Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
KillerphrasentechnikKillerphrasen sind Aussagen, die darauf angelegt sind, ein Gespräch schnell und ohne Ergebnis zu beenden. Die Killerphrasentechnik wandelt die Killerphrase in ein konstruktives Gespräch um.
AnkereffektIn der Kognitionspsychologie beschreibt der anchoring effect eine Beeinflussung, die sich oft unbewusst auf menschliche Entscheidungen auswirkt.
BeziehungsopferDer Begriff Beziehungsopfer hat eine doppelte Bedeutung. Zum Einen spricht er die Notwendigkeit an, in einer Beziehung Opfer zu bringen. Damit ist die Beziehungsarbeit gemeint oder die Investition, die in eine Beziehung anzulegen ist. Zum anderen deutet er darauf hin, dass es auch in einer Beziehung Partner gibt, die sich in der Opferrolle befinden oder in eine solche Rolle gedrängt werden. Das ist der Fall, wenn die Beziehungsinvestitionen ungleich verteilt werden.
sinnliche WahrnehmungDie sinnliche Wahrnehmung betrifft die Informationsaufnahme durch die Sinnesorgane.
kognitive WahrnehmungDie kognitive Wahrnehmung betrifft das Erinnern, Lernen, Problemlösen oder Orientieren.
WahrnehmungWahrnehmung beschreibt die Aufnahme sinnlich zu erfassender Reize sowie deren Verarbeitung zu subjektiv sinn­vollen Gesamteindrücken.
OpferDer Begriff Opfer hat gleich mehrere Bedeutungen. In der Religion ist ein Opfer die Darbietung für einen Gott. Daneben gibt es das Tatopfer. Damit ist das Opfer einer unerlaubten Handlung gemeint. In allen Fällen ist die Opferschaft immer mit etwas Schmerzlichem verbunden. Die Mediation fordert eine Auseinandersetzung mit dem Opfer ein. Im Strafrecht kommt sie beim Täter-Opfer-Ausgleich zur Sprache. Sie wird aber auch in anderen Mediationen thematisiert. Oft steht sie mit einem Beziehungskonflikt im Zusammenhang.
OpferrolleMit dem Begriff der Opferrolle wird eine Haltung des Opfers beschrieben, mit der das Opfer dem Täter Verantwortung für das eigene Schicksal zuschreibt.
ParteirolleMit diesem Begriff wird auf die Rolle der Parteien im jeweiligen Verfahren hingewiesen. Die Rolle ergibt ihre Funktion und diese wieder definiert ihre Verantwortung im Verfahren. Die Medianden haben in der Mediation eine exponierte Rolle, indem sie selbst die Lösung finden sollen.
Stockholm-SyndromDas Stockholm-Syndrom bezeichnet das psychologische Phänomen, wo Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen.
ViktimisierungDie Viktimisierung beschreibt ein Verhalten, bei dem jemand anderes in eine Opferrolle gedrängt wird.
KonfliktursacheDie Konfliktursache ist der Grund, warum es zum Konflikt kommt. Also die Frage nach dem Widerspruch oder der Unvereinbarkeit, die das Konfliktverhalten auslöst.
KonfliktanlassDer Konfliktanlass ist das den Konflikt auslösende Moment. Es sollte nicht mit dem Konflikt gleichgesetzt werden.
kreatives DenkenDas kreative Denken wird als die Kompetenz definiert, vielfältige, eigenständige und gestaltende Ideen zu produzieren, zu evaluieren und zu verbessern. Ideen können effektive Lösungen realer Probleme, Fortschritte im Wissen und wirkungsvolle Ausdrucksformen der Vorstellungskraft sein. In der Mediation bezieht sich die Kreativität auf die Lösungssuche. Abgesehen von der Verfahrensstruktur stellt die Mediation verschiedene Techniken zur Verfügung, die den kreativen Prozess unterstützen.
KreativitätKreativität ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und nützlich oder brauchbar ist. In der Mediation bezieht sich die Kreativität auf die Lösungssuche. Abgesehen von der Verfahrensstruktur stellt die Mediation verschiedene Techniken zur Verfügung, die den kreativen Prozess unterstützen.
kognitive VerzerrungSystematische, fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Schlussfolgerungen unseres Gehirns. Siehe auch Denkfehler.
kognitive VerzerrungSystematische, fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Schlussfolgerungen unseres Gehirns. Siehe auch Denkfehler.
initialisierende FrageDie initialisierende Frage zählt zu den Initialisierungsfragen. Im Singular ist die Ausgangsfrage (pro Thema) in der dritten Phase. Sie bereitet Anfängern oft Schwierigkeiten, weil sie eine Änderung des Gedankenganges bewirkt. Ziel der Fragestellung ist, die Bedeutungen und Motive hinter dem Thema herauszufinden.
BedürfniskreisDer Bedürfniskreis stellt die Bedürfnisse in einem Kreis dar, sodass die Spannungsverhältnisse gegensätzlicher Bedürfnisse besser zum Ausdruck kommen.
NachhaltigkeitUnter der Nachhaltigkeit wird eine länger andauernde Lösung verstanden. Sie wird als Leistungsmerkmal der Mediation versprochen und ist zugleich ein Abgrenzungsmerkmal zu anderen Verfahren. Die Nachhaltigkeit soll mit den Parteien bei der Lösungsmanifestation besprochen und geprüft werden.
RezipientEmpfänger einer Nachricht / Botschaft in der Kommunikation
KommunikatorSender einer Nachricht / Botschaft in der Kommunikation
RisikofaktorenRisikofaktoren sind die Einflüsse, die der Widerstandskraft in der Resilienz entgegenwirken. Sie grenzen sich von den Schutzfaktoren ab. Die Resilienz stellt sich her, wenn zwischen beiden Faktoren ein Gleichgewicht hergestellt werden kann.
SchutzfaktorenResilienzfaktoren setzen sich aus Risikofaktoren und Schutzfaktoren zusammen. Es geht darum, eine Balance zwischen beiden Faktoren herzustellen.
Trend-Gegentrend-DialektikIn jeder Krise stellt sich bei dem Versuch, die Krise zu bewältigen, ein Wettbewerb zwischen der nicht mehr tauglichen Wiederholung des Bewährten und noch nicht tauglichen, neuen Verhaltensweisen heraus. In der Krisenentwicklung werden Trends erkennbar, die einen Widerspruch bilden. Der Widerspruch wird dialektisch durch Bildung einer Synthese meist auf einer höheren Komplexitätsebene aufgelöst. In der Mediation kommt es darauf an, die Zusammenhänge und Entwicklungslinien aufzudecken, aus denen sich die Lösung ergibt.
MediationsklassenDie Vielfalt der Mediation und ihre variantenreichen Erscheinungsformen legen eine Systematik nahe, die auf einer als Klassen bezeichnete Kategorisierung beruht. Folgende Klassen werden unterschieden: Mediationskonzepte, Mediationsmodelle, Mediationsformen, Mediationsfelder und Mediationsstile.
Mediation als AlternativeEine Alternative ist die Gelegenheit, zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten zu entscheiden. Die Entscheidung bildet dann eine Alternative, wenn die Möglichkeiten das gleiche Ziel verfolgen. In diesem Verständnis mag hinterfragt werden, ob die Mediation wirklich eine Alternative etwa zum Gerichtsverfahren ist oder ob sie doch nicht eher etwas anderes ist. Die Auseinandersetzung über diese Frage trägt zum Verständnis der Mediation bei und wirkt sich gegebenenfalls sogar auch auf das Marketing aus.
VerständnisDer Begriff Verständnis wird als die Fähigkeit definiert, sich in etwas hineinzuversetzen oder dessen Sinn zu verstehen. Seine Grundlage ist das Verstehen.
ErkenntnislogikDie Erkenntnislogik beschreibt das folgerichtige, zur Erkenntnis führende Denken. Wenn die Mediation ein Erkenntnisprozess ist, so die kognitive Mediationstheorie, sollte der Mediator die Denkweisen kennen, die zur Erkenntnisgewinnung beitragen.
InduktionDie Induktion beschreibt eine Erkenntnislogik. Sie bedeutet Herbeiführung oder Veranlassung. Sie wird auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnet. Unter ihr versteht man die Ableitung einer allgemeinen Regel durch eine oder mehrere Bedingungen. Da aus Einzelfällen abgeleitet wird ist die Schlussfolgerung möglicherweise nicht wahr, allerdings können neue Erkenntnisse gewonnen werden.
DeduktionDie Deduktion beschreibt eine Erkenntnislogik. Sie bedeutet Ableitung oder Herleitung. Sie wird auch als logisches Schließen bezeichnet. Die Schlussfolgerung ist die logische Konsequenz (Wirkung) aus einer logischen Regel und einer gegebenen Bedingung. Aus mindestens 2 Aussagen wird eine neue Aussage abgeleitet. Es können wahre (oder auch zwingende) Schlüsse gezogen werden. Neue Erkenntnisse lassen sich aber nicht gewinnen.
lineares DenkenDas lineare Denken ist ein gradliniges Denken. Das Ziel (die Lösung) wird auf direktem Weg ohne Umschweife angestrebt. Das lineare Denken führt in das Problem hinein.
Triebkraft

Freud verwendet im Zusammenhang mit der Homöostase den Begriff der Triebkraft. Er meint damit einen körperlichen Spannungszustand, in dem die Störung als die Triebquelle, die Beseitigung der Störung als das Triebziel und das Mittel, das wir dazu verwenden, als das Triebobjekt bezeichnet wird.

Prinzip der DifferenzLebewesen existieren nur aus und in einer jeweiligen Differenz. Wahrnehmen heißt Unterschiede wahrnehmen. Neurophysiologisch betrachtet macht sich der Unterschied bereits als eine Spannungsdifferenz an den Synapsen bemerkbar. Das Prinzip der Differenz führt in das Konzept der Homöostase, die einen Gleichgewichtszustand in einem sich selbstregulierenden, offenen, dynamischen System herstellen will.
Prinzip der DifferenzLebewesen existieren nur aus und in einer jeweiligen Differenz. Wahrnehmen heißt Unterschiede wahrnehmen. Neurophysiologisch betrachtet macht sich der Unterschied bereits als eine Spannungsdifferenz an den Synapsen bemerkbar. Das Prinzip der Differenz führt in das Konzept der Homöostase, die einen Gleichgewichtszustand in einem sich selbstregulierenden, offenen, dynamischen System herstellen will.
Evaluierung (Mediation)Während und nach jeder Mediation muss der Mediator prüfen, ob die Mediation auf Kurs liegt und korrekt verläuft. Dazu dient ihm das Qualitätsmanagement. Um aber zu erkennen, ob die Mediation auch bei den Parteien gegriffen hast oder nicht dient die Evaluierung der Mediation, die im Anschluß an der Mediation durchgeführt wird.
Evaluierung (Mediationsgesetz)Mit dem Begriff Evaluierung ist meist die Evaluierung des Mediationsgesetzes gemeint. Die Evaluierung wurde am 14.06.2017 von dem Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer erstellt. Hintergrund war die Frage, ob weitere gesetzliche Maßnahmen erforderlich sind, um die Mediation zu fördern.
KorrespondenzsystemDie Mediation unterscheidet zwischen dem Mediationssystem und dem Streitsystem. Das sind die Systeme, die sich direkt auf das Verfahren beziehen. Es gibt daneben stehende äußere Systeme, die ebenfalls Einfluss nehmen. Sie werden Korrespondenzsysteme genannt. Ein Beispiel ist das Helfersystem.
Lösungshindernisse

Lösungshindernisse bezeichnen die Hürden, die auf dem gedanklichen Weg zum Verstehen in der Mediation zu überwinden sind.

NLPsiehe neurolinguistische Programmierung
AnwaltszwangEs gibt Verfahren, bei denen sich die Parteien vor Gericht durch einen Anwalt vertreten lassen müssen. Die Pflicht, einen Anwalt beizuziehen, wird als Anwaltszwang bezeichnet. Mediatoren müssen wissen, wann ein Anwalt gegebenenfalls einzuschalten ist (z.B. bei Scheidung), um ihn rechtzeitig einzubeziehen.
Nash-GleichgewichtDas Nash-Gleichgewicht ist ein Begriff der Spieltheorie. Er bezeichnet die dominante Strategie oder Strategienkombination, von der kein Spieler abweichen kann, ohne einen Nachteil zu haben. Das Nash-Gleichgewicht beschreibt das dominante Lösungskonzept bei nichtkooperativen Spielen.
SpieltheorieDie Spieltheorie ist von der Spieletheorie zu unterscheiden. Während sich die Spieletheorie eher pädagogisch mit Spielen wie Sackhüpfen befasst und deren Einsatzmöglichkeiten untersucht, handelt es sich bei der Spieltheorie um eine mathamatische Theorie zur rationalen Entscheidungsfindung in strategischen Situationen, die Spielen ähnlich sind, bei denen 2 und mehr Personen beteiligt sind. Die Spieltheorie hilft, strategische Fragen in der Mediation zu erkennen und zu beantworten.
KonfrontationsanfälligkeitDieser Begriff bezeichnet die Neigung der Parteien, auch in der Mediation konfrontativ zu denken. Der Mediator muss dies erkennen, um die Parteien in eine Kooperation zu überführen. Oft genügt dazu nicht nur eine Ansage oder Ermahnung. Mit der Konfrontationsanfälligkeit setzt sich die Strategie auseinander.
PrimäreffektDer Primär- oder primacy effect bezeichnet den Eindruck, den man von einer Person gewinnt, wenn man sie zum ersten Mal sieht. Es handelt sich um ein ein psychologisches Gedächtnisphänomen. Der Primäreffekt besagt, dass man sich an früher eingehende Information besser erinnert wird als später eingehende Information. Wenn die Erstinformation noch nicht mit anderen gespeicherten Informationen abgeglichen werden kann, geht sie besser ins Langzeitgedächtnis über und kann später nicht mehr so leicht überschrieben werden. Der Primäreffekt ist vom Priming-Effekt zu unterscheiden.
PrimingDer Begriff beschreibt die Beeinflussung der Reizaufnahme. Ihr Ziel ist eine unterschwellige Aktivierung von Assoziationen. Priming-Effekte spielen in der Mediation ebenfalls eine Rolle. Einerseits sollte der Mediator ihre Wirkung erkennen, um die Refelxion zu fördern. Andererseits kann er sie zu genau dem Zweck auch nutzen. Der Priming-Effekt ist vom Primäreffekt zu unterscheiden.
Geschwister-MediationDieser Begriff wurde in einem Angebot von Mediatoren entdeckt. Er bezeichnet eine Mediation bei Streitigkeiten zwischen Geschwistern. Darunter fallen Kontaktabbrüche, Erbangelegenheiten, Streit bei Pflege der Eltern.
Interessengarantie

Analog zur Rechtsgarantie stellt die Mediation keine Interessengarantie dar. Zwar garantiert sie die Interessenwahrung bei korrekter Verwendung aus sich selbst heraus. Von einer Garantie kann aber deshalb nicht gesprochen werden, weil die Parteien im Verhältnis zueinander keinen Anspruch auf Teilnehme an der Mediation haben. Im Verhältnis zum Mediator kann jedoch von einer Garantie gesprochen werden, weil er verpflichtet ist, die Interessen herauszuarbeiten.

Interessengarantie

Analog zur Rechtsgarantie stellt die Mediation keine Interessengarantie dar. Zwar garantiert sie die Interessenwahrung bei korrekter Verwendung aus sich selbst heraus. Von einer Garantie kann aber deshalb nicht gesprochen werden, weil die Parteien im Verhältnis zueinander keinen Anspruch auf Teilnehme an der Mediation haben. Im Verhältnis zum Mediator kann jedoch von einer Garantie gesprochen werden, weil er verpflichtet ist, die Interessen herauszuarbeiten.

RechtsgarantieDie Rechtsgarantie des Staates ist gegenüber dem Rechtsschutzbedürfnis des Bürgers abzugrenzen. Sie ist als sogenannte Rechtsweggarantie ist in Art 19 Abs. 4 GG geregelt und betrifft eine Abwehrmaßnahme gegen Rechtsverletzungen der öffentlichen Gewalt. Der Rechtsschutz hingegen betrifft Verletzungen im privatrechtlichen Bereich. Er wird aus Art 20 GG hergeleitet. Das Rechtsschutzbedürfnis verhindert, dass die Gerichte willkürlich angerufen werden.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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