Die schikanöse Versetzung

Fallbezeichnung

Wissensmanagement » Diese Seite gehört zum Bereich Wiki unlimited. Inhaltlich ist er Rubrik Mediationsfälle der Wiki-Abteilung Praxis zugeordnet und verweist auf die Fallbesprechungen. Es geht um die konkrete Fallbearbeitung. Beachten Sie bitte auch folgende, damit zusammenhängende Seiten:

Fallbesprechungen Fall-Versetzung Arbeitshilfe Falleintrag Erfahrungen    

Die Fallbeispiele sollen zum Lernen beitragen. Sie können in Peergroups zum Üben genutzt werden, aber auch um die Methodik zu hinterfragen. Bitte schauen Sie sich die Lösungshinweise erst an, nachdem Sie den Fall ausprobiert haben. In einem Rollenspiel sollten die Briefings nur von den Personen gelesen werden, denen ein Rollenverhalten zugeschrieben wird.

Fallbeschreibung

Ein Konzern, der Krankenhäuser betreibt muss Konkurs anmelden. Das Sanierungskonzept besteht darin, dass eines von drei Krankenhäusern, KH-1, KH-2 und KH-3, in der Region geschlossen wird. Die Mitarbeiter müssen und können an die Krankenhäuser KH-2 und KH-3 versetzt werden, wenn sie das Arbeitsverhältnis nicht kündigen. BR-Mitglied AN-1 soll in das weit entfernte Krankenhaus versetzt werden. AN-1, der sich massiv gegen die Schließung des Krankenhauses und somit gegen den Arbeitgeber gewendet hat, sieht darin eine Schikane. Er wäre bereit, sich an das Krankenhaus in der Nähe, also an KH-2, versetzen zu lassen. Das KH-3 sei so weit von zu Hause entfernt, dass sich die Anfahrtszeit um 1 Stunde je Strecke verlängert. Der Betriebsrat konnte den Arbeitgeber zwingen, über die Versetzung eine Mediation durchzuführen. Die Mediation findet statt zwischen AN-1 und dem Abteilungsleiter des Krankenhauses, AN-2, sowie dessen Vertreter, AN-3, wohin sich AN-1 versetzen lassen würde.

Briefing

Das Briefing ist verdeckt, weil es Informationen an die Parteien enthält, die der Mediator in der Regel nicht kennt. In einem Rollenspiel kann sich jede Partei das für sie einschlägige Briefing anschauen.

Rolle der AN-1

Rollenverhalten der AN-1:

AN-1 sieht in der Versetzung und in der Mediation eine Schikane. Er befürchtet, dass AN-2 und AN-3 von der Arbeitgeberin, dem Krankenhauskonzern manipuliert wurden. AN-1 hatte sich sehr stark als Betriebsrat gegen die Schließung des Krankenhauses gewandt. AN-1 war und ist grundsätzlich mit der Schließung des Krankenhauses nicht einverstanden und richtet erhebliche Vorwürfe gegen die Arbeitgeberin und die lokale Politik. Ahnend, dass die Schließung nichtmehr zu ändern ist, erklärt sich AN-1 mit einer Versetzung an das KH-2 einverstanden. Gegen eine Versetzung an das KH-3 wehrt er sich vehement. Auf eine Tätigkeit im KH-2 hat er sich sogar zuvor beworben, als dort eine Beförderungsstelle frei wurde. Diese Stelle hat nun AN-3 inne, den AN-1 für völlig unfähig hält. AN-1 wurde zu dem Mediationstermin geladen. Der Termi9n war ein Kompromiss, der mit dem Betriebsrat ausgehandelt wurde. Dort wurde vorgegeben, dass über die Versetzung ein Mediationsverfahren bei dem zertifizierten Mediator ZM-1 stattfinden soll. AN-1 will einen Beistand zur Mediation mitnehmen. Im Vertrauen darauf, dass ZM-1 einen guten Job macht, wurde auf den Beistand verzichtet.

Rolle des AN-2

Rollenverhalten des AN-2:

AN-2 ist der Abteilungsleiter im Krankenhaus, wo AN-1 beschäftigt werden könnte. AN-2 erklärt, dass er von der Arbeitgeberin zu dem termin veranlasst wurde. "Er solle sich das mal anhören", wurde ihm gesagt. So richtig wisse er nicht worum es geht. AN-2 räumt ein, dass es Personalmängel gibt. Im Verlauf des Gepsprächs stelölt es sich immer mehr heraus, dass er die Zusammenarbeit mit AN-1 anblehnt, weil AN-1 nicht loyal der Arbeitgeberin gegenüber sei. Je mehr AN-1 dies bestreitet, umso mehr regt sich AN-2 darüber auf.

Rolle des AN-2

Rollenverhalten des AN-3:

AN-3 ist der Vertreter des Abteilungsleiters im Krankenhaus, wo AN-1 beschäftigt werden könnte. AN-3 hat die Stelle bekommen, auf die sich AN-1 beworben hatte. AN-3 ahnt, dass AN-1 seine fachlichen Leistunfgen kritisiert. Im Grunde sagt er aber nur das, was AN-2 sagt.

Lösungshinweise

Die Lösungshinweise beziehen sich auf den konkreten Fall. Sie können sich in einem Rollenspiel druchaus anders darstellen. Das Problem, um das es geht, dürfte aber auch dort zum Vorschein kommen. Wie geht ein Mediator mit dem Fall um und was ist die Besonderheit des Falles?

Besonderheit
Mediator ZM-1 begann die Mediation mit der Frage worum es gehe. Als keiner der Beietigten darauf eine Antwort geben konnte, fragte ZM-1, ob sich die Parteien vorstellen könnten, dass ein Konflikt aufkommen oder vorliegen könnte. Mit dieser Frge steigerte sich das gespräch immer mehr in den Konflikt hinein, sodass die Mediation nach 90 Minuten abgebroechen wurde. Es hat sich herausgestellt, dass ZM-1 ger kein zertifizierter Mediator, sondern ein beim AG beschäftigter Coach und Supervisor handelte. Mit dem formalen Argument konnte der Betriebsrat eine Wiederholung der "Mediation" erwirken. Obwohl AN-1 einen qualifizierten Mediator vor Ort vorgeschlagen hat, veranlasste die Arbeitgeberin einen neuen Termin bei ZM-2. Diesmal einem wirklichen zertifizierten Mediator am Sitz der Arbeitgeberin. Die Wahl wurde wieder nicht abgestimmt. AN-1 verweigerte daraufhin nach Rücksprache mit seinem Anwalt die Fortführung der Mediation.

Lösungsansatz
XXX

Falldiskussion

Sie können im Kommentarbereich (siehe den Button unterhalb der Seite) Fragen stellen oder andere Lösnungsvorschläge zur Diskussion stellen.

Prüfungsfragen

Ist dieser Fall für eine Mediation geeignet?
Bitte prüfen Sie Geeignetheit. Wichtig ist gegebenenfalls die Unterscheidung zur der Mediationsbereitschaft!!! Dass die Parteien gegebenenfalls (noch) nicht bereit sind, die Mediation durchzuführen und Bedingungen stellen, hat nichts mit der Geeignetheit zu tun.
Was ist das Ziel der Mediation
Immer Finden einer Lösung mit der alle zufrieden sind. Siehe Zielvereinbarung und 1.Phase
Was ist der Konflikt (sind die Konflikte) dahinter?

Wie sieht eine Konfliktlandkarte aus und wie sieht die Konfliktanalyse aus? Wofür brauchen wir das genau?
Siehe Konfliktdimensionen, Konfliktanalyse und Konfliktlandkarte. Themen die aus den Konflikten gebildet werden sind:
1. Hier wie üblich der Paarkonflikt als Beziehungskonflikt und Konfliktmotor.
2. Es kommt wohl auch noch ein dicker Elternkonflikt als Beziehungskonflikt hinzu
3. Hier muss auch ein Beziehungskonflikt der Eltern mit dem Kind in Betracht gezogen werden
4. Umgang und Sorge sind Sachkonflikte (zu lösende Probleme)

Was ist der Hauptkonflikt?
Das ist der Konflikt, der gelöst werden muss, um die anderen Konflikte zu beseitigen. Hier auch als Konfliktmotor bezeichnet.
Haben wir in diesem Fall 2,3 oder 4 Parteien und warum?
Wie ist mit hoch eskalierten Konflikten umzugehen?
Hohe Motivation, gegebenenfalls Verhandlungsdruck aufbauen. Das Kind ist ein Schlüssel.
Was sind konkret die Rollen der Teilnehmer (Parteien)?
Sind Ungleichgewichte zu erwarten?
Gelegentlich – wo und wie erkennen, wo und wie vermeiden oder verwalten, wenn in der Mediation?
Was ist der Bereich der Mediation (Familien- oder Wirtschaftsmediation)?

Beziehungskonflikt (Familienkonflikt) immer transformativ (oder integriert). Sachkonflikt (Zahlung) kann dann facilitativ abgewickelt werden.
Warum ist es wichtig zu wissen?

Welche Art von Mediation (Mediationsmodell) ist die beste und effektivste?
Warum ist das wichtig und wie geht man damit um?
Wie würden Sie die Stunden berechnen, die die Mediation dauern wird
(die Parteien fragen gleich zu Beginn nach, um die Kosten abzuschätzen), wie werden Sie den Parteien Geldprobleme erklären?
Mit welcher Komplexität (Ebenen, Dimensionen, Ansichten,…) muss sich der Mediator in diesem Fall auseinandersetzen
und wie geht er damit um?
Welche Struktur kann die Mediation geben, um die Verhandlung zu erleichtern?
Wann und wie soll mit dem Streit um die Teilnahme des Grünen Engels umgegangen werden?
(Es wird nicht vom Sohn und seiner Frau vereinbart, sondern von der Mutter erzwungen)
Wie gehe ich mit Manipulationen des grünen Engels um?
Wie kann man Teilnehmer aus der Konfrontation herausholen und den Konflikt konkret deeskalieren?
Wie verwalte ich Cliquen und Gruppen, die zwischen Parteien gebildet werden?
Was sind die Themen, woran wird am meisten gearbeitet und wie werden Konflikte und Themen miteinander interagieren?
Muss diese Mediation vorbereitet werden? Wie machst du das gelegentlich?
Welche Herausforderungen sind in diesem Fall zu erwarten und wie können sie bewältigt werden?
Ist es möglich, sie zu vermeiden?
Gibt es einen Konflikt mit den Prinzipien der Mediation (zu erwarten)?
Wo sind welche Prinzipien gewagt?
Wie gehe ich mit dem Verdacht um, dass die Schwiegertochter die Mutter töten wollte?
Wo sehen Sie Einflüsse des Zivil-, Familien- und Strafrechts?
Gelegentlich: Wie und wann wird mit dem Mediator umgegangen?
Wo sehen Sie Einflüsse der Psychologie und Soziologie?
Wie gehe ich mit einem Mediator um?
Ist Familie ein Problem?
Warum oder warum nicht? Wo tauchen in diesem Fall welche Familienanfragen auf?
Warum ist es wichtig, Informationen als Argumente, Positionen, Themen, Motive, Interessen, Bedürfnisse und Lösungen zu qualifizieren?
Was bedeutet Phase 3 (konkret)? (wofür wirst du das machen?)
Wie werden Sie Phase 3 bewältigen, welche Schritte müssen Sie durchführen und warum?
Wird es ausreichen, um einige Interessen herauszufinden? Warum oder warum nicht?
Ist Schuld ein Problem? Wie gehe ich gelegentlich damit um?
Ist Trauer oder Hass ein Problem? Wie gehe ich gelegentlich damit um?
Was ist, wenn Parteien nicht über eine Beziehung sprechen möchten?
Sind innere Konflikte zu berücksichtigen? Gelegentlich für wen und wie in Mediation zu verwalten?
Darf man sich mit inneren Konflikten in der Mediation auseinandersetzen? Was ist das Problem?
Woher wissen Sie, in welche Tiefe ein Mediator in Phase 3 einsteigen muss?
Wie gehen Sie mit dem Verdacht um, dass die Mutter ein bisschen wahnsinnig ist?
Wird es Fakten geben, die bewertet werden müssen?
Wenn ja, wann und wie wird ein Mediator in diesem Fall die Tatsachenermittlung durchführen?
Welche Erkenntnisse müssen die Parteien gewinnen, um die Lösung selbst zu finden, und wie können sie damit umgehen, dass sie sie in der Mediation finden?
Die Parteien sind sehr an ihre Positionen gebunden. Wie hilft ihnen die Mediation, sich von diesem Fokus zu lösen?
Wo erwarten Sie, dass wozu Interventionen notwendig sind?
Wie werden Sie Phase 4 bewältigen, welche Schritte müssen Sie durchführen und warum?
Müssen Spezialisten (Anwälte, Therapeuten, Experten) einbezogen werden, wann, warum und wie?
Wo und wann kann ein Mediator den Parteien mit Vorschlägen und Ratschlägen helfen, um Lösungen zu finden und festzulegen?
Was sind die Erfolgskriterien in diesem Fall und wie kann der Mediator sie erkennen?
Was ist bei der Klärung des Falles zu beachten?
Hinweise und Fußnoten
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2026-03-28 18:47 / Version .

Siehe auch: OMA
Diskussion (Foren): Erfahrungen mit Fällen und der Fallarbeit, OMA Mediatorenausbildung. Vorschläge, Kritik, Kommentare
Geprüft: