auf das Konfliktgeschehen auswirken. Die Angst kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Sie zeigt sich in körperlichen Symptomen wie z.B. Herzrasen, Herzklopfen oder schneller unregelmäßiger Herzschlag, Schweißausbrüche, Zittern, Mundtrockenheit, Atemnot, Kurzatmigkeit, Erstickungsgefühl, Beklemmungsgefühl, Schmerzen in der Brust.
WutWut ist ebenso wie Hass eine reaktive Aggression. Die Wut entspricht einem Aufbäumen, um Hindernisse und Bedrohungen zu bewältigen. Die Wut ist ein Affekt im psychosozialen Konfliktfall. Sie wird im Gegensatz zum Hass als eine Form der konstruktiven Aggression bezeichnet.
TrauerTrauer ist eine emotionale Reaktion auf Verlust und Schmerz. Sie ist ein komplexes emotionales Erleben und kann auf einem breiten Gefühlsspektrum eingeordnet werden. Sie steht in Verbindung mit verschiedenen Emotionen, die sich während des Trauerprozesses manifestieren können.
AchtsamkeitsmediationSiehe Mindful Mediation.
BerufsmediationDer Begriff ist keine Mediationsart. Er bezeichnet lediglich die Verwendung der Mediation als Mediationsverfahren im Beruf des Mediators und grenzt zu anderen beruflichen Nutzungen wie z.B. als Konfliktlotse ab. Die Berufsmediation hat aber insoweit eine Aussage und Wirkung hinsichtlich der Durchführung der Mediation, weil sie im beruflichen Kontext weitere Anforderungen hinsichtlich des Mediationsmanagements, des Qualitätsmanagements und der Mediationsökonomie zu erfüllen hat, wodurch sich die Arbeitsweise des Mediators ändern mag (und sollte). Mit dem Begriff der Berufsmediation können die Unterschiede herausgearbeitet werden.
VerfahrensregelnVerfahrensregeln sind die mit den Parteien zu vereinbarenden Regeln über die Durchführung der Mediation. Sie entsprechen den Mediationsregeln und sollten strikt zu den Gesprächsregeln (Verhaltensregeln) unterschieden und abgegrenzt werden.
ProzessvollmachtVollmacht für einen Vertreter zur Durchführung des Prozesses (Teilnahme an der Mediation). Die Prozessvollmacht ist eine Verfahrensvollmacht. Sie umfasst nicht zwingend die Vollmacht zur Abschlussvereinbarung.
AbschlussvollmachtVollmacht für eine Partei eine Abschlussvereinbarung zu treffen.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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