Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
SchlichtungLösungsvermittlung als Unterfall der Streitvermittlung. Bei der Schlichtung unterbreitet der neutrale Dritte Vorschläge zur Einigung.
HierarchieDer Begriff Hierarchie bezeichnet eine Rangordnung. In der Mediation gibt es keine Hierarchie. Die Parteien verhandeln auf gleicher Augenhöhe. Der Mediator stellt die Gleichberechtigung der Parteien sicher.
NichtbeeinflussbarkeitDie Nichtbeeinflussbarkeit ist ein Effekt der Indetermination (siehe Indetermination). Der Mediator bewegt sich in einer Rolle, in der es keinen Sinn macht, seine Entscheidung oder Meinung zu beeinflussen.
ProblemidentifikationDer Streit bezieht sich auf die Position (z.B. Zahlung),während das Problem die dem Streit zugrunde liegende Frage betrifft. (z.B. wer hat den Schaden zu verantworten). Das genaue Herausarbeiten des Problems kann dazu führen, den Streit (die Streitfragen) zu reduzieren.
ContainertheorieDie Containertheorie erlaubt sowohl eine juristische wie eine psychologische Sicht auf das Verfahren. Die juristische Sicht ergibt den Rahmen, die psychologische Sicht führt in die Methode. Die Containertheorie beschreibt, was wie zusammenpasst.
Sittenwidrigkeit§138 BGB besagt: Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig. Demzufolge ist ein Mediationsvertrag (also eine Mediation), die ein sittenwidriges Ziel verfolgt, nichtig.
EnergieerhaltungssatzDer Energieerhaltungssatz besagt, dass sich die Energie nicht erzeugen oder vernichten lässt. Sie kann lediglich zwischen verschiedenen Energieformen umgewandelt werden. Die Mediation macht sich das naturwissenschaftliche Prinzip zu eigen, indem sie die Energie des Konfliktes in die Energie des (mediativen) Denkens umwandelt.
MediationstheorieEine wissenschaftliche Herleitung über die Mediation, die genau und im Zusammenhang erklärt, was warum wie in der Mediation funktioniert.
AnkerpunkteAnkerpunkte sind Dimensionen (Informationsmerkmale), über die sich die Information in die Logik der Mediation einbeziehen lässt. (Beispiel: Dimension = Lösung Einbeziehung = Phase 4). Das Dimensionieren ist ein wesentliches Werkzeug der kognitiven Mediationstheorie.
AIDA-PrinzipAIDA ist eine Akronym, das die Phasen beschreibt, die ein potenzieller Kunde (Klient) durchlaufen muss, um sich letztendlich für den Auftrag (den Kauf) zu entscheiden. Die Abkürzung steht für Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch), Action (Entschluss).
MediationsphilosophieDer Begriff bezeichnet die Kenntnis über die hinter der Mediation verborgenen Gedankengänge und Erkenntnisprozesse, die sich mit der Kognitionstheorie beschreiben lassen.
Verständnis der MediationDas Mediationsverständnis beschreibt die grundlegende Wesenhaftigkeit der Mediation. Siehe das Wesen der Mediation
AuseinandersetzungEine Auseinandersetzung beschreibt die eingehende Beschäftigung mit einem Problem oder einem Konflikt. Sie ist vom Streit zu unterscheiden.
StrukturiertheitDie Strukturiertheit der Mediation stellt sich her, wenn sich die Struktur auf das Verfahren und den Fall erstreckt.
emotionale IntelligenzDie emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit im Umgang mit Gefühlen. Dabei geht es um die korrekte Wahrnehmung der eigenen und der fremden Gefühle, ihr korrektes Verständnis und die Fähigkeit, die Gefühle zu beeinflussen.
MediationskunstDie Mediationskunst beschreibt die Kunstfertigkeit im Umgang mit der Mediation oder das handwerklich (methodisch) geschickte Vorgehen in der Mediation.
MediationsgegenstandDie dem Streitgegenstand entsprechende Festlegung des Verhandlungsgegenstandes in der Mediation Im juristischen Verfahren der Gegenstand der Sache, die zu verhandeln ist. Der Streitgegenstand ergibt sich aus dem Antrag und dem Sachverhalt.
BedürfnispyramideDie Bedürfnispyramide von Maslow stellt die menschlichen Bedürfnisse in einem hierarchischen Verhältnis dar.
KritikKritik ist die Äußerung einer prüfenden Beurteilung aber auch eine Bemängelung oder Beanstandung. Sie kann eine konstruktive und eine destruktive Absicht und Wirkung haben.
PflichtHier wird der Begriff als eine aus Rechtsgründen (wie z.B. der Mediationsvertrag) vorgegebene Handlung oder Unterlassung beschrieben. Die Pflicht wird von den Aufgaben abgegrenzt, die im Ermessen des Mediators liegen und zur Zweckerreichung erforderlich sind. Die Pflichten des Mediators werden im Pflichtenverzeichnis zusammengefasst.
TatbestandDas den rechtlich zu untersuchenden Sachverhalt oder die zu befolgende Regel beschreibende Merkmal in einer Norm (Gesetz, Verordnung).
essentielles TatbestandsmerkmalEin von Greger eingeführter Begriff, der eine Unterscheidung zwischen disponiblen und nicht disponiblen Tatbestandsmerkmalen in §1 Mediationsgesetz unterscheidet.
typisches TatbestandsmerkmalEin von Greger eingeführter Begriff, der eine Unterscheidung zwischen disponiblen und nicht disponiblen Tatbestandsmerkmalen in §1 Mediationsgesetz unterscheidet.
MediationsnavigatorAnalog zum Konfliktnavigator ist der Mediationsnavigator ein Versuch, eine interaktive Führung durch den komplexen Prozess der Mediation anzubieten.
TrostTrost zielt darauf ab, ein Leid durch Teilnahme und Zuspruch zu lindern. (Duden) Im Trost verbirgt sich Empathie und Hoffnung. Die Mediation stellt beides auf einfühlsame Weise und unter Beachtung der Neutralität zur Verfügung.
Berliner ModellDas Berliner Modell ist ein Konzept zur Eingewöhnung von Kindern in den Kindergarten. Das Projekt hat nichts mit der Mediation zu tun, gibt aber Anleitung, wie Vertrauen aufgebaut werden kann. Diese Anregungen können durchaus in einer Mediation verwertet werden.
SchmerzmediatorKörpereigene Substanzen, die chemische Reize auslösen und als Schmerz empfunden werden.
lösungsorientierte GutachtenÜblicherweise ist ein Gutachten analytisch aufgebaut. In der forensischen Praxis, besonders in den Familiensachen hat sich ein Gutachtenstil verbreitet, der nicht nur eine Problemanalyse herbeiführt, sondern auch versucht, die Parteien einer (konsensualen) Lösung zuzuführen.
KonfliktmanagerWer für die Bewältigung, Vermeidung oder Bearbeitung von Konflikten zuständig ist.
ErfolgErfolg ist das Erreichen von Zielen. Um den Erfolg in der Mediation feststellen zu können, ist es also von ausschlaggebender Bedeutung, ihr Ziel genau festzulegen (1.Phase) und die Kriterien für den Erfolg zu definieren (3.Phase).
EnergieerhaltungssatzDer Energieerhaltungssatz besagt, dass sich die Gesamtenergie in einem abgeschlossenen System nicht ändert. Sie kann jedoch zwischen verschiedenen Energieformen umgewandelt werden. In der Mediation wird der Energieerhaltungssatz analogisiert, um den Umgang und die Wirkung der Konfliktdynamik (die ja auch eine Energie darstellt) anschaulich zu erklären.
gelingende MediationDer Begriff wird in der Fachwelt häufig gebraucht. Er steht für eine erfolgreiche Mediation.
EigenkostenEigenkosten sind die nicht an Dritte zu zahlenden Aufwendungen zur Beilegung eines Konfliktes. Die Eigenkosten sind gegen die Konfliktkosten abzugrenzen und teilweise mit ihnen identisch.
KosteneisbergDamit werden die erheblichen, nicht sichtbaren (und nicht bilanzierten) Konfliktkosten im Unternehmen angesprochen. Der Begriff verdeutlicht, dass es sich um einen erheblichen Kostenfaktor handelt, der unter der Wasseroberfläche verborgen ist und nicht beziffert werden kann.
DenkhindernisseHindernisse, die dem mediativen Denken (dem Denken an eine konstruktive Lösung im Streit) im Wege stehen. Es ist die Aufgabe des Mediators, den Parteien zu helfen, die Hindernisse zu überwinden.
KonfliktvermittlungVermittlung (Ausgleich von Gegensätzen) im Konflikt. Siehe auch Konfliktvermittlungsverfahren.
SystematikEine die planmäßige Einordnung in abstrakte Klassen. Für die Mediation werden verschiedene Systematiken zur Verfügung gestellt. Sie sollen dazu beitragen, die Vielfalt der Werkzeuge zu erfassen und zu kategorisieren.
MediatorenkammerBerufskammern sollen die die Selbstverwaltung innerhalb einer Berufsgruppe sicherstellen. Kammern sind hoheitlich eingerichtet und unterliegen dem öffentlichen Recht. Eine Berufskammer für Mediatoren gibt es jedoch nicht. Einige Verbände verstehen sich als Berufsverbände und nehmen die Aufgaben einer Kammer wahr.
AusführungsqualitätDie Qualität der Mediationsdurchführung betrifft die Messbarkeit und Effizienz der Mediationsleistung.
QualitätDie Qualität der Mediation beschreibt, wie das optimalste Ergebnis mit geringstem Aufwand bei vorgegebenen Arbeitsbedingungen zuverlässig zu erzielen ist. Um die Qualität korrekt einschätzen zu können, wird hier zwischen der Ausübungsqualität und der Ausbildungsqualität unterschieden.
QualitätsdiskussionAuseinandersetzung über Fragen der Qualität der Mediation. Um die Qualitätsdiskussion besser einordnen zu können, wird zwischen der Ausbildungsqualität und der Ausführungsqualität unterschieden.
MindeststandardEs ist das wesentliche Ziel der Ausbildungsverordnung zur Qualitätssicherung und Markttransparenz Mindeststandards für die Ausbildung von zertifizierten Mediatoren festzulegen, die für das Führen der Bezeichnung zertifizierter Mediator erfüllt sein müssen.
KonfliktbewältigungSiehe Konfliktbeilegung
SukzessionSiehe Rechtsnachfolge
RechtsnachfolgeDie Rechtsnachfolge beschreibt den Übergang der Rechte und Pflichten von einem Rechtsvorgänger zu einem Rechtsnachfolger. Typische Anwendungsfälle sind das Erbrecht und die Unternehmensnachfolge.
RechtsgestaltungDie Rechtsgestaltung grenzt sich von der Rechtsanwendung ab. Die Privatautonomie garantiert die Freiheit bei der Gestaltung von Rechtsverhältnissen, etwa durch Vertrag.
GestaltungsrechtDas Gestaltungsrecht ist von der Rechtsgestaltung zu unterscheiden. Im Gegensatz dazu handelt es sich um ein bereits eingeräumtes Recht, gestaltend auf das Rechtsverhältnis einzuwirken. Meist sind damit einseitige Rechtsgeschäfte wie die Kündigung gemeint.
ZulässigkeitDie Mediation ist nur zulässig, wenn sie keiner Verbotsnorm im Wege steht. Die Zulässigkeit ist als eine Verfahrensvoraussetzung stets zu prüfen.
SinnhaftigkeitDie Frage, ob eine Mediation auch Sinn macht, geht über die Prüfung der Geeignetheit hinaus. Wenn Bedenken bestehen, dass die Mediation den angestrebten Zweck erreichen kann, hat der Mediator darauf hinzuweisen.
VerfahrensgesetzEin Gesetz, das ein formell vorgegebenes Verfahren regelt und das Prozessrecht festlegt. Beispiel: Zivilprozessordnung. Ein Gesetz ist stets eine hoheitliche Regelung. Wenn die Mediation ein privates, freiwilliges, informelles Verfahren ist, bei dem die Eigenverantwortlichkeit der Parteien im Vordergrund steht, muss sich eine hoheitliche Regelung zurückhalten.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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