Die Sprache der Mediationsschulen

Schulen

Wissensmanagement » Diese Seite gehört zur Rubrik Schulen der Wiki-Abteilung Akademie. Sie befinden sich auf der Seite Termini wo die unterschiedliche Terminologie der jeweiligen Lehre identifiziert wird. Beachten Sie bitte auch:

Schulen Konzepte Thesen Begriffe Aufgaben Inhalte Beispiele Prüfung

Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
RechtsgewährungJeder Bürger hat einen Anspruch auf gerichtliche Hilfe. Die Gerichte sollen sie gewährleisten. Der Rechtsgewährungsanspruch beruht auf einer Abgrenzung der sogenannten Rechtsgarantie des Staates gegenüber dem Rechtsschutzbedürfnis des Bürgers. Die Mediation wäre keine Rechts- sondern eine Interessengarantie auf die jedoch kein rechtlicher Anspruch besteht.
EskalationDas Wort wird vom frz.: escalier („Treppe“) abgeleitet. Es beschreibt das Steigern und Verschärfen der Maßnahmen im Konflikt. Nach Glasl gibt es insgesamt 9 Eskalationsstufen. Die Eskalation gibt Hinweise darauf, wie mit dem Konflikt umzugehen ist.
KonfliktbarometerUnter dem Begriff Konfliktbarometer werden periodisch erscheinende Berichte des Heidelberger Instituts für über internationale Konfliktforschung zusammengefasst, die das internationale Konfliktgeschehen auf einer Skala auf einer Skala von Streitigkeiten, über gewaltfreie Krisen, heftige Krisen, begrenzte Kriege bis hin zu Kriegen erstreckt.
StreitStreit bezeichnet die heftige Auseinandersetzung, das Zanken mit heftigem Wortwechsel, die zum Schlagabtausch führen. Ein Streit kann auch in Handgreiflichkeiten enden. In allen Fällen wird eine Handlung beschrieben. Dafür spricht, dass Streiten ein Verb kennt, Konflikt jedoch nicht.
SorgerechtserklärungVereinbarungen der Eltern in Kindschaftssachen (Rechtsangelegenheiten das Kind betreffend) zur Errichtung der gemeinsamen elterlichen Sorge.
ElternvereinbarungVereinbarungen der Eltern in Kindschaftssachen (Rechtsangelegenheiten das Kind betreffend). Die Vereinbarungen haben grundsätzlich Vorrang vor der Gerichtsentscheidung. Ein Gericht würde die Vereinbarung also billigen und respektieren, wenn sie nicht gegen das Wohl des Kindes verstößt. Grundsätzlich können die Eltern die Vereinbarung selbst treffen. In Einzelfällen kann es jedoch erforderlich sein, das Gericht, das Jugendamt oder den Notar einzubeziehen, damit die Vereinbarung rechtlich durchsetzbar ist.
ResilienzkonzeptDas Resilienzkonzept beschreibt das Rahmenmodell der Resilienz (also der Stressbewältigung). Es geht davon aus, dass der Prozess von vier Prädiktoren gekennzeichnet wird, dem Stressor, den Umweltbedingungen, den individuellen Veranlagungen und Fähigkeiten sowie der Transaktion zwischen der Umwelt und dem Individuum.
KonfliktblödheitEine ebenso flapsige wie anschauliche Bezeichnung für die eingeschränkte Reflexionsfähigkeit im Konflikt, die sich auf die Gehirnfunktionalität zurückführen lässt und ein Merkmal des Stressverhaltens darstellt. Siehe Kompetenz-Amnesie
KonfliktDer Konflikt beschreibt ein Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen oder Interessen. Es gibt verschiedene Definitionen (Siehe die Aufstellung im Beitrag Konflikt. Zur Unterscheidung von einem Problem zeichnet sich der Konflikt dadurch aus, das stets ein emotionales Element (Angst vor Zerwürfnis, Verlust usw.) hinzukommt.
RAAT

RAAT ist ein Akronym für die Faktoren der Stressbewältigung. Das steht für:

  • Resilienz
  • Achtsamkeit
  • Adaptation
  • Transparenz
BANI

BANI ist ein Akronym für die stressbildenden Faktoren:

  • brittle (brüchig/ porös)
  • anxious (ängstlich/ besorgt)
  • non-linear (nicht-linear)
  • incomprehensible (unverständlich/ unbegreiflich)
SEEE

SEEE ist der Gegensatz zu VUCA. Es handelt sich um ein Akronym für die stresslösenden oder stressvermeidenden Faktoren:

  • stable (stabil)
  • secure (sicher)
  • easy (einfach)
  • explicit (eindeutig)
WarnungDie Warnung ist der Hinweis auf eine (negative) Konsequenz des eingeforderten Handelns oder Unterlassens. Auch ein Mediator muss Warnungen aussprechen können. Drohungen sind ihm verwehrt.
Drohung Eine Drohung ist die Ankündigung einer unangenehmen Maßnahme gegen eine andere Person. Die Drohung ist strafrechtlich von der Bedrohung, der Nötigung und der Erpressung abzugrenzen. Psychologisch gesehen stellt sie eine Hierarchie her und legt Abhängigkeiten offen. Ihr Ziel ist Angst und Befürchtungen auszulösen, um den Anderen zu einem bestimmten Verhalten zu manipulieren. Drohungen spielen auch in der Mediation eine wichtige Rolle. Sie ist von der Ankündigung von Konsequenzen zu unterscheiden.
dialektisches DenkenDas dialektische Denken löst den Widerspruch in ein sowohl als auch auf. These und Antithese werden in der Synthese aufgelöst. Das dialektische Denken ist das zielführende Denken in der Mediation.
logisches DenkenDas logische Denken löst den Widerspruch entweder zugunsten der einen oder der anderen Seite auf. Rein logisch betrachtet schließt ein Ja ein Nein aus. Das logische Denken beschränkt die Suche nach der Lösung auf ein entweder oder. Es geht in der Mediation in ein dialektisches denken über.
juristisches DenkenDas juristische Denken ist streng logisch und strukturiert. Es zielt darauf ab, einen gegebenen Sachverhalt an einem normierten Sachverhalt zu messen. Die Subsumtion ist die zugrunde liegende Methode, die das Denken beeinflusst. Die Überlegungen werden auf Fakten und Rechtsfolgen gerichtet.
konfrontatives DenkenDas konfrontative Denken neigt dazu, Fehler beim Gegner zu suchen, um sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Informationen werden zurückgehalten, das Denken wird verschleiert.
kooperatives DenkenDie Mediation ist auf Kooperation angewiesen. Sie möchte, dass sich die Parteien öffnen und erwartet ein darauf ausgerichtetes Denken. Das kooperative Denken ist ein offenes auf Vertrauen basierendes Denken. Es setzt voraus, dass die Kooperationsbereitschaft nicht missbraucht werden kann. Die Mediation löst das konfrontative Denken des Nullsummenspiels auf.
kontroverses DenkenSiehe konträres Denken
GedankenfreiheitDie Freiheit der Gedanken ist eine wesentliche Voraussetzung der Mediation und untrennbar mit ihrem Wesen verbunden. Die Befreiung der Gedanken ermöglicht das Finden von Lösungen, die zuvor niemand für möglich gehalten hat.
GedankenabfolgeDer Gedankengang der Mediation beschreibt eine folgerichtige Abfolge der Gedanken. Siehe mediativer Gedankengang
AnwendungsfelderSiehe Mediationsfelder
VerständnismediationSiehe Verständigungsmediation
FachmediationOberbegriff für branchenorientierte Mediationen. Branchenorientierte Mediationen sind Mediationen in spezifischen Anwendungsfeldern (zum Beispiel Familienmediation, Wirtschaftsmediation).
prätestamentarische MediationEs geht um Fragen, wie Konflikte im Rahmen der letztwilligen Verfügung verhindert werden. Der Begriff wurde als Titel für einen Workshop auf einer Konferenz entdeckt. Offenbar geht es um Konfliktvermeidung. Es ist nicht erkennbar, worin genau die Mediation besteht und wie sie sich von einer klientenzentrierten Beratung unterscheidet.
FamilienmediationMediation in Familienstreitigkeiten. Genauer: Mediation im Anwendungsfeld Familie.
Elder MediationMediation in Generationenkonflikten.
KreditmediationStreitigkeiten im Zusammenhang mit der Kreditvergaben bzw. -abwicklung
ImmobilienmediationMediation in Streitigkeiten rund um Grundbesitz und Immobilien
BaumediationMediation in Bausachen
FinanzmediationMediation bei Überschuldung oder Finanzierungsfragen
Investment MediationVergleichbar mit der Finanzmediation
BehindertenmediationMediation bei Streitigkeiten im Umfeld oder in Angelegenheiten betreffend Behinderte.
SportmediationMediation in Sportangelegenheiten.
RechtsnachfolgemediationMediation in Rechtsnachfolgeangelegenheiten. Betroffen sind Unternehmensnachfolge, Erbschaften, usw.
VerbrauchermediationMediation in Konsumentenstreitigkeiten (B to C)
NachbarschaftsmediationMediation unter Nachbarn
KulturmediationInterkulturelle Mediation
CBMGrenzüberschreitende Streitigkeiten - zu unterscheiden von unterkulturellen und internationalen Streitigkeiten
Inklusive MediationInklusive Mediation (inclusive mediation) basiert auf der Überzeugung, dass die Parteien mit Unterstützung und Anleitung durch einen Problemlösungsprozess eine Lösung entwickeln, die ihren Bedürfnissen entspricht.
Mobile MediationDie Mobile Mediation (engl.) bezeichnet eine Online-Mediation unter Einsatz eines Smart-Telefons. Die Mediation wird somit im wahrsten Sinne des Wortes mobil eingesetzt.
Investor State MediationNachdem der Anlegerschutz durch die Investor State Arbitration als zu wenig transparent kritisiert wurde öffnet sich der Weg in die Mediation, die konsequenterweise auch Investor State Mediation ersetzt wird.
LaienmediationMediationen, die aus Gefälligkeit (etwa bei Freunden, Nachbarn usw.) ohne Vergütung von einem Laien durchgeführt werden, aber den Verlauf und die Wesensmerkmale der Mediation erfüllen.
VerkehrsmediationWortschöpfung für eine Mediation im öffentlichen Bereich
integrierte Mediation

Die Integrierte Mediation ist eine Mediation, die auf die kognitive Mediationstheorie zurückgeführt wird. Darauf basierend definiert sie ein Metaverfahren zur Mediation sowie die verfahrensintegrierte Mediation als Mediationsformat, die Integrierte Mediation als Mediationsmodell und als ein Mediationskonzept.

MusiationDie Bezeichnung Musiation ist ein Kunstwort, das aus den Begriffen Musik (oder Muse) und Mediation gebildet wurde. Die Musiation ist eine Mediation im Anwendungsfeld Muse und Musik.
SelbstwahrnehmungSiehe Selbstsicht
Selbst-FremdsichtEs gibt drei Perspektiven (Sichten) auf den Menschen. Die Selbstsicht (wie er sich selbst sieht), die Fremdsicht (wie er von anderen gesehen wird) und die Selbst-Fremdsicht (wie er glaubt, dass andere ihn sehen). Das Herausarbeiten der unterschiedlichen Sichten ist oft erforderlich, um Einschätzungen zu korrigieren. Es erfolgt mit der Rückmeldung des Mediators und über Fragen.
FremdsichtEs gibt drei Perspektiven (Sichten) auf den Menschen. Die Selbstsicht (wie er sich selbst sieht), die Fremdsicht (wie er von anderen gesehen wird) und die Selbst-Fremdsicht (wie er glaubt, dass andere ihn sehen). Das Herausarbeiten der unterschiedlichen Sichten ist oft erforderlich, um Einschätzungen zu korrigieren. Es erfolgt mit der Rückmeldung des Mediators und über Fragen.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

Weitere Beiträge zu dem Thema mit gleichen Schlagworten
wiki page : Allgemein
wiki page : Glossar
wiki page : Lexikon
forum post : Mediationsverfahren