Die Sprache der Mediationsschulen
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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.
Die Terminologische Zuordnung
Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.
Die Examensdatenbank wird ständig erweitert. Sie können helfen. Sollten Sie einen Begriff vermissen oder anders definieren, geben Sie bitte einen Hinweis, wenn Sie die Änderung nicht selbst einbringen.
| Bezeichnung | Beschreibung |
|---|---|
| Berufsgesetz | Ein Berufsgesetz regelt die Zugangs- und Abwicklungsbedingungen für eine Berufsausübung. Um die Berufsfreiheit zu sichern, werden häufig Kammern beliehen, um die berufsrechtlichen Rahmenbedingungen verbindlich festzulegen. |
| höchstpersönliche Rechte | Höchstpersönliche Rechte sind unveräußerbare und unvererbliche Rechte, über die nur der Inhaber oder die Inhaberin disponieren darf. Die Entbindung von der Verschwiegenheitspflicht ist z.B. ein höchstpersönliches Recht. |
| Voll-Mediator | Eine Bezeichnung für einen Berufsmediator, der ausschließlich die Mediation als Dienstleistung anbietet ohne Bezug zum Grundberuf (wie z.B. Anwaltsmediator) |
| Vermeidung | Die Vermeidung ist kein Verfahren, aber eine mögliche Strategie der Konfliktlösung. Mache Verfahren eignen sich zur Vermeidung von Konflikten. Auch die Mediation kann dazu herangezogen werden. |
| Schiedsgerichtsverfahren | Ein von den Parteien bestimmte dritte Person entscheidet den Fall ähnlich einem Richter |
| private Judging | Das ist ein Schiedsgerichtsverfahren bei dem ein pensionierter Richter wir in einem Gericht entscheidet. |
| Inter-Mediation | Die Inter-Mediation ist ein Oberbegriff, der alle Formen der Mediation im internationalen und interkulturellen Kontext erfasst und gegen andere Verfahren angrenzt. Die Inter-Mediation fasst also die Cross Border Mediation, die interkulturelle Mediation und die internationale Mediation zusammen und grenzt sie gegeneinander ab. |
| ConflictCouraging | Das ConflictCouraging wird als eine spezielle Methode der Konfliktbewältigung im Rahmen einer Mediation vorgestellt. Es beschreibt eine Möglichkeit, wie Coaching und Mediation zusammengeführt werden können. In einem vorausgehenden Coaching haben die Konfliktparteien die Möglichkeit, das eigene Konfliktverhalten mit professioneller Unterstützung zu reflektieren und gegebenenfalls zu modifizieren. Coach und Mediator sind nicht identisch. |
| evaluative Mediation | (Rechts-)bewertende Mediation. Es handelt sich um ein Mediationsmodell |
| substantielle Mediation | Siehe: materielle Mediation |
| transformative Mediation | Transformative Mediatoren versuchen, die Art der Konfliktinteraktion der Parteien durch Anerkennung und Empowerment zu stärken, damit sie ihre Konflikte selbst produktiv bewältigen. |
| sondierende Mediation | Mediation auf dem Niveau eines Sondierungsgespräches |
| mixed Mediation | Andere Bezeichnung für die blendedMediation |
| eclected Mediation | Eclectic heißt vielseitig. Die eclectic Mediation ist eine andere Bezeichnung für die blendedMediation |
| blended Mediation | Die blended Mediation mischt die Mediationsmodelle innerhalb einer Mediation. Sie wird auch als mixed mediation bezeichnet. |
| kognitive Mediation | Mediation nach dem Konzept der kognitiven Mediationstheorie. Der Begriff wird auch synonym zur Integrierten Mediation verwendet. |
| Metamediation | Eine virtuelle Mediation, die über allen Verfahren liegt und dazu beiträgt, dass die in den Verfahren verwirklichten Schritte der Mediation zusammengefasst werden können. |
| early neutral Evaluation (ENE) | Das Verfahren zielt darauf ab, den Fall für ein Verfahren zu positionieren. In einer Gesprächsrunde werden die Risiken und Chancen einer möglichen Regelung ausgelotet |
| juridical Settlement | Verhandlungen im oder ausserhalb des Gerichts über eine gütliche Streitbeilegung (Vergleichsverhandlung). |
| Peer Review | Ein Peer-Review (englisch für Begutachtung durch Ebenbürtige) ist ein Verfahren zur Beurteilung der Qualität. |
| Court Annexed ADR Processes | Multi-Door-Courthouse: Das Gericht fungiert als Schnittstelle für die verschiedensten ADR Verfahren |
| systemische Mediation | Der Begriff wird häufig verwendet, ohne dass genau herausgestellt wird, was damit gemeint ist. Die systemische Sichtweise deutet darauf hin, dass der Mediator auch die hintergründigen Zusammenhänge und die wechselseitige Beeinflussung der Elemente, Systeme und der Umwelteinflüsse im Blick hat. |
| Präsenzmediation | Mit dem Begriff wird eine Mediation bezeichnet, bei der die Parteien physikalisch präsent sind. Der Begriff dient zur Unterscheidung von einer Onlinemediation oder Hybridmediation |
| virtuelle Mediation | Die virtuelle Mediation beschreibt den Gedankengang der Mediation nach der kognitiven Mediationstheorie. Wenn die Mediation im Verständnis der integrierten Mediation als ein kognitiver Vorgang verstanden wird, kann sie den Gedankengang auch virtuell (also rein gedanklich) abbilden. Die virtuelle Mediation lässt sich aus dem Korsett des formalen Verfahrens herauslösen. |
| konventionelle Mediation | Der Begriff der konventionellen Mediation ist synonym mit dem Begriff der reinen Mediation zu verstehen. |
| reine Mediation | Der Begriff der reinen Mediation ist synonym mit dem Begriff der Mediation zu verstehen, wie er im Mediationsgesetz definiert wurde. Der Begriff wurde zur Verdeutlichung der integrierten Mediation eingeführt. Der Gesetzgeber verwendet ihn allerdings im Verständnis einer idealtypischen Mediation. Die reine Mediation beschreibt die Mediation als ein selbständiges, isoliertes und formelles Verfahren, das alle (also auch nicht idealtypische) Formen der Mediation einschließt. |
| institutionelle Mediation | Siehe "institutionalisierte Mediation" |
| verpflichtende Mediation | Siehe "mandatory Mediation" |
| Konfliktbegleitung | Die Konfliktbegleitung beschreibt eher einen Bedarf als ein Dienstleistungsangebot |
| Schriftform | §126 BGB besagt, wie die Schriftform rechtswirksam zu vollziehen ist. Die Urkunde muss von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet werden. Bei einem Vertrag muss die Unterzeichnung der Parteien auf derselben Urkunde erfolgen. Werden über den Vertrag mehrere gleichlautende Urkunden aufgenommen, so genügt es, wenn jede Partei die für die andere Partei bestimmte Urkunde unterzeichnet. Die schriftliche Form kann durch die elektronische Form ersetzt werden, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt. Die schriftliche Form wird durch die notarielle Beurkundung ersetzt. |
| Oxymoron | Ein Oxymoron ist ein Begriff, der einen Widerspruch in sich trägt. In der Mediation begegnen wir solchen Oxymora in Begriffen wie Anwaltsmediator oder Notarmediator. |
| Verfahrenshindernisse | Hindernisse, die der Durchführung eines Verfahrens im Wege stehen. Hier wird der Begriff synonym mit den der Mediationshindernissen verwendet. |
| Textform | §126b BGB besagt, wie die Textform rechtswirksam zu vollziehen ist. Wenn das Gesetz Textform vorschreibt, muss eine lesbare Erklärung, in der die Person des Erklärenden genannt ist, auf einem dauerhaften Datenträger abgegeben werden. Ein dauerhafter Datenträger ist jedes Medium, das es dem Empfänger ermöglicht, eine auf dem Datenträger befindliche, an ihn persönlich gerichtete Erklärung so aufzubewahren oder zu speichern, dass sie ihm während eines für ihren Zweck angemessenen Zeitraums zugänglich ist, und dass sie geeignet ist, die Erklärung unverändert wiederzugeben. |
| Themenzentrierte Interaktion | Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) versucht eine dynamische Balance in der Arbeit mit Gruppen herzustellen. Die Balance bezieht sich auf die Faktoren Person (Ich), Gruppeninteraktion (Wir), Aufgabe (Es) und Umfeld (Globe). Die Gleichgewichtigkeit der Faktoren wird als Basis der TZI-Gruppenarbeit beschrieben. |
| Inner Game | Das Inner Game betrifft die im Inneren wirkenden Mechanismen eines Menschen. Der Begriff und die sich daraus ergebene Methode wurde von dem Sportpädagogen Timothy Gallwey entwickelt. Das Inner Game beschreibt den Vorgang, der sich auf die Einstellung, den Spiel- und Kampfgeist auswirkt und mit den nach außen wirkenden Aktionen im Zusammenhang steht, wenn es sie nicht gar bedingt. |
| Analogie | Ein vergleichbares Beispiel oder Bild mit einer anderen Aussage oder zur Verdeutlichung einer Aussage. Die Analogie spricht die analoge Wahrnehmung an und erlaubt eine sinnliche Erfahrung. |
| PULS-Prinzip | P=Problem
|
| Umwidmung | Das Umwidmen gibt der Information eine andere Bedeutung. Ein Befehl könnte in einen Gefallen umgedeutet werden. Ein Angriff in den Wunsch etwas zu bewirken oder als eine Aktion der Hilflosigkeit. |
| Bargaining | Übersetzt heisst Bargaining so viel wie feilschen. Bargaining kennzeichnet eine Verhandlungstheorie, bei der eine Gleichgewichtslösung durch Verhandlungen angestrebt wird. Es ist eine Technik, die auseinander liege Verhandlungspositionen in einem Verteilungskonflikt Schritt für Schritt zusammenbringt. |
| Familienanamnese | Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erinnerung. Er wird in der Medizin verwendet und meint ein Gespräch zwischen Arzt und Patient zur Evaluierung der in der Familie vorkommenden Krankheiten. Die Familienanamnese wird auf die Kommunikation bezogen auch in der Mediation eingesetzt, um die Ursachen des Scheiterns der Familie aufzudecken und Schuldfragen zu entkräften. |
| Perspektivenwechsel | Der Perspektivenwechsel erlaubt eine andere Sicht auf dasselbe. Er kann durch das Reframing, durch zirkuläre Fragen oder durch einen Rollentausch erreicht werden. Die geänderte Perspektive erlaubt eine andere Bewertung des Problems. |
| asynchrone Kommunikation | Die asynchrone Kommunikation findet bei nicht gleichzeitiger Anwesenheit der Parteien statt. Beispiele sind Telefonate, Briefe oder e-Mails. |
| Brainstorming | Es werden spontane Ideen gesammelt, die zu einer Lösung beitragen sollen. |
| Ich-Botschaften | Kommunikation findet nach Friedemann Schulz von Thun auf 4 Ebenen statt, die er als "vier Münder" und "vier Ohren" (Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell) umschreibt. Häufig kommt es jedoch vor, dass Menschen nur einen Mund und nur ein Ohr einsetzen. Der Mediator ersetzt diese Selektion, indem er die ich Botschaften herausstellt. |
| Intervision | Eine Methode die als Reflexionshilfe und zur Aufdeckung der eigenen Ressourcen des Mediators verwendet werden kann, indem sich der Mediator mit Kollegen austauscht. |
| Dokumentation | Fallbeschreibung in erster Linie zur internen Qualitätskontrolle nach der Vorlage Muster-Dokumentation |
| Pleonasmus | Die Wichtigkeit des Gesagten wird durch Wiederholungen gerne in andern Formulierungen herausgestellt. Eine Bedeutung wird auf mehrfache Weise wiederholt dargestellt. |
| Coopetition | Coopetition ist ein Kunstwort, das sich aus Cooperation und Competition zuzsammensetzt. Die Coopetition hat also ein kooperatives und ein kompetitives Element. Das mediative Element beschreibt die Konsensfähigkeit. |
| Metakommunikation | Kommunikation über die Kommunikation |
| Caucus | Der Begriff Caucus kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Fraktionsgespräch. Die Mediation oder große Teile davon werden in getrennten Gesprächen geführt. |
Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen