Diplomatie

Zusammenstellung

Datensatz-ID: 15668
Bezeichnung: Diplomatie
Verzeichnisse: Allgemein
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Fachbuch: Konsolidierung
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Die Diplomatie spielt nicht nur bei politischen Konflikten eine Rolle. Kann sie die Mediation ersetzen?

Das Politiklexikon beschreibt Diplomatie als den Sammelbegriff für außenpolitische, zwischenstaatliche Aktivitäten und Internationale Beziehungen.
1 Im übertragenden Sinn ist Diplomatie aber auch eine Art des Verhandelns. Winsten Churchill verstand darunter das Folgende:2

Diplomatie ist, jemanden so zur Hölle zu schicken, daß er sich auf die Reise freut


Gerade weil die Diplomatie politisch missbraucht werden kann, steht sie nicht immer in einem guten Ruf. Damit geschieht ihr Unrecht. Kann die Mediation weiterhelfen? Um dieser Frage nachzugehen soll zunächst geklärt werden, was Diplomatie genau bedeutet.

Was ist Diplomatie?

Vom Wortstamm Diplom ausgehend, ist es eine Bescheinigung oder ein Begleitbrief. Das Adjektiv diplomatisch bedeutet deshalb ursprünglich so viel wie die Urkunden betreffend, urkundlich, buchstabengetreu, später auch die Diplomatie betrefffend. Dann wurde dem Wort zunehmend die Bedeutung der den internationalen Verkehr regelnden Urkunden und Verträge und schließlich den internationalen Verkehr selbst betreffend zugeschrieben. Und schließlich steht das Wort für geschickt verhandelnd.3

Die besonderen Fähigkeiten eines Diplomaten

Die Rolle des Diplomaten verdient ein besonderes Augenmerk, weil sie auch dem Mediator zugeschrieben wird.4 Die Eigenschaften eines Diplomaten können vielfältig sein, da sie von den individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften der Person abhängen. Dennoch gibt es einige grundlegende Eigenschaften, die Diplomaten in der Regel besitzen:

  1. Kommunikationsfähigkeit: Diplomaten müssen ausgezeichnete kommunikative Fähigkeiten haben. Sie müssen in der Lage sein, effektiv zu sprechen, zu schreiben und zuzuhören. Sie müssen komplexe Ideen klar vermitteln und zwischen verschiedenen kulturellen Hintergründen und Sprachen kommunizieren können.
  2. Verhandlungsgeschick: Diplomaten müssen über starke Verhandlungsfähigkeiten verfügen, um bei Verhandlungen und Diskussionen erfolgreich zu sein. Sie müssen in der Lage sein, Kompromisse zu finden, verschiedene Standpunkte zu berücksichtigen und gemeinsame Interessen zu identifizieren.
  3. Zwischenmenschliche Fähigkeiten: Diplomaten müssen über ausgeprägte zwischenmenschliche Fähigkeiten verfügen, um Beziehungen zu anderen Diplomaten, Regierungsvertretern und Einheimischen aufzubauen. Sie müssen in der Lage sein, Empathie zu zeigen, kulturelle Unterschiede zu respektieren und diplomatische Konflikte zu bewältigen.
  4. Analytische Fähigkeiten: Diplomaten müssen komplexe politische und wirtschaftliche Situationen analysieren und verstehen können. Sie müssen in der Lage sein, Informationen zu sammeln, zu interpretieren und Entscheidungen zu treffen, die den Interessen ihres Landes dienen.
  5. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Diplomaten arbeiten oft in einer sich ständig verändernden Umgebung. Sie müssen bereit sein, sich neuen Situationen anzupassen, unerwartete Herausforderungen zu bewältigen und schnell zu reagieren.
  6. Diskretion und Vertraulichkeit: Diplomaten müssen in der Lage sein, vertrauliche Informationen zu bewahren und diplomatische Geheimhaltung zu wahren. Sie sollten in der Lage sein, sensibel mit Informationen umzugehen und diplomatische Kanäle und Protokolle zu respektieren.
  7. Wissen über internationale Beziehungen und Politik: Diplomaten sollten ein solides Verständnis der internationalen Beziehungen, der Geschichte, der Politik und der Kulturen sowohl ihres Heimatlandes als auch des Gastlandes haben. Sie müssen über Kenntnisse über internationale Rechtsnormen, Abkommen und Institutionen verfügen.

Arten der Diplomatie

Es gibt so viele Arten der Diplomatie wie es Erscheinungsformen und Anwendungen gibt.

Art Erklärung Typische Anwendungsbereiche
Bilaterale Diplomatie Direkter Austausch zwischen zwei Staaten, meist über Botschaften und Verhandlungen. Außenbeziehungen, Handelsabkommen, Sicherheitsfragen zwischen zwei Ländern.
Multilaterale Diplomatie Verhandlungen zwischen mehreren Staaten innerhalb internationaler Organisationen oder Konferenzen. UNO, WTO, EU, Klimakonferenzen.
Konferenzdiplomatie Zeitlich begrenzte Treffen vieler Staaten zur Lösung spezifischer Fragen. Friedensverhandlungen, Gipfeltreffen (z. B. G7/G20).
Parlamentarische Diplomatie Austausch und Kooperation über parlamentarische Institutionen. Europarat, Interparlamentarische Union.
Track-One-Diplomatie Offizielle, staatliche Diplomatie durch Regierungen und Außenministerien. Vertragsverhandlungen, Friedensprozesse auf Regierungsebene.
Track-Two-Diplomatie Inoffizielle, nichtstaatliche Kanäle (Wissenschaftler, NGOs, religiöse Gruppen). Friedensförderung, Vertrauensbildung, Vorbereitung offizieller Prozesse.
Multiy-Track-Diplomatie Kombination aus Track-one und Track-two Diplomatie mit Erweiterung auf Grassroot- Diplomatie Friedensförderung, Vertrauensbildung, Vorbereitung offizieller Prozesse.
Öffentliche Diplomatie Kommunikation mit der Bevölkerung anderer Staaten, um Meinungen und Images zu beeinflussen. Kulturaustausch, internationale Medienarbeit, „Soft Power“.
Kanonendiplomatie Einsatz oder Androhung militärischer Macht zur Durchsetzung politischer Interessen. Historisch im Kolonialismus, heute eher symbolisch (Marineeinsätze, Sanktionen mit militärischer Präsenz).
Wirtschaftsdiplomatie Einsatz wirtschaftlicher Instrumente zur Gestaltung internationaler Beziehungen. Handelsverträge, Investitionsschutzabkommen, Sanktionspolitik.
Kulturdiplomatie Förderung von Kultur, Bildung und Sprache als Mittel zur Verständigung und Einflussnahme. Goethe-Institut, British Council, Erasmus-Programme.
Umweltdiplomatie Aushandeln globaler oder regionaler Umwelt- und Klimaschutzabkommen. Klimakonferenzen, Biodiversitätsabkommen.
Gesundheitsdiplomatie Internationale Kooperation im Gesundheitswesen. WHO, Impfstoffallianzen, Pandemiebekämpfung.
Megaphon-Diplomatie Öffentlichkeitswirksame, oft medienorientierte Diplomatie, statt vertraulicher Verhandlungen. Presseerklärungen, Social Media, offene Drohungen.
Geheime Diplomatie Nicht-öffentliche, diskrete Verhandlungen. Hintergrundgespräche, geheime Friedensverhandlungen.
Ping-Pong-Diplomatie Nutzung von Sport oder Kultur als Brücke zur Verbesserung der Beziehungen. US-chinesische Annäherung (1970er), internationale Sportbegegnungen.

Bedeutung für die Mediation

Dem Mediator wird die Rolle eines Diplomaten zugeschrieben.5 Das ist nicht ganz richtig, weil er selbst nicht verhandelt. Er ist keine Partei und bestenfalls ein Moderator. Weshalb ihn die Rolle des Diplomaten zugeschrieben wird, hat mit der Fähigkeit zu tun, Brücken zu bauen und Beziehungen aufrecht zu erhalten. In der Meditation ist diese Fähigkeit eine Notwendigkeit. Der Grundsatz der Freiwilligkeit zwingt den Mediator zur Vermittlung, weil die Parteien sonst die Mediation verlassen könnten.

Die Mediation findet in einem geschützten Raum statt, der sogar als Sphäre eingerichtet werden kann.6 Die Diplomatie hat diese formale Abgrenzung meist nicht. Sie kommt deshalb zur Geltung, wenn es darum geht, den Weg in die Mediation zu weisen, damit die Mediation ihre volle Wirkung entfalten kann. Das gelingt am besten, wenn sie die Mediation als Methode anwendet. Wie das geschieht, beschreibt die Lehre der integrierten Mediation.7

Hinweise und Fußnoten
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Bearbeitungsstand: 2025-10-04 19:16 / Version .

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