Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
WeihnachtsmediationEs handelt sich nicht um eine Fachmediation, sondern nur um eine Persiflage, die darauf hinweisen soll, wie leicht sich vermeintliche Fachmediationen suggerieren lassen. Es müssen nur zwei Begriffe miteinander verbunden werden und schon gibt es die Weihnachtsmediation oder andere Spezialmediationen.
AugenzugangsbewegungenSiehe Augenbewegungen
PräambelDer Begriff geht auf das lateinische Wort praeambulare zurück. Praeambulare bedeutet vorangehen und kann als Einleitung verstanden werden. Präambeln werden als Vorwort zu einem Vertrag oder auch eines Gesetzes verwendet. Mit ihr sollen die Motive, Absichten und Zwecke der Regelung festgeschrieben werden.
MediationsabschlussvereinbarungDer Begriff wird synonym zur Abschlussvereinbarung verwendet.
Win-Win-PrinzipDie Fähigkeit der Mediations-WIN-WIN-Ergebnisse zu erzielen, wird oft als ein Prinzip genannt. Bei genauerer Betrachtung ist es eine Konsequenz aus dem Grundsatz der Freiwilligkeit.
Einigung

Einig bedeutet einerseits die Übereinstimmung in einer Meinung oder Gesinnung und andererseits das zu einer Einheit verbunden sein. Einigung bedeutet demzufolge das Sicheinigen oder das Einigwerden. Es gibt unterschiedliche Grade des Einigseins im Streit:

  1. Unterwerfung
  2. Vergleich
  3. Konsens
Einigung

Einig bedeutet einerseits die Übereinstimmung in einer Meinung oder Gesinnung und andererseits das zu einer Einheit verbunden sein. Einigung bedeutet demzufolge das Sicheinigen oder das Einigwerden. Es gibt unterschiedliche Grade des Einigseins im Streit:

  1. Unterwerfung
  2. Vergleich
  3. Konsens
KautelDie Begriffe Kautelarpraxis, Kautelarjurisprudenz, Kautelarklausur und lassen Kautel werden auf den lateinischen Ursprung cautela zurückfgeführt, was mit Schutz oder Vorsicht zu übersetzen ist. Die Kautelarjurisprudenz beschreibt deshalb ein Anwendungsformat des Rechts, das keinen Streit lösen sondern vermeiden will. Notare beispielsweise werden als Kautelarjuristen bezeichnet, weil sie rechtsgestaltend darauf hinwirken sollen, dass eine Vereinbarung rechtssicher abgeschlossen wird, die rechtliche Probleme vermeiden will. Eine Parallele findet sich in der sogenannten Gestaltungsmediation oder bei der Abschlussvereinbarung.
Verfahrensrisiko

Der Begriff Verfahrensrisiko entspricht dem Prozessrisiko. Er ist jedoch allgemeiner gefasst und bezieht sich auch auf die nichtgerichtlichen Verfahren.

ProzessrisikoAllgemein wird damit das Risiko eines ungewissen Verfahrensausganges beschrieben. in der Juristerei ist damit das Risiko gemeint, einen Gerichtsprozess zu verlieren. Wenn und weil sich das Prozessergebnis auch auf die Frage der Kostentragung auswirkt, steht das Prozessrisiko in Verbindung mit dem Kostenrisiko.
BeziehungsebeneDie Beziehungsebene stellt eine der Kommunikationsebenen dar. Sie unterscheidet sich von der Sach- oder Inhaltsebene und betrifft das emotionale Wechselspiel der Kommunikanten.
KommunikationsebenenDie Kommunikation findet auf mehreren Ebenen statt. Watzlawick unterscheidet die Sachebene von der Beziehungsebene. Auf der Sachebene, die auch Inhaltsebene genannt wird, werden objektiv überprüfbare Tatsachen rationalen Inhalts übermittelt. Auf der Beziehungsebene werden emotionale Tatsachen übermittelt, die in das emotionale Wechselspiel der Kommunikanten einfließen. Es ist wichtig, die Ebenen auseinanderzuhalten.
InhaltsebeneDie Inhaltsebene entspricht der Sachebene in der Kommunikation.
SachebeneDie Sachebene ist eine Kommunikationsebene, die sich von der Beziehungsebene unterschreibt. Sie wird auch als Inhaltsebene bezeichnet. Auf der Sachebene werden objektiv überprüfbare Tatsachen rationalen Inhalts übermittelt. Das können durchaus auch Meinungen sein, die sich an der Vernunft orientieren.
Overconfidence-EffektDer Overconfidence-Effekt ist ein Denk- und Wahrnehmungsfehler. Er besagt, dass Menschen ihre Fähigkeit um ein Vielfaches überschätzen, exakte Prognosen zu geben
Hochstapler-SyndromDas Hochstapler-Syndrom beschreibt das Phänomen, dass besonders kompetente Menschen ihre Fähigkeiten ständig unterschätzen. Sie glauben nicht an den eigenen Erfolg. Ein Symptom könnte sein, dass sie den Erfolg ständig nach vorne stellen. Mehr um sich, als andere zu überzeugen.
fundamentaler AttributionsfehlerDer fundamentale Attributionsfehler beschreibt das Phänomen, dass der Beobachtende das was er beobachtet der Person oder dem Objekt stets als Eigenschaft zuschreibt.
Halo-Effekt Der Halo-Effekt (von englisch halo, Heiligenschein) bewirkt eine kognitive Verzerrung, indem von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften geschlossen wird. Bei dem Halo Effekt verzerrt eine einzelne Qualität das Gesamtbild optional positiv oder negativ. Der Halo-Effekt korresponidert mit dem fundamentale Attributionsfehler, wenn der Handelnde seine Wahrnehmung nicht auf seine Eigenschaft, aber auf die Situation zuschreibt, die ihn stets entlastet.
AssoziationenfalleDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt, weil das menschliche Gehirn auch unzusammenhängende Informationen miteinander (eben mit Assoziationen) verknüpft.
Confirmation BiasDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt. Er beschreibt, dass Menschen dazu neigen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu empfinden.
Barnum-EffektDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt. Er beschreibt, dass Menschen dazu neigen, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigene Vorstellungswelt bestätigen. Das muss nicht korrekt sein.
Social LoafingDas "soziale Faulenzen" erlaubt es Einzelnen in einer Gruppe nicht ihre beste Leistung zu bringen, weil das nicht auffallen würde. Je größer die Gruppe ist, desto mehr nimmt die Leistung des Einzelnen ab.
Social ProofSocial Proof wird als Denk- und Wahrnehmungsfehler erfasst. Der Begriff weist darauf hin, dass das Denken der Menschen nach Orientierung sucht. Es unterscheidet dabei nicht welcher Qualität die Orientierung ist. Ein Vorurteil genügt oder die Vorstellung, dass Millionen Menschen sich nicht irren können.
Zielvariablen

Die Zielvereinbarung der 1.Phase setzt sich aus drei Variablen zusammen, um daraus eine schlüssige Zielvereinbarung zu gestalten:

  1. den Anlass als Ausgangspunkt des Weges
  2. dem Zweck was damit beabsichtigt wird
  3. der Konsequenz, dass eine Suche erforderlich ist.

KontextDer Kontext bezeichnet allgemein gesagt den Zusammenhang, in dem eine Äußerung oder ein Vorgang steht. Für die Mediation hat der Begriff eine besondere und vielfältige Bedeutung, weil der Kontext den Rahmen herstellt in dem wir denken und weil die Herstellung (oder Nichtaußerachtlassung) des Problemkontextes dazu beiträgt, Selektionen zu vermeiden.
MediationsregelnMediationsregeln sind die mit den Parteien zu vereinbarenden Regeln über die Durchführung der Mediation
SituationsanalyseBevor der Mediator überhaupt entscheiden kann, wie Zwischenfälle in der Mediation zu behandeln sind (welche Handlungsoptionen er hat), muss er die zu bewältigende Situation korrekt erfassen.
WahrnehmungsfehlerMit diesem Begriff werden biologische, sinnliche und psychologische Einschränkungen und Irritationen der Wahrnehmung beschrieben. Der Mediator sollte sie kennen, um die Informiertheit der Parteien sicherzustellen und Umsicht zu korrigieren. Ein Verzeichnis der Wahrnehmungsfehler enthält der Beitrag Denkfehler-Wahrnehmungsfehler.
WYSIATI-EffektDas Akronym steht für "What you see is all there is". Es beschreibt das Phänomen, dass unser Gehirn bei der Entscheidungsfindung alles einbezieht, was wir positiv wissen. Aus diesem Wissen wird eine Geschichte konstruiert, aus der sich die Entscheidung herleiten lässt. Informationslücken bleiben außen vor und werden in die Entscheidung nicht einbezogen
Pro-Rata-ModellAbrechnungssystem für Content-Portale wie Spotify und Wiki to Yes für die Bereitstellung von Inhalten.
Abduktion

Die Abduktion beschreibt eine Erkenntnislogik. Sie dient der Hypothesenfindung und baut auf Erfahrungen auf. Auf die Mediation übertragen, wäre sie der gedankliche Weg in die neue Lösung.

Aspirin-LogikEine statistische Erhebung hat gezeigt, dass Menschen, die kein Aspirin nehmen, häufiger an Kopfschmerzen leiden. Der Umkehrschluss jedoch, dass jemand der kein Aspirin nimmt, deshalb notwendigerweise Kopfschmerzen hat, ist nicht logisch. Die Aspirin-Logik beschreibt eine Art des Denkens, die den Beweis für eine Tatsache dadurch herbeiführen will, dass sie das Nichtvorhandensein einer Korrelation oder des vermeintlichen Gegenteils widerlegt. Tatsächlich führt die Negation des Gegenteils nicht zwingend zur Schlussfolgerung, dass die Behauptung korrekt ist. Wenn ich belege, dass der andere böse ist, ist die Schlussfolgerung, dass ich gut sein muss, keine logische Konsequenz. Der Trugschluss lässt sich vermeiden, wenn man sich auf das konzentriert was ist oder sein soll.
WhiteboardDas Whiteboard entspricht einer Tafel mit allen Vor und Nachteilen. Der Vorteil ist die Visualisierungsfläche Der Nachteil ist der begrenzte Platz. Wie bei einer Tafel muss das Whiteboard gegebenenfalls gereinigt werden, damit weitere Darstellungen möglich sind. Diesen Nachteil kompensiert ein Flipchart oder ein elektronisches Whiteboard.
PolarisierenGegensätze aufbauen um zu verdeutlichen
ProvozierenWenn das Gespräch behäbig verläuft, können provozierende Fragen helfen, Gedanken zu ermöglichen.
ZuspitzenWenn das Gespräch zu behäbig verläuft, die Dinge nicht auf den Punkt kommen helfen Zuspitzungen um Erkenntnisse zu gewinnen.
förmliche MediationSiehe formelle Mediation
Hybrid-MediationDer Begriff wird verwendet wenn eine Mediation als Präsenzmediation kombiniert mit virtuellen Begegnungen, also einer online Mediation, ausgeführt wird.
Mediation mit StellvertretungSiehe Stellvertretermediation und Parteien
Mediation (allgemein)Mit diesem Begriff wird die Lehre der Mediation angesprochen, nicht das Verfahren. Die Lehre deutet auf das zugrundeliegende Mediationskonzept hin.
Mediation i.S.d. MediationsgesetzesEs ist eine Unterscheidung geboten für Mediationen, auf die das Mediationsgesetz anwendbar ist und solche, auf die es nicht anwendbar ist. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Mediationsradius. Sie auch Mediationssystematik. Siehe auch gesetzliche Mediation
nonverbale KommunikationDie nonverbale Kommunikation bezieht sich auf die Körpersprache, mithin die sinnlich wahrnehmbare und meist nicht verbalisierte Kommunikation.
paraverbale KommunikationDiese paraverbale Kommunikation ist eine begleitende Kommunikation. Sie betrifft die Art und Weise, wie eine Botschaft übermittelt wird. Sie erfolgt ebenfalls nonverbal und drückt sich im Tonfall, im Schweigen, in der Aussprache, in der Lautstärke, der Tonlage, der Sprachmelodie, der Betonung, der Sprechgeschwindigkeit, aber auch eventuell im Lachen, Seufzen, Räuspern, Kopfnicken, Murmeln, Stammeln usw. aus.
verbale KommunikationDie verbale Kommunikation ist eine inhaltliche Kommunikation, die auf das gesprochene oder geschriebene Wort eingeht.
überprüfenDie Angaben der Parteien sind mindestens auf ihre Schlüssigkeit hin zu überprüfen. Für den Mediator genügt es, auf Bedenken hinzuweisen. Wie die Überprüfung der Faktenlage erfolgt, ist mit den Parteien abzustimmen. Bei streitigen Fakten ist Beweis zu erheben.
Einigung

Einig bedeutet einerseits die Übereinstimmung in einer Meinung oder Gesinnung und andererseits das zu einer Einheit verbunden sein. Einigung bedeutet demzufolge das Sicheinigen oder das Einigwerden. Es gibt unterschiedliche Grade des Einigseins im Streit:

  1. Unterwerfung
  2. Vergleich
  3. Konsens
MotivierenErkenntnisse vermitteln, die ein Interesse an der Mediation (oder Entscheidungen in der Mediation) wecken. Die Motivation ist stets auf ein Wachstum (V Vermehrung von etwas) oder auf Mangelbeseitigung gerichtet.
TriebreduktionDie Triebreduktionstheorien gehen von einem physiologisch oder psychologisch erzeugten Spannungsverhältnis aus (Trieb), der das Verlangen auslöst, die Spannung abzubauen also den Antrieb zu reduzieren. Die Triebreduktion wird im Zusammenhang mit der Motivation und den Motiven in der Mediation erwähnt.
Leerer StuhlUm die Betroffenheit und Involviertet einer nicht anwesenden Person aufzuzeigen kann der Mediator einen leeren Stuhls aufstellen. Er kann diesen wie die zu repräsentierende Person ansprechen.
KonsistenzkontrolleDie Parteien neigen zum Hase und Igel Spiel. Das bedeutet sie wechselnde Ebenen und Denkmodelle ohne sich darüber bewusst zu sein. Der Mediator achtet darauf das Ebenen oder Modelle erst gewechselt werden, nachdem ein Punkt abgearbeitet wurde.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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